Der Regionale Rennsportverband im Westen Frankreichs hat in diesem Jahr eine Initiative gestartet, um die Zahl der PMH-Renntage an Sonn- und Feiertagen während der Hochsaison zwischen Mai und September zu reduzieren. Ziel ist es, der Häufung von Veranstaltungen an denselben Tagen entgegenzuwirken, an denen das französische Rennangebot überladen ist. Die Folgen sind für alle kontraproduktiv: für die Trainer, die Pferde und Personal nicht gleichzeitig auf mehrere Orte aufteilen können, was ebenso für die Fahrer gilt. Gleichzeitig ist das Publikum gezwungen, sich zwischen konkurrierenden Veranstaltungen zu entscheiden.
Die Verlagerung einiger Veranstaltungen auf "schwächere" Tage scheint viele Vorteile zu bieten. Gerade in einer Zeit, in der die Branche versucht, Publikum, Nachwuchs, Starterzahlen und Wettumsätze wieder anzukurbeln.
Wie wurde diese regionale Maßnahme umgesetzt und welche ersten Erkenntnisse gibt es? Dazu führte 24h au Trot ein Interview mit Patrick David, dem Präsidenten des Regionalverbands der Rennvereine des Westens. Er ist auch einer der Initiatoren dieses Vorhabens.
24h au Trot: "Wie entstand diese Idee und wie wurde sie umgesetzt?"
Patrick David: "Im Westen sind wir in einer ähnlichen Situation wie andere Verbände. Die Aktiven sagen uns, dass zu viele Rennen auf Sonn- und Feiertage konzentriert sind, was Probleme bei Mobilität und Personal verursacht. Ihr Wunsch ist, einige dieser Veranstaltungen auf andere Wochentage zu verlegen, um die Arbeit zu erleichtern. Wir haben das Thema im Vorstand des Westverbands intensiv geprüft. Uns war klar: Würde man die Entscheidung allein den Rennvereinen überlassen, käme kaum etwas dabei heraus, weil jeder gute Gründe hat, seinen Kalender nicht zu verändern. Deshalb hat der Verwaltungsrat beschlossen, dass Rennvereine mit fünf PMH-Veranstaltungen an Sonn- oder Feiertagen zwischen dem 1. Mai und dem 30. September eine dieser Veranstaltungen auf einen anderen Tag verlegen müssen."
24h: "Wie viele Vereine betrifft das im Westverband?"
PD: "Sieben Rennvereine fallen unter diese Regelung: Blain, La Roche-sur-Yon, Landivisiau, Maure-de-Bretagne, Niort, Nort-sur-Erdre und Saint-Jean-de-Monts. Hinzu kommt Rostrenen, das zwar nicht verpflichtet war, weil dort weniger als fünf Veranstaltungen an Sonn- und Feiertagen zwischen Mai und September stattfinden, sich aber freiwillig beteiligt hat. Statt wie üblich am Pfingstsonntag und Pfingstmontag zu veranstalten, hat Rostrenen seine Rennen auf Samstag und Sonntag gelegt. Das ist wichtig, denn am Pfingstmontag gibt es traditionell sehr viele Veranstaltungen in den Verbänden West und Anjou-Maine."
24h: "Welche ersten Rückmeldungen gibt es?"
PD: "Ein aktuelles Beispiel ist Maure-de-Bretagne. Dort wurde die Veranstaltung vom Sonntag, dem 10. Mai, auf Samstag, den 09. Mai vorverlegt. Der Sonntag blieb national mit zwölf Veranstaltungen sehr voll, während es am Samstag nur fünf gab. Das Ergebnis war ein großer Erfolg. Das ist wichtig, weil jeder Vereinspräsident glaubt, ein Risiko einzugehen, wenn er eine Veranstaltung auf einen neuen Termin verlegt. Unsere Empfehlungen als Verband lauten: die Kommunikation in sozialen Netzwerken verstärken und bei Samstagsveranstaltungen ein Kinderfest anbieten. Maure-de-Bretagne hat das hervorragend umgesetzt. Ich war selbst dort und habe erlebt, wie begeistert das Organisationskomitee über die Wahl des Samstags war. Für einen ersten Versuch war das wirklich ein Erfolg."
24h: "Welche Argumente sprechen für diese Maßnahme?"
PD: "Eine bessere Verteilung der Veranstaltungen über lange Feiertagswochenenden im Mai und Juni ermöglicht mehr Starter, weil die Profis an verschiedenen Tagen mehr Möglichkeiten haben. Auch für das Publikum ergeben sich mehr Chancen, Rennen zu besuchen. Am Ende profitieren alle davon: die Aktiven, die Besitzer, das Publikum und die Rennbahnen, die zum Beispiel höhere Wettumsätze erzielen können.
Wir denken oft in festgefahrenen Mustern und glauben, alles müsse so bleiben wie früher. Aber das heutige Publikum kennt diese Vergangenheit oft gar nicht mehr und ist offen für Neues, wenn es darin einen Vorteil sieht. Das kann auch ein Hebel sein, um neue Zielgruppen zu gewinnen. Gleichzeitig hilft es den Berufsakteuren in einer Phase, in der sie sich nicht auf mehrere Veranstaltungen am selben Tag verteilen können. Wenn diese Initiative auch andere Verbände dazu inspiriert, die 'heiligen Feiertage' etwas zu entzerren, umso besser."
24h: "Könnte der Samstag dadurch für manche Rennbahnen zu einem neuen 'Eroberungstag' werden?"
PD: "Absolut! Natürlich bedeutet das zusätzliche Arbeit für die Rennvereine. Samstags haben die Menschen oft andere Verpflichtungen - Einkaufen, Sportaktivitäten der Kinder etc. Aber gleichzeitig haben viele auch mehr Zeit. Wir schlagen den Vereinen vor, im Sommer samstagabends festliche Veranstaltungen auf der Rennbahn anzubieten. Etwas, das sonntags kaum möglich ist. Der Samstag eröffnet neue Möglichkeiten für Veranstaltungen und Feiern.
Manche Rennvereine entscheiden sich auch dafür, ihre Veranstaltung auf einen Montag zu verlegen, etwa weil viele Händler und Ehrenamtliche montags frei haben. Jeder bleibt frei in seiner Entscheidung. Entscheidend ist das Interesse der gesamten Branche."
Zwei Stimmen aus der Praxis
Jean-Jacques Barre - Präsident des Rennvereins von Maure-de-Bretagne:
"Diese Verlegung auf Samstag wurde uns vom Regionalverband vorgegeben. Ich gebe offen zu, dass ich zunächst verärgert war, weil ein Trabrenntag, der oft der besucherstärkste des Jahres war, vom Sonntag auf Samstag vorverlegt wurde. Ehrlich gesagt glaubte ich nicht daran. Aber unsere Kommunikationsmitarbeiterin hat zusammen mit einer Kollegin enorme Arbeit in den sozialen Netzwerken geleistet. An solcher Kommunikation kommt man heute nicht mehr vorbei. Wir hatten rund 2.200 Besucher auf der Rennbahn, darunter 518 Minderjährige. Heute sind es oft die Kinder, die ihre Eltern dorthin mitnehmen, wo sie hinwollen. Das zeigt, dass man keine festen Gewissheiten haben sollte. Man muss offen für Neues sein.
An solchen Tagen mit großem Publikum kommen viele Neulinge. Deshalb braucht man viele Wettschalter für kleine Einsätze von zwei Euro. Trotzdem haben wir rund 35.000 Euro PMH-Wettumsatz erzielt. Fast genauso viel wie im Vorjahr am Sonntag. Die Idee verdient es, weiter verfolgt zu werden, aber man muss sich wirklich anstrengen. Wir haben eine Pferdeshow, viele Kinderstände und Führungen über die Rennbahn angeboten. Aber die Mühe lohnt sich, wenn das Ergebnis stimmt. Die Aktiven haben mitgezogen. Wir mussten keine Rennen doppelt ausschreiben und die Starterfelder waren voll. Dadurch bekommen die Profis einen zusätzlichen Renntag. Die Bilanz ist sehr positiv. Das Rennsportprodukt hat eine gute Zukunft, aber das Wettgeschäft leidet etwas."
Christophe Babuchon - Präsident des Rennvereins von Niort:
"Der Verwaltungsrat des Westverbands hat entschieden, dass Vereine mit mindestens fünf PMH-Veranstaltungen zwischen Mai und September einmal an einem Samstag veranstalten müssen. Früher hatten wir schon einmal samstags veranstaltet, nachdem ein Renntag am Saisonende verschoben worden war. Diese Erfahrung war damals nicht besonders erfolgreich. In diesem Jahr werden wir am Samstag, dem 20. Juni, am Vorabend der 'Fete de la Musique', Galopprennen veranstalten. Wir wollen versuchen, aus dieser Neuerung eine Stärke zu machen. Wenn es funktioniert, könnten wir daraus in den kommenden Jahren sogar einen festen Termin machen.
Grundsätzlich denke ich, dass Rennvereine vor allem dafür da sind, Rennen für die Aktiven zu organisieren. Wenn der Verein selbst davon profitiert, umso besser. Aber in erster Linie sind wir für die Aktiven da. Selbst wenn man befürchtet, dass weniger Publikum geringere Einnahmen bedeutet, gehören wir zu einer Branche, die wir am Leben erhalten müssen. Die Profis haben Priorität. Man darf nicht stur sein. Man kann sich nicht darüber beklagen, dass es der Branche schlecht geht, und gleichzeitig gegen jede Veränderung sein. Die Veranstaltung soll gegen 19:30 Uhr enden, danach folgt ein Konzert. Wir setzen also auf ein verlängertes Programm mit Aperitif und Musik. Ich bin grundsätzlich optimistisch, aber am Ende muss man Bilanz ziehen. Wenn man rund um die Veranstaltung ein echtes Event schafft, kann man viele Menschen anziehen."
