Die Verantwortlichen der Anti-Doping-Bekämpfung haben anlässlich des 50jährigen Bestehens dieses unermüdlichen Kampfes gegen Betrug Bilanz gezogen und ihre zukünftigen Maßnahmen vorgestellt.
Wenn Vertreter der Federation Nationale des Courses Hippiques (FNCH) über die Arbeit des Pferderennsport-Labors in Verrieres-le-Buisson sprechen, geschieht dies meist als Reaktion auf Zweifel an der Zuverlässigkeit der Kontrollen. Zuletzt war dies im Januar 2023 nach einer investigativen Fernsehdokumentation der Journalistin Julie Pichot der Fall. Damals stellte sich Generalsekretär Pierre Preaud den kritischen Fragen von Tristan Waleckx.
Diesmal hingegen kamen die Verantwortlichen selbst zu Wort, um im Rahmen einer Kampagne zum 50jährigen Bestehen der Anti-Doping-Kontrollen im französischen Rennsport eine umfassende Bilanz zu ziehen. Dieser Kampf verursacht erhebliche Kosten, allein 2025 rund 10,7 Millionen Euro, und dient sowohl dem Schutz der Pferdegesundheit als auch der Integrität des Rennsports.
"Konkret basiert dieses System auf drei Säulen: sehr häufigen Kontrollen, modernste wissenschaftliche Forschung und große Transparenz", heißt es dazu. Jährlich werden fast 30.000 Proben entnommen, bei einer der niedrigsten Verstoßquoten weltweit.
2025 wurden insgesamt 29.452 Proben analysiert. Mehr als doppelt so viele wie im gesamten menschlichen Spitzensport aller Disziplinen zusammen, die von der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD kontrolliert wurden. Dabei wurden 197 Nachweise verbotener Substanzen festgestellt, was 0,67% aller Proben entspricht. Davon galten 88 Fälle nicht als positive Verstöße, da es sich um gemeldete und erlaubte Trainingsmedikationen oder Notfallbehandlungen auf der Rennbahn handelte. 109 Fälle wurden hingegen als tatsächliche Verstöße gegen die Rennordnung gewertet, also lediglich 0,37% aller Proben.
Die nachgewiesenen Substanzen werden in zwei Kategorien eingeteilt. Die zweite Kategorie umfasst Stoffe, die im Körper eines Wettkampfpferdes absolut verboten sind. Die erste Kategorie betrifft therapeutische Mittel, die außerhalb des Wettkampfs unter tierärztlicher Aufsicht erlaubt sind.
Trainern, die versucht sind, Infiltrationen oder ähnliche Behandlungen übermäßig einzusetzen, wird deutlich entgegnet: "Behandlungen müssen transparent, medizinisch gerechtfertigt sein und dürfen keinesfalls dazu dienen, ein nicht wettkampftaugliches Pferd weiter im Training zu halten."
Enormer Kontrolldruck
"Jeder Trainer muss jederzeit damit rechnen, dass ein Kontrolltierarzt vor der Tür steht", erklärte FNCH-Generalsekretär Pierre Preaud bereits vor drei Jahren in einem Interview.
2025 wurden 96% aller Rennen kontrolliert. Systematisch die ersten fünf Pferde in der Quinte, sowie ein bis zwei Pferde in allen übrigen Rennen. Zusätzlich finden zahlreiche Kontrollen außerhalb des Rennbetriebs statt: etwa flächendeckende Tests aller Starter 48 Stunden vor bestimmten Rennen oder gezielte Maßnahmen vor und nach Wettbewerben. Diese erfolgen teilweise auf Grundlage konkreter Hinweise und in enger Zusammenarbeit mit der Glücksspielaufsicht.
Zusätzliche Garantie
Die äußerst niedrige Zahl positiver Fälle sorgt regelmäßig für Diskussionen. Beobachter und Akteure fragen sich oft, ob der enorme finanzielle Aufwand angesichts der geringen Zahl an Verstößen gerechtfertigt ist.
Obwohl das französische Labor gemeinsam mit den Einrichtungen in Großbritannien, Japan und Hongkong zu den vier weltweit führenden Zentren gehört, wird seine Unabhängigkeit immer wieder infrage gestellt. Insbesondere weil dessen Finanzierung durch die Rennsportgesellschaften erfolgt, die zugleich die Rennen organisieren.
Um diesen Vorwürfen entgegenzutreten, bemühen sich die Verantwortlichen seit Jahren um zusätzliche Maßnahmen der Transparenz. Neben der Offenlegung der Identität positiver Proben unter Aufsicht eines Gerichtsvollziehers wurde nun eine weitere Zertifizierung eingeführt: das sogenannte EQADE-Label ('Evaluation Qualite Antidopage Equin'), vergeben von der unabhängigen französischen Prüfgesellschaft APAVE.
Dieses Gütesiegel soll "Qualität, Integrität, Wahrung der Anonymität und Unparteilichkeit in allen Phasen des Prozesses garantieren". Die Zertifizierung basiert auf mehr als 300 Prüfkriterien. Bereits beim ersten Audit wurden 95% der überprüften Kriterien als konform bewertet. Sämtliche Kriterien sollen innerhalb von drei Jahren kontrolliert werden.
Die Verantwortlichen betonen, dass dieses Verfahren "eine zusätzliche Garantie für Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit gegenüber Fachleuten, Behörden und der Öffentlichkeit" darstellen soll.
Permanente Weiterentwicklung
Der Kampf gegen Doping ist ein ständiger Wettlauf mit neuen Methoden des Betrugs. Deshalb arbeitet das französische Labor derzeit an einer eigenen Lösung auf Basis künstlicher Intelligenz, um Datenanalysen zu automatisieren und den rund sechzig Wissenschaftlern mehr Zeit für komplexere Fragestellungen zu verschaffen. Die Einführung ist für 2027 oder 2028 geplant.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem genetischen Doping, das mittlerweile als Bedrohung für den gesamten Spitzensport angesehen wird. Dabei soll das Erbgut eines Athleten durch DNA- oder mRNA-Injektionen verändert werden, um die Leistungsfähigkeit künstlich zu steigern.
Auch die Entdeckung unbekannter Substanzen spielt eine zentrale Rolle. Das Labor hat seine Analysemethoden deutlich weiterentwickelt und sucht gezielt nach ungewöhnlichen Signalen, die auf verdächtige Verbindungen hinweisen könnten. Neben modernsten Technologien setzen die Wissenschaftler stark auf internationale Zusammenarbeit, um neue verbotene Substanzen schneller identifizieren zu können.
Zahlen
75.000 Euro: So hoch ist inzwischen die Geldstrafe für nachgewiesene Betrüger. Zusätzlich drohen seit dem Gesetz von 2019 Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.
45: So viele von der FNCH zugelassene Tierärzte wirken aktiv an den Anti-Doping-Kontrollen im französischen Rennsport mit.
