News Frankreich Trab, 07.03.2026
(hen) Nach einem außergewöhnlichen Wintermeeting in Cagnes, bei dem er sämtliche Rekorde gebrochen hat, kann Romain Derieux (Foto:@scoopdyga) den Erfolg mit seinem Champion Go On Boy fortsetzen, der an diesem Sonntag seinen ersten Sieg im Grand Criterium de Vitesse de la Cote d’Azur (GR I) anstrebt. Der Mann dieses Winters sprach im großen Interview mit dem ParisTurf.
ParisTurf: "Romain, vor den letzten drei Renntagen haben Sie als Trainer 42 Rennen gewonnen, fast 660.000 Euro Preisgeld erzielt und damit den bisherigen Rekord pulverisiert. Haben Sie mit einem solchen Triumphzug gerechnet und ist Ihnen das Ausmaß Ihrer Leistung bewusst?"
Romain Derieux: "Solche Zahlen sind schwer vorherzusagen. Ich wusste, dass ich gute Pferde habe, gute Chancen, aber dass es so läuft... Alle sagen mir, dass es enorm ist, aber im Moment realisiere ich das noch nicht richtig. Ich stecke noch mitten drin. Wahrscheinlich werde ich das Ganze erst am Ende des Meetings wirklich begreifen. Aber wenn es so gut läuft, möchte man natürlich nicht, dass es aufhört."
PT: "Nach Ihrer Sperre - hatten Sie zu Beginn des Meetings einen besonderen Revanche-Gedanken?"
RD: "Ja, das kann ich nicht leugnen. Ich war hochmotiviert. Nicht unbedingt aus Rache, aber ich war immerhin drei Monate 'im Gefängnis'. Das waren schwierige Zeiten und ich konnte es kaum erwarten zurückzukehren. Ich trainiere gerne, aber ich fahre auch sehr gerne selbst im Rennen. Das hat mir gefehlt. Ich mag es, die Arbeit vom Morgen im Rennen zu vollenden. Nur zu trainieren wäre nicht dasselbe."
PT: "Hat Ihnen diese Sperre, durch die Ihr Stall mehrere Monate stillstand, im Winter vielleicht sogar geholfen?"
RD: "Ein Stück weit sicherlich. Ich wusste, dass einige Pferde, die eigentlich im Herbst laufen sollten, drei Monate später ihre Chance bekommen würden. Das ergab sich aber eher aus der Situation heraus. Gleichzeitig stand natürlich auch ein gewisser Druck dahinter, nach diesen ruhigen Monaten im Winter erfolgreich zu sein. Zu dieser Jahreszeit hat man immer Angst vor Krankheiten. Das war auch bei uns der Fall, aber wir sind ziemlich gut durchgekommen. Danach lief vieles wie von selbst, und wir haben nur wenige Ziele verpasst. Wenn man auf solche Zahlen kommt, bedeutet das ohnehin, dass nicht viel schiefgelaufen ist, auch wenn ich ein paar Rennen hätte mehr gewinnen können (lacht)."
PT: "Wie schaffen Sie es, Ihre Pferde über drei Monate hinweg in Form zu halten?"
RD: "Ich hatte mir nicht vorgenommen, Rekorde zu brechen. Ich habe vor dem Meeting ein Programm für meine Pferde erstellt und ihnen keine zusätzlichen Rennen gegeben, die nicht ohnehin geplant waren. Wenn man seine Ziele trifft, kann man die Engagements besser auswählen und den Pferden zwischen den Rennen Zeit lassen. Das ist ein positiver Kreislauf. Außerdem habe ich viele große Pferde, mit denen man vorsichtig umgehen muss. Nehmen wir Mindfreak: Er gewann Mitte Dezember und dann wieder Ende Februar. Ich lasse ihnen gerne Zeit zur Erholung und bringe sie nur an den Start, wenn sie wirklich in Form sind. Andere sind häufiger gelaufen, weil sie vielleicht etwas weniger Reserve haben und die Engagements gut aufeinanderfolgten.
Ein weiteres Beispiel ist Javanais Delo: Ich wusste, dass er zu Beginn des Meetings eine ideale Aufgabe hatte und dafür bereit sein musste. Dagegen habe ich bei Journey of Dream, einer der positiven Überraschungen des Winters mit zwei Siegen, alles auf Ende Januar ausgerichtet, und das schon seit September. Bei einem großen Hengst wie Man On Fire habe ich mehrere Rennen dicht hintereinander geplant, weil danach eine Pause vorgesehen war. Wir haben also versucht, jedes Pferd individuell auf seine Ziele vorzubereiten und nicht übermäßig zu starten, weshalb die Form über den ganzen Winter hinweg konstant blieb."
PT: "Sie haben, abgesehen von Go On Boy, keine großen Grand-Prix-Pferde und haben vor allem sogenannte 'Serienrennen' gewonnen. Ist das vielleicht das Geheimnis, mit geschonten Pferden in dieser Kategorie anzutreten?"
RD: "Das stimmt. Hinter Go On Boy habe ich keine echten Grand-Prix-Pferde, abgesehen von Krooner d’Heripre, der bisher den Coupe-Weg gegangen ist. Viele meiner Pferde laufen in Serienrennen. In Cagnes sind diese Rennen vielleicht etwas weniger stark besetzt als anderswo, aber man muss sie trotzdem erst einmal gewinnen. Ideal wäre es, in Vincennes zu starten, aber ich ziehe es vor, in Cagnes als Erster über die Linie zu gehen, statt in Paris Vierter oder Fünfter zu werden."
PT: "Gab es unter Ihren vielen Siegern des Winters Pferde, die besonders herausgestochen haben?"
RD: "Alle haben gute Arbeit geleistet, aber ich würde Krooner d’Heripre nennen. Er hat bisher eine perfekte Serie hingelegt, und ich hoffe, dass das bis Samstag so bleibt. Ich mochte ihn schon immer. Wir haben ihn geschont, und er zahlt es uns zurück. Sehr zufrieden bin ich auch mit Mindfreak. Dieser Sohn von Go On Boy ist mein Lieblingsvierjähriger. Er ist ein großes Pferd, dem noch etwas Kraft fehlt und das noch längst nicht alles gezeigt hat. Wenn ihm nichts passiert, hat er meiner Meinung nach eine große Zukunft."
PT: "Sie haben als Fahrer 45 Rennen gewonnen. Fühlen Sie sich auf der Bahn von Cagnes besonders wohl, und haben Sie den Eindruck, dass Ihre Gegner Sie fürchten oder Sie im Rennen manchmal gewähren lassen?"
RD: "Ja, das ist möglich. So ähnlich wie wenn man in Vincennes gegen Jean-Michel Bazire fährt. Da versucht man auch nicht unbedingt, ihn zu blockieren. Ich kenne die Bahn von Cagnes in- und auswendig. Ich bringe gute Pferde mit und gewinne viele Rennen, also werde ich natürlich etwas mehr respektiert. Außerdem kann ich auch ein gutes Zugpferd für andere sein. Aber egal ob in Vincennes, Cagnes, Marseille oder Reims: Wenn man ein gutes Pferd vor sich hat, sieht man automatisch weniger dumm aus (lacht)."
PT: "Verfolgen Sie die sozialen Netzwerke? Und wenn ja, was sagen Sie denen, die Ihren Erfolg nach Ihren Sperren für verdächtig halten?"
RD: "Ja, ich schaue gelegentlich hinein. Man kann die Leute nicht daran hindern zu reden. Zum Glück antworte ich nicht auf die beleidigenden Nachrichten, die ich auf Instagram oder Facebook bekomme. Das geht an mir vorbei. Wenn man sich damit beschäftigt, kommt man nicht mehr vorwärts. Meine Antwort gebe ich auf der Rennbahn. Ich weiß, was ich jeden Morgen bei der Arbeit mache. Ich habe einen guten Stall und investiere viele Stunden, auch wegen der vielen Reisen. Das ist der Grund, warum wir Rennen gewinnen. Ich wurde zwar gesperrt, aber nicht wegen Dopings. Es ging jedes Mal um Behandlungen oder um versehentliche Verunreinigungen. Viele ziehen sofort falsche Schlüsse, sobald jemand Erfolg hat. Ein bisschen Neid spielt sicher auch eine Rolle. So ist unsere Zeit. Aber es gibt im Leben wichtigere Dinge."
PT: "Ein Sieg von Go On Boy im Criterium de Vitesse wäre der krönende Abschluss Ihres Winters. Ist das, bei der aktuellen Form Ihres Stalls, vielleicht die Gelegenheit überhaupt?"
RD: "Das wäre wirklich das i-Tüpfelchen! Ich bin schon sehr zufrieden mit unserer Startnummer 4. Ich wollte eine mittlere Nummer, und genau das haben wir bekommen. Wie ich schon gesagt habe, wirkt er im Training sehr frisch, zumal er seinen Formhöhepunkt erst zum Prix de France erreicht hat, nachdem er Anfang Januar krank war. Das Feld ist stark, aber der echte Go On Boy hat kein Problem damit, ihnen allen in die Augen zu schauen."
PT: "Warum hat ihm die Meile von Cagnes bisher noch nie gelegen?"
RD: "Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir beim Startnummern-Los nicht viel Glück. Der Start ist in Cagnes sehr speziell, weil man schnell in den ersten Bogen kommt. Deshalb ist die Nummer so wichtig. Außerdem sind die Geraden lang, was vielleicht weniger Positionswechsel zulässt, wenn man erst einmal seinen Platz im Feld hat, ohne dabei zu viel Kraft zu verbrauchen. Letztes Jahr habe ich einen Fehler bei der Beschlagwahl gemacht. Ich wollte ihn leichter beschlagen, aber auf der harten Bahn fühlte er sich damit nicht wohl. Dieses Jahr werde ich nichts ändern: Er wird seine Combi-Pads tragen, wie bei seinem zweiten Platz vor einem Monat im Prix de France. Wir werden versuchen, endlich den Bann zu brechen."
