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Pierre Preaud (FNCH): "Haben Rennbahnen in großen Metropolen noch eine Zukunft?"

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News Frankreich Trab, 19.03.2026

(hen) Während die Budgets im Pferderennsport deutlich gekürzt werden, beantwortete der Generalsekretär der FNCH (Nationale Föderation für Pferderennen in Frankreich), Pierre Preaud, die Fragen vom ParisTurf.

ParisTurf: "Wenn Aktive unter sinkenden Einnahmen oder steigenden Kosten leiden, bleiben auch die Rennvereine in den Regionen nicht verschont. Welche Anstrengungen werden ihnen für 2026 abverlangt?"

Pierre Preaud: "Die finanziellen Mittel der Rennvereine, die über die Dachorganisation FNCH bereitgestellt werden, werden um 10% gekürzt. Im Budget gibt es einen gemeinsamen Fonds (Organisation von Renntagen, Unterstützung bei Ausrüstung usw.), der sowohl PMH- als auch PMU-Rennbahnen betrifft: 22,3 Millionen Euro im Jahr 2025 gegenüber 19,4 Millionen Euro im Jahr 2026. Speziell für die rund 60 Premium-Rennbahnen betrug das Vergütungsbudget 2025 noch 50,16 Millionen Euro. 2026 sind es 46,3 Millionen.

Das bedeutet, dass die Rennvereine ihre Kosten optimieren und möglicherweise auch ihre Einnahmen steigern müssen. Hier gibt es noch Spielraum. Einige leisten bereits bemerkenswerte Arbeit, indem sie außerhalb der Renntage zusätzliche Einnahmen generieren. So erwirtschaftet beispielsweise der Verband der Rennbahnen in Lyon auf seinen beiden Anlagen über eine Million Euro Umsatz und rund 300.000 Euro Gewinn. Potenzial gibt es überall. Man muss sich an den lokalen Markt anpassen. Eine Kürzung der Beiträge um 10% bedeutet nicht automatisch, dass auch das Betriebsergebnis um 10% sinkt. In dieser finanziell angespannten Zeit gilt: nicht unbedingt notwendige Investitionen sollten verschoben werden.

Zur Kostensenkung haben die Dachorganisationen zudem Anpassungen eingeführt. So wurden etwa die Vorgaben von France Galop gelockert (auch die SETF arbeitet daran), wodurch Rennbahnen Kosten sparen können, ohne Sicherheit oder Fairness zu gefährden. Ein Beispiel ist der Start mit Bändern bei PMH-Galopprennen, wodurch die Wartungskosten für Startboxen entfallen. Außerdem sollten Rennvereine versuchen, Kosten zu bündeln, etwa beim gemeinsamen Einkauf von Materialien (Sand, Dünger, Stroh) oder bei Personalressourcen."

PT: "Und wie sieht es bei den Trainingszentren aus?"

PP: "Im Trabrennsport sinken die Beiträge 2026 um 20%. Für die Galopp-Trainingszentren (oft größer und teilweise an Rennbahnen angeschlossen) hat France Galop im Mai ein Sparprogramm über vier Jahre (2026–2029) beschlossen, mit dem Ziel, die Gesamtzuschüsse auf ein Drittel zu reduzieren. Ab 2026 wird schrittweise gekürzt, was automatisch zu höheren monatlichen Nutzungsgebühren für die Trainingsbahnen führt. Die Situation variiert je nach Standort. Es ist logisch, dass man für Zentren wie Cabries oder Pau mehr zahlt, als für Mont-de-Marsan oder Nort-sur-Erdre, da die angebotenen Leistungen unterschiedlich sind."

PT: "Einige Rennvereine haben über die Jahre Rücklagen gebildet. Wird darauf zugegriffen werden?"

PP: "Nein. Wir haben lediglich die Vergütung für 2025 bei Vereinen mit Rücklagen leicht reduziert, indem wir die daraus erzielten Finanzerträge bewusst niedrig angesetzt haben. Die Rücklagen selbst wurden nicht angetastet. Das betraf etwa 400.000 Euro bei insgesamt rund 40 Millionen Euro Rücklagen."

PT: "Ist es angesichts sinkender PMU-Wettumsätze noch möglich, ein so dichtes Netz an Rennbahnen in Frankreich zu erhalten?"

PP: "Derzeit zeigt sich, dass vor allem kleinere PMH-Rennbahnen mit geringerer Aktivität am stabilsten sind. Sie werden größtenteils von Ehrenamtlichen betrieben, haben wenig Personal und einfachere Infrastruktur. Also auch geringere Kosten. Diese Vereine sind im Durchschnitt weniger anfällig als PMU-Anlagen. Auch unter den Premium-Rennbahnen schneiden oft diejenigen besser ab, die weniger Veranstaltungen haben.

Eine zentrale Frage lautet heute: Haben Rennbahnen in großen Metropolen noch eine Zukunft? Entscheidend wird sein, wie sie sich in ihr politisches und gesellschaftliches Umfeld integrieren. Je größer und stadtnäher eine Rennbahn ist, desto stärker hängt ihre Zukunft von der Haltung der jeweiligen Stadtregierung ab. Wenn das Interesse am Pferderennsport nachlässt, müssen Rennen früher oder später an andere Orte verlegt werden."

PT: "Gibt es aktuell Rennbahnen, die aus politischen oder anderen Gründen vor der Schließung stehen?"

PP: "Nein, derzeit ist keine Rennbahn aus solchen Gründen akut von einer Schließung bedroht."

PT: "Zum Thema Ehrenamt: Vor dreieinhalb Jahren haben Sie eine Rekrutierungskampagne gestartet. War diese erfolgreich?"

PP: "Dort, wo die Rennbahnen die bereitgestellten Instrumente genutzt haben, war sie erfolgreich. Beispiele sind Villeneuve-sur-Lot oder Meral. Sie haben unsere Materialien, etwa Leitfäden zur Integration von Freiwilligen, genutzt, um neue, auch jüngere Helfer zu gewinnen. Andere, die das nicht konnten oder wollten, verzeichnen einen Rückgang. Ehrenamtliches Engagement muss gemanagt werden wie ein Unternehmen: Teams müssen sich regelmäßig erneuern, sonst droht Überalterung."

PT: "Rennvereine können bei Nichtteilnahme am Zertifizierungsprogramm finanzielle Nachteile haben. Ist das sinnvoll?"

PP: "Die Zertifizierung selbst ist relativ günstig (etwa 300 Euro für drei Jahre). Anfangsinvestitionen waren nötig, um Vorschriften zu erfüllen (z. B. Lagerung von Mist oder Treibstoff, Klimaanlagen, elektrische Anlagen), führen aber langfristig zu Einsparungen. Es geht nicht darum, ständig höhere Stufen zu erreichen, sondern um kontinuierliche Verbesserung. Die meisten Vereine haben mitgemacht: 212 von 218 sind inzwischen zertifiziert."

PT: "Warum gibt es finanzielle Sanktionen bei Nichtteilnahme?"

PP: "Wir sehen es als unsere Aufgabe, zu verantwortungsvollem Handeln anzuregen. Um das Rennbahnnetz langfristig zu legitimieren, insbesondere in Umweltfragen, müssen wir nicht nur Vorschriften einhalten, sondern darüber hinausgehen. Die breite Teilnahme am Programm stärkt unsere Glaubwürdigkeit erheblich."

PT: "Die Besucherzahlen sind 2025 erneut gestiegen..."

PP: "Ja, zum dritten Mal in Folge. Auch die PMH-Wetten nehmen zu, allerdings langsamer. Das ist logisch, da der Besucherzuwachs alle Altersgruppen betrifft. Es kommen mehr Familien und junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren. Sie interessieren sich zunächst für das Erlebnis und die Atmosphäre. Das Wetten kommt oft erst später. Wichtig ist: Der Pferderennsport ist als Erlebnis nicht veraltet, sonst würden die Menschen nicht kommen. Die Herausforderung besteht darin, dieses Interesse auch wieder stärker in Wettaktivität zu führen. Deshalb arbeiten wir daran, Wetten auf der Rennbahn moderner und digitaler zu gestalten."

PT: "Warum steigen die Besucherzahlen, während die Wetteinsätze national sinken?"

PP: "Der Freizeitmarkt entwickelt sich anders als der Markt für Glücksspiele. Dazu äußere ich mich nicht weiter."

PT: "Werden die 'Territoires hippiques'-Veranstaltungen 2026 fortgesetzt?"

PP: "Ja, ab April nach den Kommunalwahlen. Ziel ist es, lokale Entscheidungsträger direkt vor Ort zusammenzubringen. Auf Rennbahnen, in Trainingsställen oder Gestüten. In kleinen Gruppen entsteht ein echter Austausch, und die Teilnehmer gewinnen ein konkretes Verständnis für die Branche."

PT: "Hat die Landwirtschafts-Messe 2026 die Erwartungen erfüllt, und sind Sie 2027 wieder dabei?"

PP: "Ja. Trotz eines Besucherrückgangs von insgesamt 600.000 auf 450.000 war unser Stand im Pferdebereich sehr erfolgreich. Besonders Familien mit Kindern haben unser Angebot intensiv genutzt. Das zeigt: Wenn wir aktiv auf das Publikum zugehen, stoßen wir auf großes Interesse."

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