Als seine Miss des Besaces im vergangenen Herbst im Saint-Leger des Trotteurs (GR I) überraschend Zweite wurde, und das zu einer Quote von 135:1, schwebte Eric Martin bereits auf Wolke Sieben. Immerhin wechselte seine Stute zuvor in einem Verkaufsrennen den Besitzer. Schon ein kleiner Platz auf diesem Niveau hätte ihn glücklich gemacht. Doch es kam ganz anders.
Nach einer weiteren Gruppe I-Platzierung im Prix des Centaures (Vierte) sowie mehreren guten Ergebnissen auf halbklassischem Niveau während des Wintermeetings, gewann die Stute nun erstmals selbst auf dieser Ebene - im Prix Rene Palyart, der zur 'Etrier 3/4/5'-Serie gehört. Dieser Erfolg öffnet ihr die Türen zum Prix du President de la Republique (21. Juni). Für Eric Martin geht der Traum mit seiner "Miss" also weiter.
Eric Martin ist Züchter der Vertreterin des Ecurie de Windcut. Er besitzt nur wenige Mutterstuten auf etwa sechs Hektar Land. Sein Betrieb liegt in Saint-Martin-des-Besaces zwischen Caen und Villedieu-les-Poeles. Er stammt aus einer Bauernfamilie und hatte schon früh Berührungspunkte mit dem Trabrennsport: "Meine Eltern waren Nachbarn von Louis Sauve, einem großen Profi der 1960er- und 1970er-Jahre. Zwar hatten meine Eltern selbst keine Rennpferde, aber der Bezug war trotzdem da. Ich liebte es schon als Kind, auf die Rennbahnen zu gehen und den Trabern zuzusehen. Das war für mich ein echtes Vergnügen. Beruflich arbeite ich eigentlich mit Selle-Francais-Pferden (Rasse, die hauptsächlich zum Springen eingesetzt wird) und beschäftige mich mit Embryotransfers, aber die Traber sind meine wahre Leidenschaft."
Damals, als Miss des Besaces im Saint-Leger von Caen ihren Durchbruch schaffte, erzählte Eric Martin in der Rubrik 'Histoire de Champions' von 'Province Courses L’Hebdo', wie er selbst zur Zucht gekommen war: "Das verdanke ich meinem leider inzwischen verstorbenen Freund Christian Lariviere. Durch ihn habe ich den Schritt gewagt. Gemeinsam kauften wir auf der Auktion in Cabourg eine Zuchtstute. Sie war tragend von Halimede, und aus dieser Verbindung entstand Deesse Des Besaces, eine Stute, die sechs Rennen gewann und fast 80.000 Euro verdiente. Das war ein guter Anfang."
Später kaufte Eric Martin Caldeira Turgot, die Mutter von Miss des Besaces, nach deren Rennkarriere vom Trainer Valentin Coligny. Anschließend wandte er sich an Joel Hallais und erhielt zwei Decksprünge von Memphis du Rib mit Kaufoption. Daraus entstanden Miss des Besaces und ihr Vollbruder Nemphis Desbesaces.
Joel Hallais qualifizierte Miss des Besaces in Le Mans im Juli ihres zweiten Lebensjahres und ließ sie im September in Laval debütieren. Danach wurde sie an Thierry Lejeune verkauft und kam in das Training von Bruno Marie. Unter dessen Regie gewann sie zwei Trabreiten in Vincennes und holte Platzierungen auf Gruppe II-Niveau.
Danach verlief ihre Karriere wechselhaft, bis sie im vergangenen September vor den Sulky in einem Verkaufsrennen antrat. Dort wurde sie von den Eheleuten Karsenty (Ecurie de Windcut) entdeckt und für 20.001 Euro gekauft, obwohl sie im Reclamer selbst unplatziert blieb. Nur elf Tage später erreichte sie unter Trainer Romain Larue und Reiter Alan Gendrot, der seitdem fast immer ihr Partner war, den zweiten Platz im Saint-Leger des Trotteurs. Der Beginn einer wunderbaren Geschichte.
Vielleicht wird ihre jüngere Schwester Pin Up des Besaces, von Justin Bold, diese Geschichte fortsetzen. Sie ist für die Auktionen in Caen im kommenden Herbst vorgesehen. Außerdem brachte ihre Mutter gerade einen Hengst von Go On Boy zur Welt. In diesem Frühjahr soll Caldeira Turgot von Boccador De Simm gedeckt werden.
Teamarbeit
In seiner Freude als Züchter würdigt Eric Martin all jene, die Miss des Besaces geprägt und gefördert haben. Ebenso wie jene, die ihm bei der Betreuung seiner Pferde helfen. Denn neben seiner beruflichen Tätigkeit war er bis März dieses Jahres auch Bürgermeister seiner Gemeinde. "Sebastien Mathelier, seine Söhne Victor und Jules, Marc Lebrun, Denis Gaudette und all die anderen, die ich jetzt vergesse, aber sich angesprochen fühlen dürfen. Ich verbinde sie alle mit diesem Erfolg und danke ihnen herzlich."
Eine Familie harter, mutiger und zuverlässiger Pferde
Miss des Besaces besitzt kein modernes "Modepedigree". Namen wie Ready Cash, Viking’s Way, Coktail Jet, Love You oder Goetmals Wood fehlen. Ihr Stammbaum ist vielmehr ein klassischer 'Outcross' ohne Inzucht in den ersten fünf Generationen. Wenn die Zeit kommt, sie in die Zucht zu schicken, wird die Auswahl an Hengsten groß sein. Man geht jedoch davon aus, dass sie zunächst zu Gelati Cut gehen wird, der ebenfalls dem Ecurie de Windcut gehört und mit diesem Ziel gekauft wurde.
Auch wenn ihr Pedigree nicht als modern gilt, gilt es doch als solide und zuverlässig. Ihre Mutter Caldeira Turgot gewann zwei Rennen und verdiente über 100.000 Euro. Sie hatte exakt 100 Starts zwischen ihrem zweiten und siebten Lebensjahr und gewann unter anderem in Caen, während sie mehrfach in Vincennes und Enghien platziert war. Die Familie zeichnet sich durch harte, mutige und langlebige Pferde aus, die oft mehr als hundert Rennen bestreiten. Genau diese Qualität erkennt man auch in Miss des Besaces wieder.
"Memphis du Rib x Florestan - eine Erfolgsformel"
Memphis du Rib, der Vater von Miss des Besaces, war dreifacher Gruppe I-Sieger - unter anderem im Criterium der 3jährigen, im Criterium der 4jährigen und im Prix de l’Etoile. Sein Meisterwerk als Deckhengst ist der Crack Aubrion Du Gers mit 46 Siegen und 2,5 Millionen Euro Gewinnsumme. Interessanterweise stammt Aubrion Du Gers ebenso wie Miss des Besaces aus einer Tochter von Baccarat du Pont (Florestan-Linie). Allgemein haben sich Töchter und Enkelinnen von Florestan außergewöhnlich gut mit Memphis du Rib ergänzt. Seine vier erfolgreichsten Nachkommen entstammen genau dieser Kombination. Zweifelsohne eine Erfolgsformel.
Der beständige Erfolg von Romain Larue
Romain Larue gehört zu jenen Trainern, die es immer wieder schaffen, mit einem vergleichsweise kleinen Bestand Spitzenpferde hervorzubringen. Seit rund fünfzehn Jahren selbstständig, hat er zahlreiche Gruppe-Pferde hervorgebracht.
Miss des Besaces, Siegerin auf halbklassischem Niveau und mehrfach klassisch platziert, reiht sich nun in diese Liste ein. Vor ihr gab es bereits Pferde wie Ariane Du Goutier, Siegerin des Prix Herve Ceran-Maillard (GR II), oder Bardane Du Houlbet, Gewinnerin des Prix Ephrem Houel (GR II).
Der Beste von allen war aber Gelati Cut, dreifacher Gruppe II-Sieger, mehrfach auf Gruppe I-Niveau platziert und sogar Vierter im Elitloppet. Auch Loulou De Mye machte auf höchstem Niveau auf sich aufmerksam, insbesondere mit einem starken dritten Platz im Prix Albert Viel. Heute betreut Romain Larue rund 35 Pferde in Saint-Martin-de-Bienfaite.
