News Frankreich Trab, 04.03.2026
(hen) Bis zum 05. März muss Gabriele Gelormini noch eine Sperre absitzen. Aber schon am Sonntag hat er in Cagnes-sur-Mer eine hochkarätige Chance sich im Sulky von Frank Gio im "Vitesse" auszuzeichnen. Gelormini wird den Vertreter der Scuderia Bivans zum ersten Mal steuern.
Der italienische Fahrer ersetzt dabei Matthieu Abrivard, der durch seinen Einsatz mit Iguski Sautonne verhindert ist. Im Interview mit dem ParisTurf äußert sich Gelormini zu diesem bedeutenden Highlight.
PT: "Gabriele, hätten Sie vor einer Woche damit gerechnet, im Sulky von Frank Gio zu sitzen? Einem der Titelanwärter im Grand Criterium de Vitesse de la Cote d’Azur?"
GG: "Nein, überhaupt nicht. Das Angebot kam in letzter Minute. Im Umfeld des Pferdes ist die Idee, an diesem Gruppe I-Rennen teilzunehmen, nach dem Prix de Paris wohl nach und nach gereift. Da Matthieu Abrivard, der Stammfahrer von Frank Gio, mit seinem eigenen Schützling Iguski Sautonne antreten wird, hat man mir vorgeschlagen, Frank Gio zu fahren."
PT: "Wer hat Sie kontaktiert?"
GG: "Antonio (Anm.: Somma/Besitzer) hat mich angerufen."
PT: "Wir können uns vorstellen, dass Sie sofort zugesagt haben..."
GG: "Natürlich. Wenn für eine Fahrt mit solch einem Pferd das Telefon klingelt, freut man sich riesig! Mein Beruf ist es, Rennen zu fahren. Und wenn man dabei Champions steuern darf, ist das umso besser."
PT: "Sie sind bereits 17 Mal für die Scuderia Bivans gefahren (vier Siege mit Follow You, Intrepide Turgot, Inshot Josselyn und In Scream Gio). Nun bestreiten Sie Ihr erstes Gruppe I-Rennen für diese traditionsreiche Farben. Was empfinden Sie dabei?"
GG: "Es ist natürlich eine große Freude, zumal ich mich mit Antonio sehr gut verstehe. Gleiches gilt für Sebastien (Anm.: Guarato/Trainer), mit dem ich viel zusammenarbeite. In dieser Hinsicht starte ich also mit einem positiven Gefühl in dieses große Ereignis. Ich starte mit dem klaren Ziel, eine starke Leistung zu zeigen."
PT: "Es ist Ihre elfte Teilnahme am Grand Criterium de Vitesse (vorher u.a. mit Alrajah One, Cokstile, Billie de Monfort, Uza Josselyn, Voltigeur de Myrt...). Haben Sie mit Frank Gio Ihre bislang beste Chance, diesen Höhepunkt erstmals zu gewinnen?"
GG: "Ja, ich denke, dass Frank Gio meine beste Siegchance in diesem Gruppe I-Rennen ist. Ich habe schon gute Platzierungen erreicht, aber oft standen mir Pferde wie Bold Eagle, Readly Express oder Vivid Wise As im Weg. Das waren vor dem Start jeweils sehr schwer zu schlagende Gegner."
PT: "Was stimmt Sie zuversichtlich im Hinblick auf den Sieg?"
GG: "Zunächst einmal ist er immerhin Vierter im Prix d’Amerique gewesen. Das sagt schon viel aus. An diesem Tag kam er mit einem gewaltigen Endspurt auf. Mit etwas mehr Weg hätte er sogar gewinnen können. Man darf ihn nicht nach seiner Leistung im Prix de Paris beurteilen, wo er die zwei Runden nicht richtig verstanden hat. Dennoch ist er auch dort gut ins Ziel gekommen, was ermutigend ist. Wie Sie sehen, besitzt er enorm viel Talent. Und mit fünf Jahren bringt er bereits viel Erfahrung mit. Vor allem kennt er die 1.600 Meter perfekt. Er hat die Fähigkeit, auf allen Distanzen und Bahnprofilen zu gewinnen. Das ist eine große Stärke."
PT: "Seit 1958 haben nur fünf Fünfjährige dieses Criterium gewonnen (Gigant Neo, Crowning Classic, Giant Force, Spice Island und Jariolain). Ist das nicht noch ein zu junges Alter für einen Sieg?"
GG: "Nein, das glaube ich nicht. Wie gesagt, er hat schon viel Erfahrung. Frank Gio ist mit fünf Jahren bereits sehr reif und zudem abgehärtet. Sein Alter wird kein Problem sein. Auf dem Papier gehört er zu den wenigen im Feld, die von vorne gehen können. Im Gegensatz zu Pferden wie Hokkaido Jiel oder Hooker Berry, die eher ein Rennen aus dem Hintertreffen brauchen. Das ist ein Vorteil. Da er sehr ruhig ist, kann er offensiv gehen, ohne zu pullen. Für sein Alter ist er äußerst vielseitig: Er kann von vorne gewinnen, aber auch aus dem Feld heraus stark enden. Er wird ganz klar um den Sieg kämpfen."
PT: "Wen fürchten Sie besonders?"
GG: "Auf dem Papier wirkt das Rennen ziemlich offen. Natürlich muss man Go On Boy ernst nehmen."
PT: "Das Wintermeeting ist gerade zu Ende gegangen. Mit Ihren 15 Siegen - wie fällt Ihre Bilanz aus?"
GG: "Obwohl ich zwei Gruppe-Rennen gewonnen habe, mit Ginostrabliggi und Cobra Killer Gar, finde ich mein Meeting insgesamt sehr enttäuschend."
PT: "Was hat nicht funktioniert?"
GG: "Um meinen Beruf als Catch-Driver bestmöglich auszuüben, muss ich die jeweils beste Siegchance wählen. Das ist die Grundlage dieses Berufs. In meiner Arbeitsweise bin ich bestimmten Ställen treu geblieben, was auch normal ist. Leider waren viele ihrer Pferde krank, was sich negativ ausgewirkt hat. Wenn man für das Meeting mit 30 oder 40 Pferden plant und diese dann ausfallen, ist der Winter praktisch gelaufen. Künftig muss ich also für alle etwas verfügbarer sein. Wenn man eine erste Chance aus Loyalität ablehnt, bekommt man sie nicht noch einmal angeboten. Der Kollege behält sie, vor allem, wenn er gewinnt. So war ich schon früh im Winter blockiert. Künftig müssen solche Entscheidungen sehr gut überlegt sein. Ich werde weiterhin meine treuesten Auftraggeber bevorzugen, aber manchmal muss ich mich auch für die objektiv beste Chance entscheiden."
PT: "Ein Sieg in diesem Criterium würde Ihnen erlauben, neu durchzustarten..."
GG: "Nein, das sind unterschiedliche Dinge. Man darf nicht vergessen, dass ich 2025 Zweiter in der europäischen Statistik der Fahrer mit den meisten Gruppe I-Siegen geworden bin (Anm.: Sechs). Sicher ist: Ich liebe Cagnes. Hier habe ich zwei der drei bedeutendsten Rennen des Kalenders gewonnen. Den Prix de la Cote d’Azur mit Gino Viva und den Grand Prix du Departement des Alpes-Maritimes mit Capital. Es fehlt mir nur noch das Grand Criterium de Vitesse de la Cote d'Azur. Ich hoffe, dass es am Sonntag klappt (lacht)."
