Oft neigen due Medien dazu, Fahrer, Jockeys oder Trainer hervorzuheben, die eine symbolische Siegesmarke erreichen. Ausnahmsweise steht diesmal jedoch ein Züchter im Mittelpunkt. Denn laut der Datenbank des ParisTurf', hat Franck Pellerot, seinen tausendsten Sieger als Züchter verzeichnen können. Der runde Erfolg gelang bereits am 15. März mit Secret of Law in Agen.
Ein großer Erfolg für den Mann hinter den "Chenu"-Pferden, der am Mittwoch auch durch Gershwin de Chenu auf der GNT-Etappe in Marseille-Borely vertreten war. Von diesen tausend Siegen wurden 959 in Frankreich und 41 im Ausland erzielt.
"Ich hätte nicht gedacht, dass wir schon so weit sind“, gesteht Franck Pellerot etwas überrascht. "Ich hatte eher damit gerechnet, dass wir diese Marke im Laufe des Jahres erreichen würden." Zu seiner ersten Einschätzung dieses Erfolgs sagt der 64jährige: "Das steht für einiges an Arbeit und viele Investitionen - menschlich wie finanziell. Es ist natürlich eine große Genugtuung, denn ich habe die Zucht immer geliebt. Ich lasse jedes Jahr etwa zwanzig Stuten decken, mit einer ziemlich strikten Regel: Diese Zahl wird nicht überschritten, denn in der Zucht kann es schnell ausufern. Da ich diesen Bereich vollständig selbst zu Hause organisiere, bin ich auch bei den Geburten dabei. Entsprechend kurz sind im Moment die Nächte."
Die Zucht, ein faszinierende Leidenschaft, kann sich jedoch manchmal auch in ein weites Feld von Unsicherheiten verwandeln. Ein Patentrezept hat Franck Pellerot nicht, doch merkt er an: "Ein guter Züchter ist derjenige, der die wenigsten Fehler macht. Es kann so viel passieren. Ich lege großen Wert darauf, dass meine Pferde draußen genügend Platz haben." Auf diesen Punkt kommt der Pellerot im Gespräch mehrfach zurück. Und mit Blick auf ein mögliches großes Ziel fügt er hinzu: "Ich würde sehr gern einmal einen Gruppe I-Sieger züchten."
Eine Familientradition
Von einem tausendsten Sieg zu sprechen, ganz gleich mit wem, bedeutet zwangsläufig, in die Vergangenheit zurückzublicken. Und auch daran zu erinnern, dass hinter der Familie Pellerot eine echte Familiengeschichte steht. Die Familie war schon immer rund fünfzig Kilometer südlich von Le Mans zwischen den Gemeinden Chenu, Saint-Germain-d’Arce und Villiers-au-Bouin ansässig.
"In einer abgelegenen Region" wie Pellerot ergänzt. "Mein Großvater Abel hat in den 1950er-Jahren mit der Zucht begonnen. Er war mit Robert Sionneau befreundet, dem Vater von Alain und Großvater von Herve. Angefangen hat alles mit einer Stute namens Friponne II." Ohne es zu ahnen, legten Abel Pellerot, von Beruf Landwirt, und später sein Sohn Abel Benoni, und damit Francks Vater, den Grundstein für ein echtes Phänomen: Friponne II wurde zur fünften Mutter von Chambon P, geboren 1968.
"Für jeden Profi ist das das i-Tüpfelchen. Er war zehnmal führender unter den Vererbern." Frühreif gelang Chambon P unter anderem 1971 das Double aus Criterium des Jeunes und Saint-Leger des Trotteurs. "Seltsamerweise hat mich eher sein zweiter Platz im Prix de Vincennes geprägt. Ich erinnere mich noch daran, wie er von Caleo geschlagen wurde, geritten von Gerard Mascle", erzählt Franck Pellerot, der das Pferd als "lieb" in Erinnerung hat: "Ich habe ihn mit zehn, zwölf Jahren selbst angespannt oder geritten."
Chambon P wurde später unter anderem Vater von Kepi Vert, Le Loir, Potin d’Amour, Pontcaral, Sancho Panca oder Tipouf, der auf den 'Giganten' Tenor de Baune traf, selbst ein Sohn von Le Loir und somit Enkel von Chambon P. Getragen vom Erfolg dieses Haus-Hengstes räumte die Familie Pellerot der Pferdezucht zunehmend mehr Platz ein, bis Franck Pellerot sie schließlich zu seinem Hauptberuf machte.
"Es war zunächst eine Nebentätigkeit neben dem Obstbau. Ich habe die Äpfel aufgegeben, um mich ganz den Pferden zu widmen. Die Zucht versorgt unseren Stall", erklärte er bereits im Juli 2014 gegenüber Le Petit Courrier. Und weiter: "Ich habe meinem Sohn Pierre die Verantwortung für Rennstall und Training überlassen. Ich selbst kümmere mich um die Zucht. Mein Vater hat mir damals freie Hand gelassen. Das gebe ich nun weiter. Gemeinsam bewirtschaften wir 300 Hektar, davon 130 Hektar Ackerland, um das man sich natürlich auch kümmern muss." Pierre Pellerot (228 Siege als Fahrer) wird im Alltag von seiner Partnerin Caroline Brassinne unterstützt. Gemeinsam sind sie Eltern der kleinen Rose, die acht Jahre alt ist.
Das Symbol "Chenu"
Dank des Namenszusatzes "Chenu" sind die Pferde der Familie Pellerot leicht zu erkennen und haben ihre Epoche geprägt. Das war jedoch nicht immer so: "Früher haben wir den Buchstaben P verwendet, wie bei Chambon P, der bei uns geboren wurde. Später war das nicht mehr erlaubt. Dasselbe galt übrigens auch für Zahlen, wie bei Bellino II. Also haben wir beschlossen, den Namen unseres Dorfes zu verwenden: Chenu. Mein Großvater war dort Bürgermeister."
Ein Name taucht sofort auf, wenn Franck Pellerot über die Pferde spricht, die seine Karriere geprägt haben: "Mein Vater hat viele Pferde verkauft, aber Quebir de Chenu war praktisch unverkäuflich. Gemeinsam sind wir Sechster im Prix d’Amerique (1989) geworden."
Ende 1989 gewann das Gespann zudem den Prix de Bretagne vor Pussy Cat und bestätigte dies einige Monate später mit einem Sieg im Prix du Bois de Vincennes. Ein Rennen, das am vergangenen Samstag in Vincennes von Ino du Lupin gewonnen wurde. Dessen Mutter Tina d’Hermes trägt das Erbe von Chambon P sowohl väterlicherseits (Fleuron Perrine, Sohn von Tenor de Baune), als auch mütterlicherseits (Kelle Nana, deren Mutter eine Tochter von Kepi Vert ist).
Auch Vivaldi de Chenu, Sieger dieses Rennens im Jahr 1993, ermöglichte es Franck Pellerot, als Fahrer mit Größen wie Vourasie, Vrai Lutin, Victoire Viennoise oder Viking de Crepon zu konkurrieren. In jüngerer Zeit haben Vertige de Chenu, Punch de Chenu und Dreamer de Chenu starke Leistungen gezeigt, insbesondere unter der Leitung von Jean-Michel Baudouin. "Jean-Michel hatte oft Pferde von uns, und das ist immer noch so, da ich auch an Olivier Philippe (Haras d’Erable) verkaufe, mit dem er zusammenarbeitet. Sie waren übrigens zuletzt sehr erfolgreich mit den beiden Brüdern Lord de Chenu und Meli Melo de Chenu."
Während der Decksaison ist Franck Pellerot regelmäßig unterwegs, insbesondere in den Departements Calvados und Orne. Zum Thema des Transports von gekühltem Sperma erklärt er: "Ich finde, das ist das Erste, was wir für die Züchter verbessern könnten. Heute ist die Technik des Transports von gekühltem Sperma wirklich ausgereift. Man weiß das und sieht es auch im Bereich der Sportpferde. Das Sperma ist bis zu vier Tage haltbar. Außerdem ist das ein aktuelles Thema angesichts der Dieselpreise, ganz zu schweigen vom Aspekt des Tierwohls. Ein Fohlen sechs Stunden in der Box zu lassen, ohne zu trinken, nur damit man mit der Mutterstute zum Hengst hin- und zurückfahren kann. Ist das noch zeitgemäß? Die Nutzung von gekühltem Sperma würde erhebliche Fahrzeiten einsparen und zudem eine zusätzliche gesundheitliche Absicherung bieten, da die Zusammenführung von Stuten an den Besamungsorten entfällt."
Eine Stute, die den Stall prägt
Drei Tage nach dem Sieg von Secret of Law in Agen bescherte dessen eigene Schwester Trust of Law der Familie Pellerot einen weiteren Erfolg. Diesmal als Züchter und Besitzer zugleich. Die 4jährige Stute blieb bei ihrem vierten Start in Turin für das Training von Marco Smorgon ungeschlagen. "Ich habe ihre Mutter Epreuve von Jean-Pierre Dubois gekauft, weil es mir immer gefallen hat, eine ausländische Stute zu besitzen. Ich denke, man sollte im Leben neugierig sein und sehen, wie Dinge anderswo funktionieren. Tatsächlich durfte sie in Frankreich nicht mehr gedeckt werden und war tragend von Mister J.P. Außerdem war sie eine Tochter von Goetmals Wood und stammte von Patricia ab. Und das funktioniert ziemlich gut. Trust hat sich in Meslay-du-Maine gut qualifiziert, hatte dann ein Problem am Fesselgelenk und debütierte daher spät, aber sie trabt sehr gut. Mit solchen Pferden ist die Idee, an europäischen Rennen in Frankreich teilzunehmen."
