News Frankreich Trab, 14.03.2026
(hen) Franck Blandin gehört zu jener Gruppe von Profis, die den Trabrennsport seit mehreren Jahrzehnten begleiten. Der 58jährige hat auf seinem Weg viele Meilensteine hinterlassen. Dazu gehören auch mehr als 1.500 Erfolge als Trainer. Im Gespräch mit 24h au Trot blickt er auf seine Zukunft, erzählt aber auch über seine lange Vergangenheit im Sport.
Eigentlich würde Franck Blandin heute gerne etwas kürzertreten, doch die Umstände zwingen ihn gewissermaßen, weiter unermüdlich zu arbeiten. Eine eher unfreiwillige Verlängerung seiner Karriere, die ihm zugleich ermöglicht, mit dem jungen Mentor de Play eine schöne und neue Erfolgsgeschichte zu erleben. Der 4jährige, der im Winter in Vincennes beeindruckte und in diesem Jahr noch ungeschlagen ist, erlaubt Franck Blandin einen neuen Aufschwung und bringt ihn in seine vielleicht schönste Rolle: die eines engagierten Mentors.
Rückblick. Anfang der 90er-Jahre. Ein gewisser Franck Blandin, damals kaum über zwanzig, ist der Stammfahrer von Tsar Unique. Gemeinsam gewinnen sie bedeutende Rennen wie den Prix de Bretagne im Jahr 1992, nachdem sie bereits 1991 den Prix des Antilles für sich entschieden hatten. So hieß damals das Rennen des Grand National du Trot in Nantes.
Das Pferd wurde von Francks Vater Andre Blandin trainiert, und der Fahrer hat gerade erst seine ersten hundert Siege erreicht. Sein Name tauchte erstmals 1984 in den Rennprogrammen auf. Vier Jahrzehnte später überschritt er in Argentan die Marke von 1.000 Siegen als Fahrer. Das war am 28. März 2023 dank Iquito Planchette, einem der Aushängeschilder seines Stalls während dieser Zeit.
Ein Jahr später, im April 2024, spannte er als Trainer seinen 1.500 Sieger an. Aktuell ist es Mentor de Play, der den Normannen wieder ins Rampenlicht rückt. Ein Fokus, der ihn während seiner gesamten Karriere ohnehin nie lange verlassen hat.
24h au Trot: "Mentor de Play hat gegen Ende des Pariser Wintermeetings großen Eindruck hinterlassen, als er auf einer durchnässten Bahn mit einer Kilometerzeit von 10,7 gewann. Hat er Sie überrascht?"
Franck Blandin: "Es stimmt, beim letzten Mal war er beeindruckend. Sein Rennen davor (Anm.: Sieg am 01. Februar in Vincennes) war schon sehr gut, aber das letzte Rennen war außergewöhnlich. Er ging eine 10er-Zeit. Ich hatte sogar noch Reserven. Die Scheuklappen wurden gar nicht gezogen und er gewann mit fünfzehn Metern Vorsprung.
Er hat immer Qualität gezeigt und ist ein unkompliziertes Pferd. Mein Sohn Adrien hat ihn mit zwei Jahren in Caen qualifiziert. Er gewann seine Abteilung sehr konzentriert. Er hatte nicht allzu viel trainiert und qualifizierte sich ganz locker. Danach ließen wir ihn gleich starten. Er machte genau das, was man sich wünscht. Er lief ein sauberes Rennen und sammelte gleich ein kleines Preisgeld ein (3. Platz bei seinem Debüt in Cabourg im Dezember 2024).
Ich habe immer viel von ihm gehalten. Ich war immer überzeugt, dass er gut ist. Aber zwischen gut, sehr gut und außergewöhnlich ist es schwer, das im Voraus einzuschätzen. Sicher ist: Von Anfang an spürt man, dass man ein gutes Pferd hat, ein echtes Rennpferd."
24h: "Mentor de Play ist noch nicht kastriert. Hängt das mit seiner Qualität zusammen?"
FB: "Nein, denn ich kastriere meine Pferde meist recht spät, selten vor dem Alter von drei Jahren. Nicht, weil ich große Zuchtträume mit ihnen hätte, sondern weil ich einfach lieber abwarte. Das ist meine Art zu arbeiten."
24h: "War das Barfußlaufen entscheidend für sein aktuelles Leistungsniveau?"
FB: "Ja und nein. Er hatte nie wirklich viel Gewicht. Zu Beginn des Winters lief er zum Beispiel mit kleinen Aluminium-Beschlägen. Im Finale der LeTrot Open für 3jährige in Vincennes war er im letzten Bogen eingesperrt. Mit mehr Platz wäre er Dritter geworden, gegen Pferde, die deutlich mehr Gewinnsumme hatten als er. Natürlich hat ihn das Barfußlaufen in diesem Jahr zusätzlich verbessert."
24h: "Was kann man sonst noch über Mentor de Play sagen?"
FB: "Beim Bänderstart ist er kein besonders schneller Starter, deshalb habe ich für ihn bei dieser Startart immer eher längere Distanzen bevorzugt. Man muss auch sagen, dass ich aus dem Band kein besonders raffinierter Fahrer bin, vor allem heutzutage, mit den Catchdrivern, die sich sehr schnell positionieren. Ich habe zu sehr die Denkweise eines Trainers, um meine Konkurrenten beim Start so wegzudrängen, wie es andere machen. Beim Autostart ist das natürlich anders. Da sind wir auf Augenhöhe.
Was Mentor de Play betrifft: Wie viele meiner besten Pferde, zum Beispiel Don Paulo, ist er im Kopf sehr ausgeglichen, wirkt zu Hause aber ziemlich gewöhnlich. Er hat nichts von einem 'Flugzeug'. Und man hat nicht den Eindruck, dass er besonders schnell ist. Er läuft einfach mit den anderen mit und zieht nicht davon."
Mentor de Play im Monte
Als Mentor de Play mit zwei Jahren erstmals unter dem Sattel vorgestellt wurde (Disqualifikation in Argentan), "war er bei seinem Test zu Hause ein echtes Flugzeug", erklärt Franck Blandin. "Ob er damals noch nicht reif genug war oder ob er sich im Rennen nicht mit seinem Jockey verstanden hat - ich weiß es nicht. Ich habe jedenfalls nicht darauf bestanden. Diese Option behalten wir uns mit ihm immer noch vor."
24h: "Sie fahren Ihre Pferde noch recht häufig selbst und greifen nicht auf die gerade sehr gefragten Catchdriver zurück. Warum diese Entscheidung?"
FB: "Weil ich meinen Söhnen den Vorrang gebe. Sie sind sehr gute Fahrer. Da sie aber selbstständig arbeiten, haben sie unter der Woche viel zu tun, und dann entscheide ich mich meistens dafür, meine Starter selbst zu fahren. Wenn sie allerdings Zeit haben, haben sie immer Priorität mit meinen Pferden."
Die Catchdriver haben alles verändert
Auf die Frage nach den größten Veränderungen im Trabrennsport während seiner Karriere nennt Franck Blandin zwei Punkte: "Zuerst das Barfußlaufen und dann die Catchdriver. Man sieht es schon beim Aufwärmen: Sie bringen ihre Pferde richtig auf Spannung und lassen sie direkt aus dem Band weggehen. Früher hatte man nicht diese Angst vor dem Start wie heute. Jetzt fahren wir alle mit dem Messer zwischen den Zähnen in die Bänder. Die Spannung im Startbereich ist enorm."
Die Anerkennung der Söhne
Franck Blandin, der in Nonant-le-Pin im Departement Orne ansässig ist, hat seine Leidenschaft für den Rennsport und den Trabrennsport an seine Söhne Gerald und Adrien weitergegeben. Beide sind heute selbst als Trainer tätig. Gerald arbeitet auf der Anlage seines Vaters, während Adrien einen kleinen Hof zwei Kilometer entfernt betreibt und seine Pferde zum Training dorthin bringt.
"Auch wenn ich nicht ganz objektiv bin und sie mit den Augen eines Vaters sehe, sind es begabte Kinder", sagt Blandin stolz. "Während ich selbst nie wirklich den Hof verlassen habe, weil ich immer mit meinem Vater Andre gearbeitet habe, haben sie anderswo Erfahrungen gesammelt. Beide haben bei Tomas Malmqvist gearbeitet und viel von ihm gehalten. Adrien war außerdem bei Franck Anne und Sylvain Roger, Gerald wiederum bei Jean-Michel Bazire und Jean-Philippe Dubois."
In einer Zeit, in der der Rennsport als berufliche Perspektive deutlich weniger attraktiv ist als früher, nimmt Franck Blandin eine defensive Position ein, was die Berufswahl der Söhne betrifft. Ohne große Begeisterung, aber auch ohne grundsätzliche Einwände. "Es stört mich nicht, dass sie im Rennsport arbeiten. Sie haben die Fähigkeiten, dort erfolgreich zu sein. Sie sind fleißig und keine Träumer. Sie wissen, wie man ein Pferd ins Gleichgewicht bringt und einstellt, ohne sofort den Tierarzt zu brauchen. Und das ist entscheidend. Am Ende ist alles eine Frage der Balance."
Was die Zukunft betrifft, ist für ihn alles klar: "Meine Söhne werden mein Gestüt übernehmen." Die familiäre Kontinuität ist also gesichert.
24h: "Zurück zu Mentor de Play. Werden wir ihn bald wieder am Start sehen?"
FB: "Ja, er hat Ende des Monats ein schönes, für ihn günstiges Rennen (Anm.: Prix de Gueugnon/21. März/ Vincennes). Seine Hufe werden bis dahin wieder nachgewachsen sein, denn bei seinen beiden Siegen in diesem Jahr hat sich einiges an Horn abgenutzt. Man muss sagen, dass die Bahn in diesem Winter in Vincennes ziemlich hart war."
24h: "Und Sie selbst? Sie hatten im vergangenen Jahr etwas weniger Starter (371 gegenüber 577 im Jahr 2024). Wo stehen Sie mit Ihrem Plan, kürzerzutreten?"
FB: "Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr den gleichen Enthusiasmus habe wie früher. Ich würde gern langsamer machen, aber weil es so schwierig ist, Personal zu finden, arbeite ich genauso viel oder sogar mehr als zuvor. Ich habe weniger Pferde als früher und bin in einem Alter, in dem ich eigentlich nur noch aus Freude arbeiten möchte. Aber das ist nicht möglich. Ich habe nicht so viel Spaß daran. Manchmal habe ich eher das Gefühl, mich aufzureiben, statt Freude daran zu haben.
Ich werde nicht von heute auf morgen alles hinwerfen, denn ich wüsste gar nicht, was ich sonst tun sollte. Und außerdem sind meine Söhne an meiner Seite. Sie haben sich selbstständig gemacht und fahren zwar für mich, aber sie sind immer in der Nähe. Also mache ich weiter. Trotz allem kann ich mich glücklich schätzen, denn im Rennsport habe ich einen guten Lebensunterhalt verdient."
Die "Play"-Pferde und Franck Blandin - eine Partnerschaft aus der Nachbarschaft
Im Stall von Franck Blandin stehen viele Pferde der SCEA Serge Delaunay, die unter dem Label "Play" gezüchtet werden. "Wir sind Nachbarn", erklärt der Trainer. "Die Zusammenarbeit hat sich daher ganz natürlich entwickelt, und ich bekomme aus jeder Generation mehrere Pferde." Derzeit befinden sich neun Pferde mit dem Namenszusatz "Play" im Training von Franck Blandin.
24h: "Mit welchem Bestand arbeiten Sie derzeit?"
FB: "Ich habe etwa dreißig Pferde, um die ich mich kümmere, zusammen mit einigen externen Mitarbeitern. Außerdem habe ich einen Angestellten, aber der ist seit mehreren Monaten krankgeschrieben. Ich habe noch die Zeit erlebt, in der ich zwei Jobanfragen pro Woche ablehnen musste. Und heute findet man überhaupt niemanden mehr. Meiner Meinung nach wird das eines der großen Probleme unserer Branche werden. Dazu kommt noch die Frage der Rennzeiten. Heute weiß man oft gar nicht mehr, wann man startet. Die Zeiten ändern sich von einem Tag auf den anderen, sogar auf derselben Rennbahn."
24h: "Was ist das Markenzeichen von Franck Blandin?"
FB: "Lange Zeit habe ich sehr viele Pferde ausprobiert. Heute ist das weniger der Fall, aber diese Vorgehensweise hat mir immer wieder gute Pferde gebracht. Deshalb habe ich auch nie wirklich selbst gezüchtet, weil mir immer viele Pferde anvertraut wurden. Außerdem habe ich schon sehr früh und häufig das Barfußlaufen eingesetzt - zu einer Zeit, als das noch nicht allgemein üblich war. Dadurch konnte ich oft Pferde deutlich verbessern, die ich übernommen hatte. Heute ist das schwieriger, weil inzwischen alle ohne Eisen laufen lassen. Gleichzeitig geben die Fahrer, also die Catchdriver, den Trainern auch Ratschläge. Vor zwanzig Jahren gab es das alles noch nicht, und für jemanden wie mich war es damals einfacher."
24h: "Apropos Barfußlaufen: Sie gehörten zu den Vorreitern. Sie haben es sehr früh und häufig eingesetzt. Warum und wie kam es dazu?"
FB: "Da muss ich Sie leider enttäuschen: Ich habe keine wirkliche Erinnerung daran, warum ich damit angefangen habe. Ich würde eher sagen, dass die anderen einfach spät damit begonnen haben. Und ich habe vielleicht zehn Jahre lang davon profitiert. Zum Beispiel habe ich Nelumbo zu Beginn seines sechsten Lebensjahres gekauft, und er war vorher noch nie ohne Eisen gelaufen. Das hat ihn natürlich völlig verändert."
Während des Gesprächs benutzt Franck Blandin mehrmals die Formulierung "vorerst". Sofort korrigiert er sich jedoch selbst und sagt: "Eigentlich sollte ich nicht 'vorerst' sagen, denn ich bin eher am Ende meiner Karriere", fügt er mit einem Lächeln hinzu.
