Nur wenige Stunden vor dem Prix de Paris, in dem Frank Gio die Zucht und die Farben von Antonio Somma vertreten wird, spricht der Italiener über den Erfolg der Scuderia Bivans und über seine Hoffnungen sowie Herausforderungen für die Zukunft.
Antonio Somma ist Stammgast bei den großen internationalen Trabrennen - in Vincennes, Solvalla, Rom oder in seiner geliebten Heimatstadt Neapel. Bald kommt mit Saudi-Arabien ein weiteres, bislang im Trabrennsport unbekanntes Land hinzu. Bevor ihn diese neue Aufgabe im Nahen Osten erwartet, wird Antonio Somma an diesem Sonntag im "Temple du Trot" in Vincennes sein, um seinen Champion Frank Gio anzufeuern, der zu den Sieganwärtern im Prix de Paris zählt.
Nach drei Teilnahmen von Tony Gio ist es der vierte Anlauf für die Scuderia Bivans in diesem begehrten Gruppe I-Rennen. Der Varenne-Sohn wurde 2021 Achter, und musste sich 2019 und 2020 lediglich Belina Josselyn geschlagen geben. "Das sind unauslöschliche Erinnerungen", sagt Somma. "Auf diesem Niveau ist es keine Niederlage, wenn man von einer Stute wie Belina geschlagen wird. Es war vielmehr die Bestätigung, dass Tony Gio zur Elite unseres Sports gehörte."
Zu seiner großen Freude wird nun ein weiteres Eigengewächs seines Gestüts (Gio-Label) am Sonntag seine Farben vertreten. "Frank hat noch mehr Motor als Tony, der dafür ein riesiges Herz hatte. Er hat das Zeug dazu, um den Sieg mitzukämpfen." Sobald Somma über Frank Gio spricht, ist seine Begeisterung spürbar: "Er ist einzigartig. Er besitzt dieses Charisma, dass einen tief berührt. Er ist der natürliche Erbe seines Vaters Face Time Bourbon. Er verkörpert den Stolz, die Kontinuität und den Erfolg der Bivans-Vision. Er ist der Beweis, dass unsere Genetik ein neues Kapitel im weltweiten Trabrennsport schreibt."
Während sein Vater im gleichen Alter den Prix d’Amerique gewann, konnte Frank Gio dieses Kunststück am 25. Januar nicht wiederholen. "Er hätte genauso gut gewinnen können", sagte sein Trainer Sebastien Guarato kürzlich. Somma selbst bereut aber nichts: "Mit fünf Jahren wird er Vierter gegen die besten Pferde der Welt. Das ist eine außergewöhnliche Leistung. Es bestätigt, dass er den Motor der ganz Großen besitzt."
Sein Blick richtet sich bereits auf 2027: "Das ist das große Ziel. Der gesamte Weg von Frank Gio wird darauf ausgerichtet sein, die Farben von Bivans an die Weltspitze zurückzubringen. Bis dahin müssen wir ihn schonen. Man darf nicht vergessen, dass er eine sehr umfangreiche Decksaison vor sich hat. Mehr als 130 europäische Zuchtstuten warten auf ihn."
Der Prix d’Amerique ist für den 64jährigen Italiener untrennbar mit Face Time Bourbon verbunden. Die Geschichte wäre perfekt, wenn die familiäre Dynastie durch dessen Söhne fortgeführt würde. Ganz ähnlich wie bei Ready Cash, dem Vater von Face Time Bourbon und selbst Erzeuger von fünf Amerique-Siegern. "Dieser Traum treibt mich jeden Tag an. Mit Pferden wie Frank Gio oder Golden Gio ist es keine bloße Idee mehr, sondern ein konkretes Ziel, dass ich bald erreichen möchte."
Das Zuchtlabel Gio steht im Zentrum des Projekts, mit Face Time Bourbon als tragender Säule. "Als er seine Rennkarriere beendete, entstand eine Lücke. Doch ich habe diese Nostalgie in Ehrgeiz für seine Laufbahn als Vererber verwandelt. Mein Vertrauen in ihn war absolut."
Die Zahlen sprechen für sich: 2025 belegte er in Frankreich Rang Zwei der Hengste nach Gewinnsumme (über sechs Millionen Euro) und Siegen, hinter Ready Cash. Bei den Gruppe I-Siegern steht er mit vier Erfolgen sogar an der Spitze. Seine Nachkommen triumphieren in Frankreich, Schweden und Italien gleichermaßen. "Das zeigt, dass Face Time Bourbon Champions aus sehr unterschiedlichen Mutterlinien hervorbringt", erklärt Somma. "Ich habe derzeit neun seiner Söhne im Rennbetrieb und fünfzehn Jährlinge italienischer und französischer Herkunft. Das sind enorme Investitionen. Aber ich vertraue ihm, weil er der Leit-Hengst des modernen Trabrennsports ist."
Auch andere Spitzenhengste wie Vivid Wise As oder Ideal du Pommeau gehören zum Bestand von Somma. Ersterer bringe "eine außergewöhnliche Vererbungskraft mit amerikanischer Elite-Genetik", während die ersten Nachkommen von Ideal du Pommeau gerade eingebrochen werden - "mit hervorragenden Rückmeldungen."
Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Somma jedoch vor allem in der sorgfältigen Auswahl der Zuchtstuten. "Für mich zählt die Blutlinie der Stuten weit mehr als ihre eigenen Rennleistungen." Er verweist auf amerikanische Mutterlinien wie jene von Donato Hanover oder auf die Linie seiner Herzensstute Ilaria Jet, die den Durchbruch der Scuderia Bivans in Frankreich mitprägte. "Exzellenz ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis klarer Entscheidungen."
Vom ersten Pferd Classic Winner bis zu Frank Gio zieht sich derselbe rote Faden: "Der Siegeswille ist ungebrochen. Vielleicht sogar stärker als früher, weil ich weiß, wie schwer es ist, an der Weltspitze zu bleiben." Früher sei er ein 'Jäger' gewesen, heute fühle er sich eher als 'Hüter der Exzellenz'. "Ich bin weniger impulsiv. Mein Ziel ist es, das System und das Erbe, dass wir aufgebaut haben, zu bewahren. Die Herausforderung besteht darin, es dauerhaft zu sichern."
Seine Leidenschaft ist dabei eine Garantie für Beständigkeit. Und auch für Mut zu ungewöhnlichen Entscheidungen: etwa als er Face Time Bourbon im Gran Premio d’Europa, anstatt im Criterium der 4jährigen starten ließ. Oder als er Philippe Allaire ein spektakuläres 500.000-Euro-Duell zwischen Ginostrabliggi und Golden Gio vorschlug. "Ich wollte nicht provozieren. Pferdesport lebt von Duellen. Wenn man an sein Pferd glaubt, muss man die Besten herausfordern."
Saudi-Arabien: Ein historisches Projekt
Saudi-Arabien öffnet sich dem Trabrennsport. Im Rahmen des Projekts 'Saheel Kingdom of Arabian Horses' soll 2027 das höchstdotierte Trabrennen der Welt stattfinden. Antonio Somma, der als Besitzer 53 Gruppe I-Rennen gewinnen konnte und als Züchter 14 weitere Erfolge auf höchster Ebene feierte, übernimmt dort eine technische und strategische Schlüsselrolle. "Wir bringen europäisches Know-how in ein neues, ehrgeiziges Ökosystem. Ich arbeite derzeit an einem ambitionierten genetischen Programm, um passende Hengste, Stuten und Rennpferde zu finden. Für mich ist dieses Projekt eine historische Herausforderung und eine große Chance für den internationalen Trabrennsport."
