Nachschau Mariendorf, Sonntag 19.04.2026
(hli) Rudolf Haller gewinnt mit dem Hengst den Lauf der Silber-Serie. Das Vierjährigen-Rennen geht an Danny Brouwer und Pushin P YB. Erfolgstyp: Ido d’Agice überzeugt auch unter dem Sattel. Gekonnt: Leo Hoenig schlägt nach 19 Jahren Siegabstinenz zu.
In einigen Quartieren grassieren derzeit Infektionskrankheiten und zudem kamen unvorhersehbare Transportschwierigkeiten hinzu. Dies hatte Auswirkungen auf die Veranstaltung auf der Derby-Bahn, denn sie litt bedauerlicherweise unter einer Vielzahl von Nichtstartern. Das betraf auch die beiden Hauptereignisse. Nämlich den vierten Lauf der Silber-Serie sowie ein für vierjährige Pferde konzipiertes Rennen, beides mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Trotz der dezimierten Felder waren die Favoritenrollen aber nicht klar verteilt. Insbesondere im Silber-Serien-Lauf lagen die Quoten dicht beieinander. Unter den nur vier Teilnehmern war Mark Schermer (Thorsten Tietz) für 2,9-faches Geld am niedrigsten notiert. Nach einem Verlauf in der Außenspur drang der Wallach allerdings nicht durch und spielte keine entscheidende Rolle. Stattdessen zog Rudolf Haller mit dem von ihm für die Farben von Karin Walter-Mommert trainierten Sheldrake in den nach kräftigem Dauerregen mächtig nassen Winner Circle ein. Der Auftritt des Hengstes war großartig. Nachdem der Fünfjährige zunächst ganz am Ende des kleinen Feldes gelegen hatte, gab Rudolf Haller mit ihm auf der Schlusshalben richtig Gas und zog im Einlauf grußlos an Duke of New York (Mario van Dooyeweerd) vorbei, der für seine tapfere Führungsarbeit mit dem zweiten Rang belohnt wurde. Keine Frage: In der gezeigten fantastischen Verfassung ist Sheldrake, der auf der 1.900-Meter-Strecke 1:16,0 trabte und mit drei Längen Vorsprung gewann, bereit für kommende Großtaten!
Lediglich drei Pferde versammelten sich im Vierjährigen-Rennen hinter dem Auto. Dass dieses Trio den Wettkampf aber trotzdem sehr ernstnahm, zeigte sich schon in der Startphase. Velten Manhattan (Robbin Bot) schoss in 07,3 in Front. Innen dahinter folgte Pirate Newport (Michael Nimczyk), während sich Danny Brouwer mit Feike Wilpstras Wallach Pushin P YB kurzzeitig in der Außenspur wiederfand. Danny Brouwer brach den Angriff jedoch zunächst ab und beorderte seinen Schützling hinter Pirate Newport an die Innenkante. Als Robbin Bot das Tempo im Anschluss aber in den 17er Bereich drosselte, wurde es Brouwer zu bunt und zu Beginn des trotto.de-Bogens schritt er mit seinem Hengst erneut zur Tat. Pushin P YB wurde in zweiter Spur immer energischer und mit dem Erreichen der Zielgeraden hatte der Braune den Widerstand von Velten Manhattan endgültig gebrochen. Stattdessen wurde nun Pirate Newport brandgefährlich. Doch Danny Brouwer konterte die Attacke und Pushin P YB hielt sich den Konkurrenten mit einer Länge Vorsprung vom Hals. Trotz der nur drei Starter und der durchnässten Piste sprang mit 13,8/1.900m eine bärenstarke Siegerzeit heraus.
Der von Andreas Prössel und Dr. Christian Ziegener überreichte Frühjahrs-Pokal des VDT ging an Andreas Gläser und Komino Blue Lagoon. Die als „Mariendorfer Traber des Jahres“ ausgezeichnete und grundsätzlich ohne Peitsche gefahrene Stute aus dem Besitz von Ulrike Fiedler macht auch in dieser Saison genau dort weiter, wo sie 2025 aufgehört hatte. Die Braune sicherte sich mit ihrem rasanten Anftritt rasch die Führung und unterwegs konnte es sich Andreas Gläser sogar leisten, das Tempo auf mäßige 19,6 zu drosseln. Als sich dann der am Ende zweitplatzierte Njord Invicta auf der Gegenseite an die Verfolgung machte, zog die Pace allerdings mächtig an. Komino Blue Lagoon trommelte Durchgangszeiten von 08,0 und 11,7 auf die Piste und gab ihren Vorteil gegen den Angreifer nicht mehr aus der Hand. Die Stute siegte in 13,8/1.900m mit einer Länge Vorsprung völlig souverän.
Eine Handicap-Prüfung bildete den Auftakt der Veranstaltung und präsentierte prompt ein neues Dream Team, denn Dennis Spangenberg gelang es tatsächlich, den zwar über viel Schnelligkeit, aber oft auch über zu viel Temperament verfügenden Euritmico Jet fehlerfrei über den Kurs zu bringen. Es dauerte zwar rund 700 Meter, bis der Wallach die Spitze übernehmen konnte. Dafür verlief die Schlussrunde für Euritmico Jet umso besser, denn in 15,2/1.900m ging er mit sieben Längen Vorsprung auf und davon. Einen nahezu identischen Rennverlauf konnten die Zuschauer im direkten Anschluss beim Sieg von Rudolf Haller mit After Dark Diamant beobachten. Denn auch der seit Juli 2025 nicht mehr am Start gewesene Indigious-Sohn, der sich zudem in der Anfangsphase eine kurze Galoppade erlaubt hatte, übernahm das Kommando erst auf Zielhöhe. Was dann aber folgte, hinterließ staunende Mienen. Denn der Fünfjährige deklassierte seine Gegner in neuer Bestzeit von 14,0/1.900m mit Weile-Vorsprung. Keine Frage: Dieses Pferd wird in den kommenden Monaten von sich reden machen.
„Er ist ein Mörder!“ Dieses im normalen Sprachgebrauch wahrlich nicht positive Prädikat ist im Traber-Slang als Lob gemeint. Und es trifft exakt auf Ido d’Agice zu, der mit Maja Thamm im Sattel nach unzähligen Siegen vor dem Sulky nun auch sein Können in einem Monté bewies. Im Gegensatz zu dem erfolgsverwöhnten Wallach war es für Maja Thamm, die ihr Glück kaum fassen konnte, zudem der allererste Laufbahn-Sieg. Und den hatte sich die sympathische Reiterin wahrlich verdient. Denn obwohl der mit 40 Metern Höchstzulage bedachte Ido d’Agice im Rennen unzählige Längen hinter dem Piloten Henri Buitenzorg (Hannah Schmitz) lag, hatte die Amazone mit ihrem „Mörder“ Blut geleckt und gab einfach nicht auf. Und tatsächlich: Ido d’Agice machte die Sensation mit einer riesigen Portion Energie perfekt und riss ein schon verloren geglaubtes Rennen in 15,0/2.040m mit einem Hals-Vorsprung aus dem Feuer.
Wesentlich unspektakulärer ging es beim Sieg von Robbin Bot und Bailando zu – wenn man von der Siegquote absieht, denn der Wallach der in unmittelbarer Nähe der Mariendorfer Bahn lebenden Familie Dillges wurde zur 10,1-fachen Quote zweifellos krass unterschätzt. Bailando profitierte zunächst vom Windschatten des führenden Maharani GB (Thorsten Tietz) und zog nach dem gegenüber eingeleiteten Wechsel in die Außenspur in 15,9/1.900m recht leicht mit einer Länge an seinem Kontrahenten vorbei. Ziemlich klar waren auch die Verhältnisse in der sogenannten Anfängerklasse. Denn Michael Nimczyk gab mit Lider Wise As von Anfang an den Ton an. Die einzige ernsthafte Verfolgerin war die, ebenso wie der Sieger, von Bernd Warnke trainierte Donnabella (Dennis Spangenberg). Und ohne deren kleine Unsicherheit wäre es vielleicht sogar noch spannend geworden. Aber in 20,2/1.900m ließ sich Leader Wise As mit einer halben Länge Vorsprung nicht ernsthaft in Bedrängnis bringen.
Das an jedem Renntag fast schon obligatorische Trotteur Francais wurde zur Beute von Victor Gentz und Know by Now. Nach vielen guten Leistungen war der erste Saisonerfolg des sechsjährigen Fuchswallachs geradezu überfällig. Victor Gentz beorderte seinen Schützling zügig an die Spitze. Das war es dann auch schon, denn in 17,0/1.900 ließ Know by Now dem nachsetzenden Jeps de Guoz (Michael Nimczyk) mit sechs Längen Vorsprung nicht den Hauch einer Chance. Der Goldhelm hatte also das Nachsehen. Aber im Anschluss schlug Michael Nimczyk dafür mit Fit for Future zu. Die Stute hatte eine Runde vor dem Ziel die Führung erobert und triumphierte in 15,2/1.900m mit vier Längen Vorsprung. Völlig souverän fiel auch Treffer von Leo Hoenig in der mit der TippelTom-Talentförderung verknüpften Abschlussprüfung aus. Nachdem sich der ihm anvertraute Purple Flevo unterwegs ständig im Vorderfeld bewegt hatte, zog er auf der Zielgeraden in 15,8/1.900m mit einer Länge Vorsprung an der von Laura Skoruppa optimal vorgetragenen Tempomacherin Desert Rain vorbei. Für Leo Hoenig war dies nicht nur sein erster Erfolg auf der Derby-Bahn überhaupt, sondern das Ende einer langen Durststrecke. Seinen letzten Sieg hatte der Norddeutsche nämlich sage und schreibe am 8. Januar 2007 gefeiert – und zwar in Bahrenfeld im Sulky der Stute Jonin Kunkendorf.
Gesamtumsatz: 88.664,70 Euro. Bahnumsatz: 24.783,60 Euro. Außenumsatz: 63.881,10 Euro.
Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 6. Mai statt. Beginn ist um 10.30 Uhr. An diesem Tag werden u. a. fünf lukrativ PMU-Rennen ausgetragen. Die Starterangabe, die Sie auch online auf www.rennbahn-berlin.de vornehmen können, ist am Donnerstag, dem 30. April. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@rennbahn-berlin.de. Bitte vergessen Sie nicht die Angabe des Hufbeschlags!
