Am Sonntag findet mit dem Prix de Belgique (Q6) die letzte Qualifikationsprüfung für den Prix d’Amerique statt. Das Rennen ist für viele Teilnehmer von großer Bedeutung, wenn auch teils in unterschiedlicher Weise. Zwei Wochen vor dem großen Saisonhöhepunkt gibt es für einige Teilnehmer die letzte Möglichkeit Feinabstimmungen vorzunehmen. Andere sehen ihre letzte Chance sich überhaupt erst für den Amerique zu qualifizieren.
Der Kampf um die Qualifikationstickets spielte in der letzten Ausgabe des Prix de Belgique seine Rolle im Showdown vor dem Amerique voll aus. Die beiden Erstplatzierten, Iroise de la Noe und Ideal Ligneries hätten über die Gewinnsumme keine Chance gehabt, sich ihren Startplatz im Amerique zu sichern.
Das 'schwierige' Sprungbrett Richtung Amerique
Aufgrund seiner zeitlichen Nähe zum Amerique, gilt der Prix de Belgique jedoch nicht als besonders effizientes Sprungbrett zum großen Ziel am letzten Januarsonntag. Im Gegenteil: Seit Einführung des Rennens im Jahr 1975, damals noch unter dem Namen Prix du Bearn, haben lediglich sechs Traber im selben Winter das Doppel "Belgique-Amerique" geschafft. Zum Vergleich: Zwölf verschiedenen Champions gelang seit den 1960er-Jahren das Doppel "Bourgogne-Amerique". Die Rennen Prix de Bretagne und Prix du Bourbonnais, stellten im selben Meeting jeweils neun beziehungsweise acht Sieger des Hauptrennens. Unter diesem Blickwinkel steht der Prix de Belgique also deutlich hinten an.
Sechser-Klub mit Legende Ourasi
Welche sechs Traber schafften dieses seltene Kunststück? Der bislang letzte war Bold Eagle im Jahr 2016. Davor gelang es der Schwedin Queen L 1993. Zwei Jahre zuvor hatte auch der Ausnahmehengst Tenor de Baune das Doppel im Rahmen seiner langen Siegesserie erreicht. Eine Sonderstellung nimmt aber Ourasi ein: Er gewann beide Rennen im selben Jahr gleich dreimal, nämlich 1986, 1987 und 1988. Damit ist er die unangefochtene Legende des Prix de Belgique, den er insgesamt sogar viermal gewann, einschließlich der Ausgabe von 1989. Bereits 1984 gelang Lurabo ebenfalls das Doppel "Belgique-Amerique", fast zehn Jahre nach Bellino II, dem ersten Traber, der dieses Kunststück im Winter 1975/76 unter den Farben von Maurice Macheret vollbrachte.
Rekord an Siegen:
Ourasi (4 Siege): 1986, 1987, 1988, 1989
Queen L (2 Siege): 1993, 1994
Yarrah Boko (2 Siege): 2013, 2014
Bird Parker (2 Siege): 2018, 2019
Das internationalste der B-Rennen
Im Vergleich mit den anderen Qualifikationsrennen der 'Amerique Races' ist der Prix de Belgique das internationalste. Seit dem Jahr 2000 gewannen fünf ausländische Traber das Rennen (vier verschiedene Pferde, da Yarrah Boko doppelt erfolgreich war). Der Prix du Bourbonnais (Q2) und der Prix de Bourgogne (Q5) verzeichnen seit 2000 jeweils drei bzw. zwei ausländische Sieger. Der Prix de Bretagne (Q1) kommt auf keinen. Allerdings ist er erst seit 2004 offiziell international ausgeschrieben.
Ausländische Sieger des Prix de Belgique seit 2000:
Naglo (2004), Giuseppe Bi (2009), Maharajah (2011), Yarrah Boko (2013 und 2014)
Der Belgique fast immer langsamer als der Amerique
Der Prix de Belgique wird ebenfalls über den langen Weg gelaufen. Dennoch ist die Siegerzeit fast immer langsamer, als 14 Tage später im Hauptrennen. Das entspricht der sportlichen Logik, da im Prix d’Amerique stets kompromissloser gefahren wird und es immer mindestens einen Teilnehmer gibt, der das Rennen von vorne gestalten möchte.
Die letzte Ausnahme datiert aus dem Jahr 2003, als Gebrazac im 'Belgique' mit 13,6 schneller war, als zwei Wochen später Abano As (15,1). Damals wurde der Prix d’Amerique allerdings bei sintflutartigem Regen auf einer extrem schwerer Bahn gelaufen. Zuvor war es Ourasi im Jahr 1988, der im Prix de Belgique schneller war als im Prix d’Amerique (15,6 gegenüber 15,7), obwohl er im Belgique eine Zulage von 25 Meter gegen sich hatte. Sein Trainer und Fahrer Jean-Rene Gougeon kommentierte damals: "Den Belgique zu gewinnen ist schwieriger als den Amerique."
1985 waren Minou du Donjon und Mon Tourbillon, die den Prix de Belgique gewannen, schneller als Lutin d’Isigny im Prix d’Amerique (17,4 gegenüber 17,8). Auch hier mussten die beiden Sieger im vorbereitenden Rennen 25 Meter vorgeben.
Keine Zulage mehr seit 2017
Die Zulage wurde 2017 abgeschafft, im Jahr des Sieges von Briac Dark. Die letzten beiden Starter, die noch 25 Meter Vorgabe leisten mussten, waren Up And Quick und Mosaique Face im Jahr 2016, als Bold Eagle im Alter von fünf Jahren gewann. Die letzte Siegerin, die trotz 25 Metern Vorgabe erfolgreich war, war die Stute Draga im Jahr 2000.
Nicht in der Siegerliste
Obwohl Jag de Bellouet in jeder vergleichbaren Qualifikationsprüfung der B-Rennen einen Sieg in seiner Erfolgsliste stehen hat (Bretagne, Bourbonnais, Bourgogne), taucht sein Name nicht in der Siegerliste des Prix de Belgique auf. Allerdings trat der von Christophe Gallier trainierte Ausnahmehengst dort nur zweimal an - und dies noch vor dem Höhepunkt seiner Karriere. Er startete im Alter von fünf Jahren (2002, unplatziert) und mit sechs Jahren (2003, 7. Platz). In den folgenden Jahren 2004 bis 2006 schrieb er Geschichte mit drei Siegen im Prix de Cornulier, der sich damals ebenfalls zu einem Sprungbrett in Richtung Prix d’Amerique entwickelte. Er gewann den Amerique 2005, sowie erneut 2006, ehe er später wegen eines positiven Dopingtests disqualifiziert wurde.
Eine ähnlich überraschende Lücke im 'Palmares' betrifft auch Ready Cash. Der Star gewann den Bretagne (2011), den Bourbonnais (2011 und 2012), sowie den Bourgogne (2011 und 2012), scheiterte jedoch im Prix de Belgique. Er nahm dort tatsächlich aber auch nur einmal teil. 2012 musste Ready Cash dabei 25 Meter vorgeben und belegte am Ende den dritten Platz.
Nur acht Stuten in der Siegerliste
Auch wenn mit Iroise de la Noe zuletzt eine Stute siegte, ist die weibliche Vertretung insgesamt deutlich schwächer, als die der Hengste. Insgesamt stehen nur acht Stuten im 'Palmares':
Katinka (1983), Queila Gede (1990), Queen L (1993, 1994), Fan Idole (2001), Nouba du Saptel (2008), Belina Josselyn (2020) und Iroise de la Noe (2025).
Von diesen Stuten tauchen auch drei, Queila Gede, Queen L und Belina Josselyn, in der Siegerliste des Prix d’Amerique auf. Doch nur einer Stute gelang es, beide Rennen im selben Jahr zu gewinnen: Queen L im Jahr 1993.
Rennrekord nach Geschlecht:
Hengste: Davidson du Pont, 12,0 (2021)
Stuten: Belina Josselyn, 12,6 (2020)
Beide Sieger wurden von Jean-Michel Bazire trainiert und gefahren.
Zucht: Bird Parker - ein Sonderfall
Nur ein Sieger des Prix de Belgique wurde später Vater eines erneuten Siegers dieses Rennens. Dabei handelt es sich um Bird Parker (v. Ready Cash), Sieger 2018 und 2019. Sein Sohn Izoard Vedaquais gewann den Prix de Belgique im Jahr 2024.
Die dominierenden Männer des Belgique
Ein Name ragt sowohl bei den Trainern als auch bei den Fahrern heraus: Jean-Rene Gougeon. Der als "Papst von Vincennes" bekannte Profi verdankt diese Spitzenstellung vor allem dem Ausnahmechampion Ourasi, vierfacher Sieger des Rennens. Unter den noch aktiven Akteuren setzen insbesondere Jean-Michel Bazire (dreifach siegreich als Fahrer, vierfach als Trainer), sowie Pierre Vercruysse (drei Siege als Fahrer) Maßstäbe.
Siege als Fahrer:
Jean-Rene Gougeon (6): Bellino II (1975), Katinka (1983), Ourasi (1986, 1987, 1988, 1989)
Pierre Vercruysse (3): Echo (1998), Yarrah Boko (2013, 2014)
Jean-Michel Bazire (3): Belina Josselyn (2020), Davidson du Pont (2021), Feydeau Seven (2022)
Michel-Marcel Gougeon (2): Fakir du Vivier (1978), Lurabo (1984)
Stig H. Johansson (2): Queen L (1993, 1994)
Örjan Kihlström (2): Naglo (2004), Maharajah (2011)
Jean-Philippe Monclin (2): Bird Parker (2018, 2019)
Siege als Trainer:
Jean-Rene Gougeon (5): Katinka (1983), Ourasi (1986, 1987, 1988, 1989)
Jean-Michel Bazire (4): Kazire de Guez (2005), Belina Josselyn (2020), Davidson du Pont (2021), Feydeau Seven (2022)
Philippe Allaire (3): Bird Parker (2018, 2019), Izoard Védaquais (2024)
