Nach der im vorigen Dezember durch den französischen Traberverband (SETF) erfolgten Ankündigung, dass es Kürzungen im Budget geben würde, sind viele Aktive besorgt, was auf sie zukommen würde. Das betrifft natürlich auch die Besitzer, die in Vertretung des Besitzerverbandes SNPT (Syndicat National des Proprietaires de Trotteurs) über die Präsidentin Nancy Marandon im Interview mit dem ParisTurf zu Wort kommen.
Marandon bei der Siegerehrung - Foto: SCOOPDYGA
ParisTurf: "Wie reagieren die Mitglieder des SNPT auf die von der SETF angekündigten Sparmaßnahmen?"
Nancy Marandon: "Zunächst einmal möchte ich den Mitgliedern (ca. 200) des SNPT, allen Besitzern und den Aktiven der Branche unsere besten Wünsche für das neue Jahr übermitteln.
Wenn man zur Basis zurückgeht, sind es die Beisitzer und die Wetter, die das französische Rennsystem finanzieren. Nun wird uns eine Erhöhung der Nenngebühren um 25% angekündigt, die beim zweiten Anlauf einer Qualifikationen zu zahlen ist. Gleichzeitig steigen die Trainingskosten, die Tierarztkosten usw. Die Besitzer haben wirklich Angst vor der Zukunft und fürchten, was noch alles auf sie zukommen könnte. Besitzer mit begrenzteren finanziellen Mitteln haben als Einnahmen im Wesentlichen nur die Preisgelder, und sie haben große Angst vor einem möglichen Rückgang der Dotationen."
PT: "Ist es da nicht eine Erleichterung, dass die Preisgelder im Trabrennsport, anders als im Galopprennsport, nicht sinken sollen?"
NM: "Ja. Wie der Präsident der SETF, Jean-Pierre Barjon, angekündigt hat, werden die Preisgelder 2026 nicht gekürzt. Für dieses Jahr kann man also relativ ruhig bleiben. Für 2027 könnte es allerdings deutlich schwieriger werden. Wir befürchten sehr, dass es dann doch zu Kürzungen kommen könnte, falls die Umsätze der PMU nicht wieder anziehen."
PT: "Zu den Themen, bei denen sich das SNPT besonders engagiert hat, gehört auch die Verteidigung von Vincennes. Die Verlängerung des Pachtvertrags durch die Stadt Paris im vergangenen Juli dürfte doch als Erfolg gewertet worden sein, oder?"
NM: "Absolut. Wir sind sehr zufrieden, dass die Konzession für Vincennes um 30 Jahre verlängert wurde. Allerdings haben wir keinerlei Informationen darüber, wann und in welcher Form die Umbauarbeiten beginnen sollen. Es heißt, dass die Rennbahn möglicherweise ein Jahr lang geschlossen werden könnte. Sollte das der Fall sein, wäre es dann nicht möglich, die Arbeiten in Etappen durchzuführen, damit Publikum und Besitzer nicht die Gewohnheit verlieren, in den 'Tempel des Trabrennsports' zu kommen? Ist es außerdem geplant, wieder einen Bereich speziell für Besitzer einzurichten, so wie es früher mit dem 'Club Uranie' der Fall war, der heute ein reines Restaurant ist? Das gehört zur besonderen Atmosphäre, die Menschen dazu motiviert, ein Pferd zu kaufen. Man muss wissen, dass man 595 Euro bezahlen muss, um zum Prix d’Amerique im 'Club Uranie' zu Mittag zu essen, oder zahlreiche E-Mails schreiben muss, um überhaupt Zugang zum Waagebereich zu bekommen. Es wird alles immer komplizierter. Das sind Beispiele, die zeigen, dass es an Anerkennung für die Eigentümer mangelt.
Wenn Vincennes auch weiterhin der 'Tempel des Trabrennsports' bleiben soll, muss man jedoch aufpassen, die Kluft zwischen den großen Ställen und den kleinen Besizern, von denen viele Trainer leben, nicht weiter zu vergrößern. Der Kreis der Spitzenfahrer in Vincennes hat sich in den letzten Jahren stark verkleinert, und für Trainer-Fahrer aus der Provinz ist es nahezu unmöglich geworden, in Paris mitzuhalten. Auch das ist ein Grund dafür, dass unsere Pferde wenig in der Hauptstadt zu sehen sind."
PT: "Bleiben wir mit Enghien thematisch im Großraum Paris, dessen Zukunft derzeit bei der SETF diskutiert wird. Soll diese Rennbahn Ihrer Meinung nach erhalten bleiben?"
NM: "Wir haben unseren Mitgliedern zu diesem Thema einen Fragen und Antwort-Katalog zugeschickt. Zwei Drittel der Rückmeldungen sprechen sich dafür aus, sowohl Vincennes, als auch Enghien zu erhalten, ein Drittel wäre für einen Verkauf von Enghien. Viele stellen dabei die finanziellen Aspekte in den Vordergrund: Wenn zusätzliche Einnahmen benötigt werden, wollen sie auf keinen Fall, dass die Preisgelder gekürzt werden. Welche Einnahmen könnten erzielt werden, wenn Enghien verkauft werden würde?"
PT: "Die SETF hat angekündigt, rund um den Prix d’Amerique Ende Januar ein dreitägiges Festival mit Show zu organisieren, die unter anderem von Künstlern wie Gims gestaltetet wird. Was halten Sie davon?"
NM: "Ich erinnere mich an Zeiten, in denen Besitzer problemlos Zugang zur Rennbahn hatten. Natürlich verstehen wir, dass sich die Dinge verändert haben. Aber was ist das Ziel der SETF an einem Tag wie dem Prix d’Amerique? Soll daraus ein Society-Event auf Kosten der Aktiven werden? Ganz zu schweigen von den Wettern. Meiner Meinung nach sollte ein solcher Tag den Pferden vorbehalten bleiben und den Zuschauern Lust machen zu wetten. Denn darauf kommt es am Ende wirklich an."
PT: "Was erwarten Sie vom neu ernannten Generaldirektor der PMU, Cyrille Giraudat?"
NM: "Das er die richtigen Lösungen findet, um die Wetter wieder in die Wettannahmestellen zurückzubringen. Es ist aus meiner Sicht entscheidend, dass dort wieder Dynamik und Geselligkeit entstehen, getragen von engagierten Partnern, die die Pferdewetten verkaufen wollen, welche nach wie vor viele Stärken besitzen. Eine kleine Anekdote: Ich habe das Programm zur neuen Vergütung der Annahmestellen gelesen und muss sagen, dass mich der Begriff 'Casaque' (Dress) etwas stört, denn das ist ein Wort, dass den Besitzern gehört. Man hätte einen anderen Namen finden sollen. Sie haben aber verstanden...wir setzen große Hoffnungen in Cyrille Giraudat, um die PMU wiederzubeleben."
PT: "An welchen konkreten Themen arbeiten die Mitglieder des SNPT derzeit besonders?"
NM: "Bei der letzten Sitzung der Regelwerkskommission hat das SNPT seine Position bekräftigt, wonach wir für das Beschlagen der 3jährigen sind, während sie ab 2026 nur noch teilbeschlagen sein dürfen. Das entspricht unserer Ansicht nach nicht dem Gedanken des Tierschutzes, denn die Besitzer möchten grundsätzlich, dass ihre Pferde möglichst lange gesund bleiben und Rennen laufen können. Was die Anerkennung der Eigentümer betrifft, wünschen wir uns außerdem ein kleines Symbol in den Programmen, um Pferde in Alleinbesitz von solchen in Besitzgemeinschaften zu unterscheiden. Ich möchte diese Gelegenheit auch nutzen, um die Besitzer aufzurufen, dem SNPT beizutreten. Je zahlreicher wir sind, desto mehr Gewicht haben wir in den Diskussionen."
