News Frankreich Trab, 07.04.2026
(hen) Am Mittwoch nimmt Trainer Jonathan Cuoq im Sulky seines Champions Ister Man Platz, um die dritte Etappe des Grand National du Trot zu bestreiten (Foto:@Kevin Peguet). Der ParisTurf besuchte den Ausbilder zu Hause in der Loire, um über dieses wichtige Rennen zu sprechen.
Über die Jahre musste Jonathan Cuoq mit seinem Ister Man viel Geduld beweisen, um ihn zu der stolzen Gewinnsumme von über 450.000 Euro zu führen. "Es stimmt, dass Ister spät in Schwung gekommen ist", räumt Cuoq ein, der ihm die nötige Zeit gegeben hat. "In den letzten zwei Jahren hat er sich voll entfaltet. Er hat wirklich alles, was man sich wünschen kann." Der beste Beweis für seinen Durchbruch? Drei Siege in Folge, darunter zuletzt ein eindrucksvoll gewonnenes Gruppe III-Rennen in Cagnes-sur-Mer. Diese Serie soll Ister Man am Mittwoch beim Start der GNT-Etappe in Lyon fortsetzen.
"Ister hat jetzt sein Gleichgewicht gefunden"
Einige Tage vor dem Rennen zeigte sich sein Trainer sehr zuversichtlich: "Das Pferd ist in der Arbeit überragend. Er ist gut drauf, locker, ausgeglichen. Sowohl mental, als auch körperlich. Er hat jetzt sein Gleichgewicht gefunden und kann ohne Check laufen. Das hat ihn befreit", erklärt sein Mentor. Taktisch ist der Vertreter von Christian Schandrin vielseitig einsetzbar: "Er ist zwar am besten, wenn er vorne gehen kann, aber inzwischen kann er auch stark finishen. Wenn wir warten müssen, dann warten wir eben", ergänzt Cuoq lächelnd, der nach einer erfolgreichen Vertretung durch Theo Briand wieder selbst im Sulky sitzt.
"Ich habe mich entschieden, ihn selbst zu fahren, weil es vielleicht die einzige Gelegenheit in meinem Leben ist, mit echten Chancen an einer GNT-Etappe teilzunehmen. So ein Pferd bekomme ich vielleicht nie wieder. Die Konkurrenz wird stark sein, aber mein Pferd ist so gut in Form, dass ich daran glaube. Und diesmal muss er nicht fünf Stunden im Transporter stehen. Er gehört aufs Podium." Große Worte, die durch die letzte intensive Trainingseinheit Ende vergangener Woche bestätigt wurden, die den Trainer voll zufriedenstellte.
Bemerkenswert ist auch, dass Ister Man wieder auf den Sand von Parilly zurückkehrt, den er seit Ende 2024 nicht mehr betreten hat. Ausgerechnet bei einem Heimspiel für seinen Besitzer aus Lyon: "Dieses Rennen ist auch eine Gelegenheit, meinem Besitzer eine Freude zu machen, der von Anfang an an mich geglaubt hat. Er hat mich unterstützt, als ich mich selbstständig gemacht habe, obwohl er mich kaum kannte", ergänzt Cuoq mit hörbarer Dankbarkeit.
Auch der Halbbruder von Ister Man, Jaeger Man, gehört demselben Besitzer und hat sich seit seinem Wechsel in den Stall der Familie Abrivard stark verbessert. Mit der Familie arbeitet Jonathan Cuoq regelmäßig zusammen.
"Alles mit eigenen Händen aufgebaut"
Seit sieben Jahren ist Jonathan Cuoq in Saint-Etienne-le-Molard ansässig und hat sich dort eine funktionale Trainingsanlage geschaffen. Zuvor lernte er den Beruf bei Gregory Laurent, der damals die Pferde von Jean Brun betreute: "Ich war fünf Jahre dort und hatte großen Spaß daran, seine Pferde zu fahren. Ich habe viel gelernt, denn Gregory ist ein sehr gewissenhafter Trainer."
Mit dem Wunsch nach Selbstständigkeit kaufte er rund zehn Hektar Land, rodete es eigenhändig und baute nach und nach seine Anlage auf: eine 700-Meter-Bahn, eine Reithalle und ein Schwimmbecken - der erste Baustein eines geplanten Zentrums für Thalasso-Therapie. Unterstützt wird er derzeit von einem Auszubildenden, Arthur Meurant, sowie einer Mitarbeiterin, Clarisse: "Ich habe das Glück, mich auf ein zuverlässiges Team verlassen zu können. Das ist ein großer Komfort."
'Aqua LoJo' - Ein Zentrum für Balneotherapie
Parallel zum Rennbetrieb bauen die Cuoqs schrittweise ein Zentrum für Pferde-Balneotherapie auf, das vor allem von Laura getragen wird, die in Frankreich zu den Pionierinnen in der Umschulung von Rennpferden zählt. 'Aqua LoJo' (eine Kombination ihrer beiden Vornamen) verfügt derzeit über einen 80 Meter langen Schwimmkanal, der von den Pferden sehr geschätzt wird: "Die Pferde sind nicht fixiert und schwimmen frei von einem Ende zum anderen. Sie sind nicht eingeschränkt und gehen gerne ins Wasser", berichtet der Trainer begeistert.
"Das hilft, Muskelgruppen zu trainieren, die auf der Bahn nicht beansprucht werden, und schont gleichzeitig die Gelenke, die sonst stark belastet werden. Auch für das Herz-Kreislauf-System ist es hervorragend. Man muss nur für jedes Pferd die richtige Balance zwischen Training auf der Bahn und im Wasser finden", erklärt Jonathan Cuoq.
Aus Sorge um das Wohlbefinden der Pferde bietet Laura zudem eine traditionelle Behandlungsmethode mit Blutegeln (Hirudo-Therapie) an. Diese geben beim Einsatz Wirkstoffe ab, die abschwellend und schmerzlindernd wirken: "Ich war anfangs skeptisch", gibt Jonathan Cuoq zu. "Aber die Ergebnisse haben mich wirklich beeindruckt. Das kann Injektionen ersetzen, die für die Gelenke schädlich sein können, während Blutegel das Gewebe regenerieren."
