Vorschau Quintè, Sonntag 22.02.2026
Im letzten Rennen der 'Amerique-Races' des laufenden Wintermeetings, wird die Wettabgabe wie immer zu einer echten Herausforderung wenn es um den Prix de Paris geht. Für die 4.150 Meter gibt es einfach kaum Referenzen. Und noch dazu wird dieses Rennen nicht immer taktisch gleich gelaufen. Oft war der Marathon ein Sprint mit sehr langer Anlaufphase. In anderen Jahren gab es aber auch Start-Ziel-Sieger, wie es Joumba de Guez im Vorjahr oder auch Etonnant 2021 gezeigt haben. Wer sich dennoch an die Quinte traut, wird im ersten Rang mit einem Jackpot von 1.000.000 Euro zusätzlich angelockt.
Ein guter Anfang ist sicher mit Immortal Doc (9) gemacht, der in seinem zweiten Winter offenbar bestens in Vincennes angekommen ist und starke Formen aus der Heimat über lange Distanzen mitbringt. Das gilt auch für Francesco Zet (14). Für heimische Interessen dürfte sich Harmony du Rabutin (4) für den späten Fehler im Amerique revanchieren wollen. Zumindest aus einem französischen Quartier kommt der Italiener Frank Gio (11), der zwar der jüngste Teilnehmer ist, aber ebenfalls den ganz großen Triumph schaffen kann.
Nach den vielen früheren Ausfällen scheint sich IDYLLE EXPRESS (1) endlich gefunden zu haben. Die Stute aus dem Stall von Pascal Lelievre hat in diesem Meeting bei vier Starts ebenso viele Erfolge feiern können. Besonders beeindruckend war die 8jährige dabei beim letzten Auftritt. Bisher endeten alle ihre drei Starts auf Gruppe-Ebene am Turm. Aber am Amerique-Sonntag holte sie sich aber den Prix Helen Johansson (GR III) in starker Art und Weise. Zur Hälfte der 2.100 Meter-Distanz landete die Tiego d’Etang-Tochter in der Todesspur. Im Einlauf hatte Idylle Express dennoch schnell einen Vorteil, den sie sicher nach Hause brachte, obwohl sie weit nach außen driftete. Letztlich blieb mit 10,7 sogar noch eine neue Bestmarke hängen. Trotz dieser aktuellen Empfehlungen bleibt die gewinnärmste Teilnehmerin eine Außenseiterin.
Schon von Mai 2024 bis November des gleichen Jahres hat HE AND ME (2) mehr als ein halbes Jahr pausieren müssen. Nach nur einem Start ging es für den Hengst in eine erneute Auszeit, die sogar über ein Jahr andauerte. Nach zwei Starts mit Eisen, wurde der Bird Parker-Sohn beim letzten Start von seinem Beschlag befreit. Trotz der Zulage und eines schwachen Starts holte der 9jährige noch einen dritten Platz für den ein starker Endspurt nötig war. Knapp drei Wochen später wird die Dubois-Farbe eine Steigerung mitbringen können. Dennoch muss man bezweifeln, dass es trotz der Fahrership eines Eric Raffin für die Königswette reicht.
WORKING CLASS HERO (3) gehört schon längst zum Inventar des Wintermeetings. Mitte November begann der Schwede den neuen Winter mit einem starken Sieg, den er bei den vier folgenden Auftritten aber zumindest nicht siegreich bestätigen konnte. Wirklich enttäuscht hat der Hengst in der Folge aber nur am 14. Dezember, als er seinen Endspurt einfach viel zu früh aufgegeben hat. Danach hatte der 7jährige die Rennverläufe nicht wirklich auf seiner Seite. So saß er zuletzt sehr lange fest und kam auch durch einen großen Kampf nicht über Rang Fünf in der immer schneller werdenden Endphase hinaus. Jenseits der 3.000 Meter hat der Hengst nur eine Form in seiner Vita, die mit einer Disqualifikation endete. Dennoch besitzt er die Härte und die Klasse, um hier vorne mitmischen zu können.
Anfang Dezember war der vierte Platz von HARMONY DU RABUTIN (4) im Prix du Bourbonnais mit der verbundenen Qualifikation für den Amerique für viele Wetter eine Überraschung. Nicht so für den Trainer Guillaume Huguet, der zurecht auch noch mit dem Verlauf haderte, weil sich seine Stute erst sehr spät befreien konnte und somit eine bessere Platzierung verpasste. Im Amerique selbst wurde die Royal Dream-Tochter dann auch wieder unterschätzt, wobei sie letztlich unglücklich eine gute Platzierung verpasste. Erst spät griff die 9jährige ins Geschehen ein und wurde von Stammfahrer David Bekaert kurz vor dem Ziel in eine enge Lücke gesteuert. Diese Lücke erwies sich als zu eng, weil die Stute, die sich sonst durch unheimliche Trabscherheit auszeichnet, das Sulkyrad eines Gegners touchierte und weniger als eine Länge hinter dem Sieger das fünfte Geld versprang. Insofern zeigt sich der Ausbilder für heute sehr optimistisch, was man teilen kann, auch wenn Harmony du Rabutin wohl wieder als Außenseiterin an den Start kommt. Aber genau ihre großen Tugenden bringen sie hier nachhaltig ins Spiel: Ausdauer, ein starker Speed und eine an sich große Trabsicherheit.
Schon in jungen Jahren zeigte KING OPERA (5), dass er eindeutig zur Jahrgangsspitze gehört, auch wenn er immer wieder vordere Platzierungen und Siege durch späte Fehler vermasselt hat. Trainer William Bigeon setzte fortan überwiegend auf einen vollen Beschlag, was der Form unheimlich an Stabilität verliehen hat. Beste Beispiele dafür waren ein Gruppe-Erfolg gegen die Älteren im letzten Sommer in Enghien oder Rang Drei im Criterium der 5jährigen im September. Aktueller gehörte natürlich auch Rang Vier im 'Belgique' dazu, der die Teilnahme am Amerique ermöglichte. Dort riskierte William Bigeon wieder mehr und befreite seinen Star nach langer Zeit von allen vier Eisen. King Opera blieb dann zwar das ganze Rennen in der richtigen Gangart, konnte aus dem Hintergrund aber nie Akzente setzen. Im letzten Bogen verlor der Ready Cash-Sohn auch noch den Kontakt zum Vordermann und endete unplatziert. Das der 6jährige heute wieder auf seinen vollen Beschlag zurückkehrt, wird seine möglichen Chancen als Außenseiter nicht beeinträchtigen. Er gehört in die Kombinationen, auch wenn er für einen Auftritt auf dem Podium wohl nicht in Frage kommt.
Auch wenn sich HAPPY DANICA (6) in diesem Winter bei fünf Starts in Vincennes viermal im Kleingeld wiederfinden konnte, merkt man der Stute ihr Alter mittlerweile an. Die wirklich guten Auftritte werden immer seltener und finden auch eher auf flachen Bahnen wie Cagnes-sur-Mer statt. So trat sie Mitte Dezember sogar als große Favoritin im Prix Varenne in Cagnes-sur-Mer an, musste aber fast den ganzen Weg ohne Windschatten außen herum marschieren. Mit viel Kampfgeist raufte sich die Briac Dark-Tochter im Einlauf noch einmal auf und holte letztlich einen ganz sicheren dritten Rang. Am 07. Februar probte sie ein letztes Mal in Vincennes für den heutigen Tag. Auf der Mitteldistanz verlor die 9jährige kurz vor dem Schlussbogen in dritter Spur ihre Zugmaschine, stand die folgende Kraftanstrengung durch den letzten Bogen aber sehr gut durch. Bis weit in den Einlauf schien sie für Rang Drei in Frage zu kommen, war dann aber auf den finalen Metern in einem gut besetzten Course A nur zu Rang Sechs fähig. Drei Kategorien höher wird der Weg zu einer kleinen Prämie schon deutlich anspruchsvoller.
Offensichtlich hat JAZZMAN DEBAILLEUL (7) nach einer dreimonatigen Pause über den letzten Sommer nicht mehr annähernd an seine alte Form anknüpfen können. Bei acht Starts seit September reichte es lediglich für einen vierten Platz. Dazu muss man aber auch erwähnen, dass der erste und die letzten beiden Auftritte dieser acht Versuche, mehr der Vorbereitung dienen sollten. Dennoch machte der Fuchs beim letzten Start im Schlussbogen eine Menge Boden gut, fiel dann aber im Einlauf auseinander. Allein seine Klasse verhinderte die Galoppade, aber für das kleinste Geld war die Gangart nicht annähernd ausreichend. Auch wenn Trainer Erno Szirmay nun sechs Wochen Zeit hatte die Probleme in den Griff zu bekommen, scheint man einen Auftritt in der Königswette nahezu ausschließen zu können.
Die wirklich starken Ergebnisse von J'AIME LE FOOT (8) scheinen sich immer mehr als Eintagsfliegen herauszustellen. Zwei dieser positiven Resultate gab es im letzten Jahr. Der überraschende Monte-Erfolg auf semi-klassischer Ebene und der vierte Rang zum Auftakt der B-Rennen, wobei er an diesem Tag davon profitierte, dass er ungewohnt früh aus allen Anstrengungen herausgehalten wurde. In der Folge gab aus vier Starts drei unplatzierte Vorstellungen und die Disqualifikation im Prix d’Amerique selbst. Das Karriere-Highlight für Pferd, Trainer und Fahrer war nach einem Startfehler sofort beendet. Schon früh hat Antoine Lherete mit einer realistischen Einschätzung den Fokus auf den Prix de Belgique gelegt, aber auch dort reichte es nicht für eine Prämie. Nach einem Zwischensprint übernahm das Gespann dort auf Zielhöhe das Kommando, ging aber schon im letzten Bogen unter. Diese aktuellen Eindrücke lassen auch für heute nicht viel erwarten. Auch wenn es mit ein wenig Restrisiko verbunden ist, kann man sich als Wetter vom 7jährigen trennen.
Das IMMORTAL DOC (9) am Start nicht besonders schnell aus den Bändern kommt, dürfte auf ganzen zwei Runden auf der großen Piste kaum einen Nachteil darstellen. Auch wenn der Hengst bei fünf Starts im Wintermeeting sieglos geblieben ist, hat er überwiegend überzeugen können. Eine der herausragenden Leistungen war der Ehrenplatz im Prix Tenor de Baune. Aus dem Hintergrund führte der Brillantissime-Sohn die dritte Spur auf der Überseite an und verbesserte sich trotzdem an die zweite Position. Ein paar Längen hinter dem späteren Sieger setzte er sich im letzten Bogen von den Verfolgern ab und holte einen sehr sicheren zweiten Rang. Über den dritten Platz im 'Belgique' holte sich der 6jährige sein Ticket für den Amerique, wo es ebenfalls für eine Prämie reichte. Unterwegs hat sich der Wallin-Schützling immer an Frank Gio orientiert, aber in Richtung Einlauf langsam das Pensum gespürt. Dennoch konnte er bis zum Ziel den Abstand auf die vorderen Pferde verkürzen, was für das sechste Geld reichte. Seine Bilanz im heimischen Schweden ist bei fünf Starts über 3.140 Meter mit drei Siegen und zwei Podestplätzen hervorragend. Immortal Doc besitzt das Profil eines Stehers und kann sich in einem der wichtigsten Klassikern Frankreichs unsterblich machen.
Von Anfang Juli bis Anfang November musste IBIKI DE HOUELLE (10) lange aussetzen. In dieser Zeit ist viel passiert. So verstarb sein langjähriger Erfolgsausbilder Franck Leblanc. Auch wenn dies erst seit dem letzten Start offiziell der Fall ist, hat in der Folge Sohn Kevin Leblanc die Trainingsarbeit übernommen. Bei den bisherigen fünf Starts unter neuer Regie konnte sich der Hengst nicht annähernd in Bestform präsentieren, wobei Aufgaben wie das Finale des Grand National du Trot oder der Prix du Cornulier auch zu große Herausforderungen darstellten. Zudem wurde ein Start wie der im 'Cornulier' anscheinend auf "Gut Glück" angegangen, nachdem der 8jährige zuvor ewig keinen Sattel mehr gesehen hatte. "Wir wollen ihn überraschen", hieß es im Vorfeld aus dem Quartier. Die Überraschung glückte aber nicht, weil Ibiki de Houelle deutlich vor dem Ziel geschlagen war und dann noch von der Rennleitung gemaßregelt wurde. Mit diesen Vorzeichen wird es auch für einen ausgewiesenen Steher, wie es der Love You-Sohn ist, schwer in die Wetten zu laufen.
Auch wenn FRANK GIO (11) der jüngste Teilnehmer im Feld ist, ist er sicher nicht der Kandidat mit den geringsten Chancen. Der 5jährige hat schon gezeigt, dass er ein wirklicher Allrounder ist, weshalb man ihm auch den Marathon zutrauen muss. Auf der negativen Seite datiert der letzte Erfolg aus dem Juli. Aber bei all seinen nächsten sieben Starts hat es der Italiener in die Top Fünf geschafft, auch wenn er fast durchweg auf höchstem Niveau antreten musste. Und die letzten drei Ergebnisse darf man durchaus als Glanztaten deklarieren. Am 21. Dezember holte Frank Gio mit einem wirklich beeindruckenden Speed den Ehrenplatz im 'Continental', dem er Mitte Januar, ebenfalls mit viel Endgeschwindigkeit noch den zweiten Rang im 'Belgique' folgen ließ. Das reichte für die Qualifikation für den Amerique. Dort konnte sich der Face Time Bourbon-Sohn aus dem hinteren Teil auf der Überseite im Windschatten von Inmarosa nach vorne arbeiten. Als der geeignete Rücken im letzten Bogen aber aussteigen musste, reagierte Stammfahrer Matthieu Abrivard hervorragend und heftete sich in den Windschatten von Just Love You. Im Einlauf kam Frank Gio spät richtig auf Touren und endete als starker Vierter nur eine Länge hinter dem Sieger. Auch Trainer Guarato räumt seinem Schützling gute Chancen ein: "Er hat Ausdauer, pullt nicht und bleibt im Rennen ruhig." Ein möglicher Sieganwärter ist gefunden.
Für JUST LOVE YOU (12) verlief das Wintermeeting äußerst schwierig, vor allem wnn man bedenkt, dass nach dem Ehrenplatz im Amerique 2025 die Ansprüche hoch waren. Im 'Bretagne' ging die Stute nach langer Führungsarbeit unter und wurde Neunte. Mit ein wenig mehr Deckung reichte es im 'Bourbonnais' zum gleichen Ergebnis, was ein wenig besser anzusehen war. Dennoch konnte der Stall Abrivard über eine unplatzierte Vorstellung im 'Bourgogne' kaum Selbstvertrauen tanken, zumal man mit der Qualifikation abgeschlossen hat und einen möglichen Start im Amerique nur noch über die Gewinnsumme ins Auge fasste. Über diesen Weg reichte es dann auch für den zweiten Amerique-Auftritt, wobei die 7jährige die mit Abstand beste Form seit Monaten zeigte. Stets im ersten Drittel postiert, konnte sich die Love You-Tochter aus dem letzten Bogen mit den führenden Pferden ein wenig freimachen. Den letzten Sprint im Einlauf konnte Just Love You dann nicht mehr mitgehen, trabte aber als Sechste über die Linie. Nach Überprüfung gab es noch das Upgrade auf Rang Fünf. Mit dem Ergebnis im Rücken darf man die Stute auch in der Königswette einplanen, wobei sie nicht zwingend gesetzt werden sollte.
Für HOOKER BERRY (13) ist der "dritte Frühling" mit dem Trainerwechsel zu Antoine Lherete nach drei Starts noch nicht eingetreten. Es ist auch fraglich, ob dieser wohl letzte Versuch die sportliche Karriere anzukurbeln, jemals Früchte trägt. Immerhin gab es im 'Belgique' einen kleinen Ansatz. Unterwegs musste Damien viel Geduld beweisen, weil er sich schon weit im Schlussbogen nicht aus der Deckung befreien konnte. Der defensive Vortrag half dem Booster Winner-Sohn aber in Sachen Moral weiter. Als sich das vordere Quintett bereits gelöst hat, setzte der Fuchs zum kurzen Sprint an, der für Platz Sechs reichte. Über die Gewinnsumme hatte der 9jährige seinen Platz im Amerique ohnehin sicher, den er als Neunter, aber schon weit zurück, abgeschlossen hat. Seine Erfahrung ist über diesen langen Weg natürlich ein dickes Plus. Schließlich war Hooker Berry sowohl in der Ausgabe 2023, als auch 2024 als Dritter auf dem Podium zu finden. Allerdings stellt sich die Frage, ob er noch die Härte für zwei Anstiege besitzt.
Für FRANCESCO ZET (14) könnte der dritte Angriff in den Amerique Final-Races' endlich zur Krönung führen. Im Amerique war der Hengst als Achter deutlich unter Wert geschlagen. Nach der frühen Führung gehörte der Schwede zu den "Opfern" des früh ermüdeten Koctel du Dain. Richtig befreien konnte sich der 8jährige erst kurz vor Einbiegen in den Einlauf, wobei die vorderen Pferde schon längst enteilt waren. Das es überhaupt noch für Rang Acht reichte, war einem starken Endspurt zu verdanken. Auch im 'France' war der Rennverlauf nicht auf der Seite des Sohnes von Father Patrick. Wieder musste es ein später Endspurt richten, der Francesco Zet als starken Dritten auf das Podium brachte. Den Optimismus des Trainers Daniel Reden kann man teilen, wenn man sich die Bilanz seines Schützlings auf den langen Wegen in Schweden ansieht: Bei neun Starts über Distanzen zwischen 2.640 und 3.140 Metern stehen sieben Siege und zwei zweite Plätze zu Buche. Auch im Aby World Grand Prix 2024 (3.140m) war er der Teilnehmer, der dem zu der Zeit nicht antastbaren Horsy Dream am ehesten folgen konnte. Francesco Zet sollte für das Podium gesetzt sein.
Tipp:
IMMORTAL DOC (9)
HARMONY DU RABUTIN (4)
FRANCESCO ZET (14)
FRANK GIO (11)
WORKING CLASS HERO (3)
Für die Kombinationen: KING OPERA (5) - IDYLLE EXPRESS (1)
