Wenn man an die erfolgreichen Ställe des letzten Wintermeetings denkt, muss man auch die Vertreter des Ecurie Louis d’Aur eindeutig dazuzählen: fünf Siege aus dreizehn Starts ergeben eine beeindruckende Siegquote von über 38%.
Das Zucht- und Rennlabel "Forges" wurde vor rund fünfzehn Jahren im Departement Orne von Gonzague Baijot aufgebaut. Nebenbei leitet er ein großes Hufschmiedunternehmen. Sein Konzept in der Zucht basiert auf einer sorgfältigen Auswahl der Mutterstuten, sowie auf der gezielten Nutzung der eigenen Nachzucht. Stets mit dem Anspruch auf bestmöglichen Erfolg.
Bereits Ende nächster Woche wird mit Laluna des Forges eine seiner Vertreterinnen im Prix Henri Levesque (GR II) an den Start gehen.
Diese Reportage von 24h au Trot führt in die Gemeinde Le Menil-Froger, nur wenige Kilometer entfernt vom berühmten Haras du Pin - mitten im Herzen der normannischen Pferdezucht.
Zwei Pferde können bereits ausreichen, um ein erfolgreiches Wintermeeting in Vincennes zu bestreiten. Das würde Gonzague Baijot sofort bestätigen. Sein Winter 2025/26 wurde nämlich maßgeblich von den Leistungen von Laluna des Forges und Mystic des Forges geprägt. Dank dieser beiden Stuten belegt er aktuell Platz 20 unter den Züchtern und Platz 22 in der Rangliste der Besitzer unter dem Namen Ecurie Louis d’Aur, deren Leiter er ist. Insgesamt stehen fünf Siege und über 135.000 Euro an Gewinnsumme zu Buche.
Beide Pferde werden von Paul Ploquin und seinem Vater Patrick trainiert. Laluna des Forges gewann drei ihrer sechs Starts und stand zudem zweimal auf dem Podium. Mystic des Forges wiederum siegte in zwei von sieben Rennen. "Wir hatten ein fantastisches Meeting mit unseren beiden Stuten", freut sich Baijot, der gebürtig aus der Champagne stammt, inzwischen aber in der Normandie heimisch geworden ist. "Was mir besonders gefallen hat: Sie haben ihre Rennen mit einer gewissen Überlegenheit gewonnen und sind in der Lage, solche Leistungen zu wiederholen."
Diese Einschätzung trifft besonders auf Laluna des Forges zu. Nach einem kürzlichen Comeback wird sie Ende kommender Woche erstmals auf Gruppe II-Niveau antreten - im Prix Henri Levesque in Vincennes. Dort trifft sie unter anderem auf die aktuell besten Stuten ihres Jahrgangs: Liberte de Choisel und Liza Josselyn, beide bereits Siegerinnen auf Gruppe I-Niveau.
"Ich gehöre zu den Privilegierten im Rennsport. Das ist mir bewusst, auch wenn es viel Arbeit erfordert", sagt er über seinen Erfolg. Tatsächlich begann das Abenteuer im Rennsport für Gonzague Baijot unter einem glücklichen Stern, obwohl er sich ursprünglich weder als Züchter, noch als Besitzer sah.
Im Jahr 2010 legte Top Ten des Forges den Grundstein für das Familiengestüt 'Aux Forges Micaux' in Le Menil-Froger, nur wenige Kilometer von Le Merlerault entfernt. Dieses Pferd war nicht nur das erste unter diesem Zuchtlabel, sondern zugleich der erste Qualifikant, der erste Starter und der erste Sieger! Als Sohn von Ottawa d’Orgeres, einer Zuchtstute, die von ihrer Züchterin Annie Gauthier-Macaire an Aurelie Baijot übergeben wurde, zeigte er früh den Weg auf.
Seitdem haben die Farben Grau und Rosa, zunächst unter dem Namen von Gonzague Baijot, später unter dem Ecurie Louis d’Aur, rund 150 Sieger hervorgebracht. Darunter auch einen Gruppe II-Erfolg mit Bocage d'Ortige, der aus einem spontanen Kauf entstand und in seinen Anfangsjahren von Sebastien Guarato erfolgreich aufgebaut wurde. Dieser Trainer machte später auch Brune des Forges groß. "Sebastien hat meine Zuchtlinie bekannt gemacht", sagt Baijot anerkennend über die langjährige Zusammenarbeit.
Die Tochter von Rolling d’Heripre ist bis heute das erfolgreichste Pferd der Zucht mit rund 400.000 Euro Gewinnsumme und setzt ihre Linie nun im Gestüt fort. Ihr bislang bestes Produkt ist Kaporal des Forges (v. Face Time Bourbon) mit über 191.000 Euro Gewinn. Erst am vergangenen Sonntag brachte Brune des Forges ihr sechstes Fohlen zur Welt, der laut dem Züchter "ein prächtiger Hengst" von Carat Williams ist.
Hohe Ansprüche an sich selbst und andere
Auch wenn er sich als privilegiert sieht, arbeitet der heute 45jährige Unternehmer konsequent dafür, dass das so bleibt. Arbeit, Investitionen, Disziplin und genaue Kontrolle. All das wendet er auf seinen "Hobbybereich", den er selbst als Leidenschaft bezeichnet, genauso an wie auf seinen Beruf. Denn Gonzague Baijot leitet eines der größten auf Zucht spezialisierten Hufschmiedeunternehmen Frankreichs. Seine Firma betreut rund 4.000 Pferde und arbeitet mit einigen der bedeutendsten Zuchtbetriebe für Vollblüter und Traber zusammen.
Ambitioniert und zukunftsorientiert
Seit dem ersten Sieger 2010 hat Baijot klare Ziele: binnen zehn Jahren ein Gruppe II-Rennen, und innerhalb von zwanzig Jahren ein Gruppe I-Rennen zu gewinnen. Das Gruppe II-Ziel wurde 2015 mit Bocage d’Ortige erreicht. "Wenn wir nie ein Gruppe I gewinnen, ist das kein Weltuntergang, aber ich liebe es, Dinge zu erreichen. Man gewinnt nicht zufällig ein Gruppe I-Rennen. Es ist wichtig, Ziele zu haben, sonst wächst man nicht. Misserfolge gehören dazu und machen einen besser."
Die Schmiede als Herzstück
Baijot ist nicht nur Züchter, sondern auch Schmied. Mit seinen langjährigen Partnern Jerome Pettinato und Thibault Racine betreut er heute rund 4.000 Pferde, davon 70% Vollblüter, 20% Traber und 10% Reitpferde. Orthopädische Spezialanfertigungen entstehen direkt in der Schmiede, die vier Kohle- und fünf Gasstationen besitzt. Baijot selbst hat zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe bestritten.
Grünflächen und Viehhaltung
Neben Pferden hält Baijot auch rund 15 Rinder, was die Nutzung der Weiden optimiert. "Es tut gut, das Grün zu sehen. In Zukunft möchte ich mich mehr um mein Land kümmern."
Partnerschaften und Zusammenarbeit
Viele seiner Pferde werden in Kooperationen gehalten, zum Beispiel mit Eric Aubin oder Jean-Jacques Rahier, wodurch die Rennen auch gesellschaftlich angenehm gestaltet werden. Die Erfolge des Ecurie Louis d’Aur in dieser Wintersaison sind eng mit den Trainern Patrick und Paul Ploquin verbunden. "Paul plant die Programme der Pferde genau. Das gefällt mir. Wir wissen beide, dass schwierigere Winter kommen werden. Man muss aber zusammenhalten."
Gonzague Baijot kombiniert also Leidenschaft, höchste Ansprüche, präzise Beobachtung und strategische Partnerschaften, um sowohl seine Zucht als auch seine Rennställe erfolgreich zu führen.
Schon vor einigen Jahren sagte Aurelie Baijot über ihn: "Gonzague zieht alles, was er beginnt, bis zum Ende durch. Halbherzigkeit interessiert ihn nicht." Dieser Anspruch gilt auch für alle, die mit ihm arbeiten. Etwa die Handwerker, die nach seinen Plänen die Gebäude der 'Forges Micaux' in eine harmonische Anlage umgewandelt haben. Auf etwa 15 Hektar liegen dort Schmiede und "Kinderstube" der Fohlen nebeneinander, während sich das gesamte Areal auf rund 70 Hektar erstreckt. Die Geburten erfolgen im etwa 20 Kilometer entfernten Haras de la Futelaie unter der Leitung von Eugenie Quintin.
"Ich bin in allem, was ich tue, ziemlich perfektionistisch", gibt er mit einem Lächeln zu, wohl wissend, dass dies fast eine Untertreibung ist. "Die Zucht habe ich mir selbst beigebracht, aber ich möchte es auf meine Art machen. Deshalb habe ich auch nur zwei Pferde von externen Besitzern, beides Vollblüter. Ich bin immer offen dazuzulernen, aber das hindert mich nicht daran, meine eigenen Ideen zu haben."
Gonzague Baijot hat sich in den letzten Jahren als Züchter und Besitzer kontinuierlich professionalisiert, und sein Beruf als Schmied hat ihm dabei Türen zu den bedeutendsten Zuchtbetrieben der normannischen Traber- und Vollblutzucht geöffnet. "Es hat mir sehr geholfen, von Gestüt zu Gestüt zu gehen. Ich sehe, was funktioniert. Ich habe nichts erfunden", ergänzt er. Vieles, was er heute in seiner Zucht anwendet, hat er durch Beobachtung und Mitarbeit bei anderen Züchtern gelernt - manches übernommen, anderes nicht. "Fehler habe ich dennoch gemacht", gibt er offen zu.
Seine Vorgehensweise wird von einem starken Beobachtungssinn und der Bereitschaft zu lernen getragen. "Alles interessiert mich. Ursprünglich bin ich kein Züchter. Aber durch meinen Beruf als Hufschmied habe ich gelernt, genau hinzuschauen. Beobachten, analysieren, verstehen - das ist ein großer Teil des Lernprozesses. Man muss sich die Zeit nehmen, ein Fohlen zu beobachten, seinen Gang, den Körper, die Morphologie, die Genetik. Wer genau hinschaut, hat schon die Hälfte der Arbeit gemacht. Bei der Zucht dauert es nur etwas länger, mit all den Freuden und Enttäuschungen."
Selektion und frisches Blut
In den letzten Jahren hat das Gestüt Forges seine Zuchtstuten sorgfältig ausgewählt: Nur Stuten, die in Vincennes gewonnen haben, kommen in die Zucht. "Die Richter sind die Rennen, und noch mehr Vincennes. Man kann so tun, als gäbe es das nicht, aber dann häuft man nur Stuten an", erklärt Baijot seine Philosophie. Eine Ausnahme machte er zuletzt mit Meetic des Forges und Face Time Bourbon.
Die heutige Herde umfasst sieben Traberstuten und zwei Vollblüter, die gemeinsam aufwachsen und nach denselben Grundsätzen gehalten werden. "Sie sind so viel wie möglich draußen", betont er, wobei die Fohlen intensiv betreut werden. Unter anderem von zwei Mitarbeiterinnen, die sich ausschließlich der Zucht widmen. Das Futter ist das ganze Jahr über frei verfügbar, ergänzt durch Luzerne. "Die Pferde sind vor allem Pflanzenfresser. Ich ziehe es vor, eine Stute weniger zu decken, als am Futter zu sparen."
Bereits fünf Fohlen wurden dieses Jahr geboren, darunter Ibaya des Forges (v. Carat Williams), auf die Baijot große Hoffnungen setzt. Der Hengst von Face Time Bourbon, vor rund anderthalb Monaten geboren, wird als "superb, sehr homogen, mit schöner Schulter" beschrieben. Die Zucht setzt stark auf diese Blutlinien und investiert zugleich in neue Linien, um frühreife Pferde zu erhalten, auch wenn die meisten Fohlen erst mit drei Jahren in die Rennen starten. So wurden zuletzt Olbia Speed, Mellow Speed und Nice Speed erworben, um frisches Blut und Qualität in die Zucht zu bringen.
Engagierter Besitzer
Nach einer Saison 2025 mit 13 Siegen aus 86 Starts und über 263.000 Euro Preisgeldern hat der Ecurie Louis d’Aur in dieser Saison bereits 6 Siege aus 15 Starts erzielt, darunter Laluna des Forges und Mystic des Forges. Auch Pferde wie Lasko des Forges und Mercato des Forges haben unter verschiedenen Trainern Erfolge gefeiert. Baijot bleibt als Besitzer eng involviert: "Ich bin sehr präsent bei meinen Trainern, telefoniere jede Woche mit ihnen und stecke mein Herz in meine Pferde. Bis zum Ausbildungsbeginn kann ich alles kontrollieren."
Er gibt zu, manchmal zu direkt zu sein, sieht dies jedoch als positive, unterstützende Einmischung: "Ich fordere viel, aber mit gutem Willen. Vielleicht bin ich zu direkt, aber das ist meine Natur."
Auswahl der Mutterstuten
Brune des Forges - 400.790 Euro - 11 Siege, inkl. Gruppe III-Erfolg. Mutter u.a. von Kaporal des Forges (v. Face Time Bourbon)
Eclipse Lignerie - 75.280 Euro - 5 Siege. Mutter von Laluna des Forges (v. Village Mystic)
Ibaya des Forges - 73.940 Euro - 4 Siege. Mutter von Ottawa des Forges (v. Gotland)
Inamoratta - 11.340 Euro. Mutter von Oze des Forges (v. Face Time Bourbon)
Icine des Forges - 17.610 Euro. Mutter von Oreo des Forges (v. Carat Williams)
Laure des Forges - 30.395 Euro. Mutter von einem Love You-Nachkommen
Meetic des Forges - nur qualifiziert. Mutter einer Horsy Dream-Tochter
