News Frankreich Trab, 26.02.2026
(hen) Als Eigentümer des Ecurie du Vieux Chene ist Frederic Morel (Foto:@scoopdyga) nicht nur als Besitzer besonders aktiv. Er gilt als auch einer der größten Wetter Frankreichs. Über seinen Stall, seine Wetttaktik und sportpolitische Themen hat er sich im ausführlichen Interview mit dem ParisTurf unterhalten.
Paris Turf: "2025 war mit 46 Siegen und 1 Million Euro Gewinnsumme ein gutes Jahr für Ihre Farben. Sie belegten Rang 18 der nationalen Besitzerwertung. Sind Sie zufrieden?"
Frederic Morel: "Es war ein ordentliches Jahr, aber ich hatte mehr Pferde im Training. Es lag im Rahmen meiner Erwartungen und ist seit fünf Jahren relativ konstant gemessen an der Anzahl meiner Pferde."
PT: "Ist Ihr Stall rentabel?"
FM: "Ja, das Problem ist nur, dass ich ständig neue Pferde kaufe (lacht). Um kein Geld zu verlieren, dürfte ich das eigentlich nicht. Aber ich kann nicht anders. Lange Zeit musste ich kein zusätzliches Geld in den Stall stecken, doch seit drei oder vier Jahren schieße ich jedes Jahr wieder etwas zu."
PT: "Der Winter in Cagnes läuft ebenfalls gut mit fünf Siegen und 110.000 Euro Gewinnsumme bei zehn Startern. Ist es Ihnen wichtig, an der Riviera erfolgreich zu sein?"
FM: "Ich mag Cagnes. Ein Sieg dort freut mich genauso wie einer in Vincennes. Paradoxerweise hatte ich diesen Winter weniger Starter als sonst, da Mickael Cormy und Loris Garcia seltener an Meetings teilnehmen. Umso zufriedener bin ich mit den Ergebnissen."
PT: "Welche sind Ihre größten Hoffnungen?"
FM: "Drei Namen fallen mir ein: Noe des Baux, Lever du Joamax und Keen on Me. Bei den älteren Pferden auch Hajime, der im Vorjahr über 120.000 Euro verdient hat."
PT: "Warum verteilen Sie Ihre rund 40 Pferde auf so viele Trainer?"
FM: "Ich wollte nie alles auf eine Karte setzen. Zudem kenne ich viele Trainer persönlich. So kann ich in ganz Südost- und Zentralostfrankreich starten."
PT: "Greifen Sie ins Training ein?"
FM: "Beim Training nicht. Bei den Engagements schon eher. Ich verfolge täglich das Programm meiner Pferde. Wenn ich eine passende Ausschreibung sehe, spreche ich das an."
PT: "Hilft Ihnen Ihre Erfahrung als Großwetter beim Pferdekauf?"
FM: "Ja, man entwickelt ein Auge für Pferde. Ich gehe zwar nicht zu den Qualifikationen, schaue mir aber Videos genau an. Mit dem normannischen Agenten Cedric Focqueur arbeite ich eng zusammen. Mit großem Erfolg."
PT: "Welche Ratschläge geben Sie Wettern?"
FM: "Rennen genau analysieren, Videos studieren und das eigene Auge schulen."
PT: "Warum sind die Umsätze so stark gesunken?"
FM: "Es gibt ein strukturelles Problem: Viele ältere Stammwetter wurden nicht ersetzt. Zudem fehlt die mediale Präsenz. Junge Menschen kennen die Rennen kaum noch oder haben Vorurteile."
PT: "Und die niedrigen Auszahlungen?"
FM: "Die generell sinkenden Quoten entmutigen viele Spieler. Wenn man 1,20 Euro Bonus in der Quinte erhält, fühlt man sich nicht ernst genommen."
PT: "Was erwarten Sie von der neuen PMU-Führung?"
FM: "Sie muss näher an die Kundschaft heranrücken. Es fehlt an Wertschätzung gegenüber den Wettern. Um junge Menschen zu erreichen, muss man in sozialen Netzwerken viel präsenter sein und den Pferdesport besser erklären. Pferdewetten bieten oft attraktivere Quoten als Sportwetten - das wird zu wenig kommuniziert. Die sportliche Dimension muss stärker betont werden. Vor allem bin ich ein Pferdeliebhaber. Es gibt viele schöne Geschichten zu erzählen. Unsere Zukunft hängt davon ab."
Kurzbiografie: Frederic Morel
55 Jahre
Lebt in einer eingetragenen Partnerschaft
Vater einer 14jährigen Tochter
Aus dem Departement Isere, wohnhaft in La Mure
Berufsspieler
Besitzer des Ecurie du Vieux Chene
Zu seinen Startern am Donnerstag in Cagnes: "Hajime startet in der Quinte und kann unter die ersten Vier kommen. Kompany Vincent ist ein harter Gegner. Now And Then hat bisher enttäuscht, könnte sich aber steigern. Leader des Rioults ist gut, doch das große Feld könnte ihm schaden. Keops Tillaye bleibt beschlagen, ist aber in Form. Kaicha ist eine Qualitätsstute, dürfte jedoch von weit hinten kommen müssen, besitzt aber einen starken Endspurt."
ZUM RENNTAG IN CAGNES Beginn: 13.55h
