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Christophe Bridault: "Wir haben eine außergewöhnliche Stute"

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Der Sieg von Nocive du Choquel im Prix Comte Pierre de Montesson - Criterium des Jeunes (GR I) am vergangenen Wochenende ist der Erfolg der Brüder Bridault: Nicolas, dem Trainer, und Christophe, dem Züchter und Besitzer der Stute. Ihr Vater Bruno hat seine Leidenschaft nicht nur an die zwei, sondern auch an ihren dritten Bruder Fabrice weitergegeben. Diese Familie stammt ursprünglich aus dem Norden Frankreichs und lebt inzwischen in der Normandie. Mit diesem ersten Erfolg in einem Gruppe I-Rennen rückt die Familie nun besonders in den Fokus. Der älteste Bruder, Christophe Bridault, der in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Vermittler auf dem Markt geworden ist, stand in '24h au Trot' für ein Interview zur Verfügung.

24h au Trot: "Einige Tage nach dem Sieg von Nocive du Choquel...wie fühlen Sie sich? Ist Ihnen die Bedeutung dieses ersten Gruppe I-Sieges inzwischen noch bewusster geworden?"

Christophe Bridault: "Im ersten Moment fällt es natürlich schwer, das alles zu realisieren. Man weiß, dass man ein großes Rennen gewonnen hat. Ein Criterium ist schließlich kein gewöhnliches Rennen. Und das Criterium des Jeunes ist normalerweise eher das Terrain von Philippe Allaire, Thierry Duvaldestin oder Sebastien Guarato als unseres. Erst durch die unzähligen Glückwünsche merkt man, welche Dimension diese Leistung hat. Abends, wenn man die sozialen Netzwerke öffnet, sieht man nur Fotos von Nicolas und Nocive du Choquel. Da wird einem die außergewöhnliche Tragweite dieses Erfolgs richtig bewusst. Auch wenn man es vorher schon geahnt hat. Schon allein am Start eines Criterium des Jeunes zu stehen, ist außergewöhnlich."

24h: "Wie oft haben Sie sich das Rennen inzwischen noch einmal angesehen?"

CB: "Zehnmal am Tag! Mit ein wenig Abstand wird einem erst richtig klar, dass wir eine außergewöhnliche Stute haben. Gleich zu Beginn ihres 3jährigen-Jahrgangs hat sie bereits ein Gruppe I und zwei Gruppe II-Rennen gewonnen. Ihre Zeit von 13,4 ist die schnellste, die je eine Stute im Criterium gelaufen ist, und insgesamt die zweitbeste Zeit überhaupt. Gleichauf mit In The Money, nur hinter Koctel du Dain (12,9).

Die Leistung war also absolut bemerkenswert, zumal die Bahn an diesem Tag nicht besonders schnell war und die Stute niemandem etwas schuldig blieb. Auch ihre Gewinnsumme nach dem Criterium liegt höher als die von Koctel du Dain zum gleichen Zeitpunkt. In den letzten Jahren hatten nur Just A Gigolo mit 264.750 Euro in neun Rennen und Havana d’Aurcy mit 253.200 Euro in zehn Rennen mehr verdient als Nocive du Choquel mit 252.020 Euro in zehn Starts."

24h: "Wie haben Sie die vergangenen Wochen mit ihren Höhen und Tiefen erlebt?"

CB: "Bei ihrem ersten Start in einem Gruppe II-Rennen (Prix Une de Mai) hofften wir auf einen guten dritten oder vierten Platz - nicht unbedingt auf einen Sieg, wie sie ihn dann tatsächlich errang. Danach bestätigte sie ihre Form mit einem weiteren Erfolg. Zwei Gruppe II-Rennen in Folge zu gewinnen, ist keine Kleinigkeit, zumal sie dabei Normandie Niemen schlug, die Philippe Allaire seit ihrem Debüt hoch einschätzt.

Am Tag nach diesem Rennen wurde die Stute krank. Wie übrigens fast der gesamte Stall von Nicolas. Am Morgen des Rennens in Vincennes wurde bei drei Pferden Fieber gemessen: Sie und Magnum du Choquel hatten keins, ein drittes Pferd schon und wurde daher zurückgezogen. In den Tagen danach wurde auch sie krank. Wir wussten nicht mehr genau, wie es weitergehen sollte, weshalb wir zunächst auf den Prix Roquepine verzichteten. Eine Entscheidung, die wir später revidierten."

24h: "Warum?"

CB: "Weil sie in der Woche vor dem Rennen sehr gut gearbeitet hatte. Zwar hatte sie im Rennen keinen optimalen Verlauf, vor allem aber hatte sie nur zwei Trainingsarbeiten absolviert statt der üblichen sechs oder sieben vor einem solchen Termin. Dennoch zweifelten wir nicht am Criterium. Eine Stute wird ja nicht plötzlich schlecht, nachdem sie zwei Gruppe II-Rennen gewonnen hat. Es gab nachvollziehbare Gründe."

24h: "Hatten Sie dennoch Sorge vor körperlichen oder mentalen Folgen?"

CB: "Ein gewisser Zweifel war da, obwohl wir wissen, wie hart sie ist. Körperlich dürfte sie nicht viel eingebüßt haben, da Francois Lagadeuc früh die Hände stillhielt, als sie geschlagen war. Persönlich fragte ich mich eher, ob sie mental einen Knacks bekommen haben könnte. Doch diese Zweifel verschwanden schnell, weil sie danach wieder hervorragend gearbeitet hat. Nicolas sagte mir in der Woche vor dem Criterium, sie 'fliege' förmlich über die Bahn. Sie war mindestens genauso gut wie vor ihren beiden Gruppe II-Siegen. Ein Platz unter den ersten Drei wäre großartig gewesen, aber auch mit Rang Vier oder Fünf wären wir angesichts der starken Konkurrenz zufrieden gewesen. Zumal in solchen Rennen die Hengste normalerweise überlegen sind. Man durfte sie jedenfalls nicht vorschnell abschreiben."

24h: "Was machte am Tag des Criterium den Unterschied?"

CB: "Sie ist einfach gut! Man kann durchaus sagen, dass die Stuten an diesem Tag besser waren als die Hengste. Marc Sassier meinte nach dem dritten Platz von Nelson Emge ebenfalls, dass die beiden Stuten überlegen waren. Die große Stärke unserer Stute ist ihre Härte. Im Gegensatz zu mir hat Nicolas nie gezweifelt. Er hatte eine Erklärung für ihre schwächere Leistung. Er bedauerte nur, dass wir den Rückzug zurückgenommen hatten. Aber diese Entscheidung trafen wir gemeinsam. Wenn es ein Fehler war, dann ein gemeinsamer."

24h: "Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden Brüdern?"

CB: "Sie läuft äußerst reibungslos. Bei den zwei oder drei Stuten, die wir gemeinsam besitzen, sprechen wir uns bei der Wahl der Deckhengste ab. Ich selbst habe rund fünfzehn Zuchtstuten und entscheide die Kreuzungen eigenständig. Alle Fohlen kommen mit sechs Monaten zu Nicolas - unabhängig von ihrer Abstammung. Ab dann hat er freie Hand. Wir sprechen offen miteinander. Ob es sich um seine oder meine Pferde handelt. Nicolas arbeitet immer mit derselben Sorgfalt."

24h: "Ist es eine Stärke, zu zweit zu sein?"

CB: "Wir sind nicht zu zweit, sondern mindestens zu dritt! Unser Vater ist der Ursprung unserer Geschichte. Fabrice hält sich etwas mehr im Hintergrund, aber auch mit ihm besitzen wir Stuten. Die Familie ist unsere große Stärke. Wir sind sehr eng verbunden und ergänzen uns perfekt. Nicolas wollte immer Trainer werden, ich war schon immer der Kaufmann. Jeder hat seine Rolle. Trainer zu werden, war für mich nie ein Thema."

24h: " Die Familie spielt also eine zentrale Rolle bei den Bridaults?"

CB: "Absolut! Wir brauchen einander. Diese Ergänzung macht unsere Stärke aus. Mein Vater arbeitete im Norden in einer Ziegelfabrik, und die Pferde waren seine Leidenschaft. Nach Feierabend kümmerte er sich täglich um sie. Alles begann mit ihm. Nicolas, Fabrice und ich ritten als Kinder im Springreiten und begleiteten ihn auf die Rennbahnen. Ein Criterium als Familie zu gewinnen, ist daher der heilige Gral.

Nicolas hatte es nicht immer leicht. Aber er ist ein harter Arbeiter, lebt für seine Pferde und verdankt seinen Erfolg seiner Disziplin und seinem Mut. Er ist äußerst gewissenhaft und versucht ständig, die Grenzen zu verschieben, damit seine Pferde in Bestform sind."

24h: "Und Ihr eigener Werdegang?"

CB: "Nach einem kaufmännischen Abitur arbeitete ich fünfzehn Jahre im Einzelhandel. Mit 18 war ich Abteilungsleiter, mit 20 Filialleiter. Danach war ich acht Jahre im Verkauf bei Audi tätig. Parallel besaß ich immer Anteile an Rennpferden. Schließlich wollte ich Beruf und Leidenschaft verbinden. Ich begann, Anteile an Deckhengsten zu kaufen und später auch Deckrechte für Freunde zu vermitteln. Anfangs hörte ich: 'Warum verkauft ein Autoverkäufer plötzlich Deckrechte?' Das war zusätzliche Motivation für mich. Im ersten Jahr verkaufte ich rund vierzig Deckrechte, heute sind es etwa siebenhundert jährlich. Außerdem beteiligen wir uns an Hengst-Syndikaten. In diesem Jahr unter anderem bei Magic Man, Mack de Blary, Magnum du Choquel und L’Ecrin d’Or."

24h: "Welche Ziele hatten Sie zu Beginn?"

CB: "Ich mache Dinge entweder ganz oder gar nicht. Halbherzigkeit liegt mir nicht. So habe ich auch meinen Bestand an Zuchtstuten ausgebaut, um es richtig zu machen. Mein Ziel als Züchter ist es, mich stetig weiterzuentwickeln und mit den besten Hengsten zu arbeiten."

24h: "Ist Nocive du Choquel ein Beispiel dafür?"

CB: " Ich kaufte ihre Mutter Emone Cruz von Christian Bigeon für Jacques Leomy. Sie gewann für uns rund 230.000 Euro, trainiert von Nicolas. Als ihre Rennkarriere endete, wollte Jacques Leomy sie verkaufen. Ich hatte nicht sofort die Mittel, aber er machte mir einen Freundschaftspreis. Deshalb machte ich ihn zum Mitzüchter ihres ersten Fohlens - Nocive. Trotz enger Inzucht auf Love You war sie für mich die ideale Partnerin für Face Time Bourbon, an dem ich Anteile erworben hatte."

24h: "Sind Ihre Tätigkeiten als Züchter und Vermittler voneinander abhängig?"

CB: "Nein. Die Vermittlungsfirma braucht mich nicht als Züchter, und ich brauche sie nicht zwingend als Züchter. Es ist eine Ergänzung, aber beides funktioniert auch getrennt. Natürlich ermöglicht mir der Erfolg im Vermittlungsgeschäft, mehr Stuten zu halten und teurere Deckrechte zu nutzen. Wenn ein Bereich gut läuft, erleichtert das den Fortschritt im anderen. Ein positiver Kreislauf."

24h: "Wie sehen Sie die Zukunft?"

CB: "Indem wir uns weiterentwickeln. In den letzten Jahren hatten wir In Love du Choquel, der nach über 460.000 Euro Gewinnsumme Deckhengst wurde, sowie Magnum du Choquel, der ebenfalls im Criterium des Jeunes lief, später Dritter im Criterium der 3jährigen wurde und nun Deckhengst ist. Nun kommt Nocive hinzu. Das Criterium zu gewinnen, ist ein gewaltiger Meilenstein, den nur wenige Züchter erleben. Man muss diesen Moment genießen. Und morgen weiterarbeiten an dem, was begonnen wurde."

Die Normandie - neue Heimat der Familie

Vor dreizehn Jahren zog Nicolas Bridault in die Normandie, genauer in die Orne, nahe L’Aigle. Er war der Erste, der den Norden verließ. Es war ein Wagnis: Im Norden fand er nicht die Struktur, die er suchte. In der Orne konnte er sich unter anderem eine Trainingsgerade schaffen, die ihm zuvor fehlte. Mit seiner Partnerin Audrey Warot begann er dort praktisch bei null. Anfangs wohnten sie in einer kleinen Wohnung mitten im Stall. Viele hätten diesen Schritt nicht gewagt.

Vor fünf Jahren folgte Christophe und machte die Orne ebenfalls zu seinem Lebensmittelpunkt, als seine Vermittlungstätigkeit wuchs. Auch Fabrice lebt inzwischen in der Normandie, nur wenige Kilometer von L’Aigle entfernt. Christophe stellt seine Zuchtstuten bei Yann Orain (Ecuries Oradel) in Ranes ein. Seit einem Jahr wohnen auch die Eltern Bruno und Evelyne in der Normandie. Nicolas, die Eltern und Christophe leben heute nur rund dreihundert Meter voneinander entfernt - im selben Dorf.


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