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Stuten-Derby: Michael Nimczyk und Ulrich Mommert zum Zweiten

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Nachschau Berlin-Mariendorf, 19.09.2020


(MW).  Der Vorjahrssieg im Stuten-Derby - für das Ehepaar Mommert, Trainer Wolfgang und dessen Sohn Michael Nimczyk jeweils der erste in einem Blauen Band - scheint das Trio auf den Geschmack gebracht zu haben. In der 32. Auflage, die an Kniffligkeiten und Spannung von Anfang bis Ende nichts für schwache Nerven war und in dem Conrad Lugauers Traum vom ersten Sieg in einem deutschen Derby 150 Meter nach dem Start mit Jeopardys Galoppade wie eine Seifenblase platzte, stand es erneut im Winner Circle. Der neunfache Goldhelm schlug im erstmals in Erinnerung an Marion Jauß gelaufenen ehemaligen Arthur-Knauer-Rennen mit einer Lady zu, an die aus verschiedenen Gründen auf dieser Ebene lange nicht zu denken war. „Kyriad Newport tat sich anfangs extrem schwer und hatte ihren eigenen Kopf, was das Training angeht. Doch als sie kapiert hatte, was wir von ihr wollten, ging es rasant voran“, hatte er im Vorfeld berichtet. „Dann kam die Corona-Krise, die uns alle vor neue Herausforderungen gestellt hat. Niemand wusste, wie, wann, wo und ob es überhaupt weitergeht. Das machte die Trainingsplanung und den Formaufbau nicht gerade einfacher. Ich muss mich bei unserem gesamten Team bedanken, das in der schwierigen und für jeden von uns neuen Zeit den Mut nie hat sinken lassen und so toll mitgezogen hat!“


Im Nachhinein mag die Verschiebung des Derby-Meetings um sieben Wochen in den September der Braunen sogar geholfen haben, stieg sie doch erst am 30. Mai in ihre Rennkarriere ein. Da hatten speziell die in Schweden, wo der Trabrennsport kontinuierlich durchgezogen wurde, stationierten Namanga Bo, Raya und Jeopardy längst schon ein paar Rennen intus, aber „Kyriad Newport hat den Nachteil in Windeseile aufgeholt.“ Am 19. Juli überzeugte sie bereits im Rahmen des Adbell-Toddington-Rennens, einen Monat später war sie die glasklare Chefin im Ring des Buddenbrock-Stutenlaufs. Gleiches galt im Derby-Vorlauf. „Da hab ich ihr nur das Nötigste abverlangt, um Kräfte für den Endlauf zu sparen.“ 


Körner sparen hieß auch die Devise, als es eingangs der Tribünengeraden die letzte Option gab, den Platz im Fahrwasser der wie ein Pfeil in Front geflogenen Namanga Bo zu verlassen, doch Nimczyk blieb mit der Zuversicht eines Optimisten innen: „Ich war überzeugt, Pietro Gubellini würde den Platz an der Sonne nie freiwillig räumen. So wäre mir der eine Runde lange Marsch durch die Todesspur geblieben, und der wäre meiner Stute vielleicht zu viel geworden.“ Hoffen und harren hält manche zum Narren, sagt der Volksmund. Nimczyk gehörte nicht dazu. Wie auf dem Reißbrett vorgezeichnet stand im Scheitel der Schlusskurve die Tür offen, als die mittlerweile in der Todeslage gelandete Raya einen Schwächemoment hatte. Es war jedoch noch längst nicht aller Tage Abend. Die müde Namanga Bo driftete beim Ziehen der Ohrenwatte nach außen, die Tür schlug für die Explosive-Matter-Tochter wieder zu, weil in dritter Spur Whoopie Diamant unterwegs war, bzw. ging innen für Olympia Hazelaar auf. Kyriad Newport musste hinter dieser Troika neu ansetzen - es waren nur noch 150 Meter „bis Buffalo“ - und tat dies im Stil einer echten Championesse: Ganz nach außen dirigiert, streckte sie sich, wurde immer kleiner und windschnittiger und riss das verloren scheinende Match noch sicher um eine Länge gegen Whoopie Diamant und Olympia Hazelaar aus dem hoch lodernden Feuer. 


Sechs Starts, fünf Siege, ein zweiter Platz, 54.525 Euro Einkommen - mit ihrer Sicherheit und ihrem explosiven Antritt aus jeder Lage steht sie vor einer rosaroten Zukunft und bekräftigt einmal mehr die Weisheit, der Apfel falle nicht weit vom Stammbaum. Ihre Mutter Elusive Desire wechselte im Oktober 2010 mit 1,27 Millionen Dollar, von denen 150.000 USD für den Ehrenplatz in der Breeder’s Crown 2009 der größte Posten sind, und einem Rekord von 1:09,7 in die Zucht und wurde später vom niederländischen Züchter Peter ter Borgh erworben. Hält sie sich weiterhin „an Mutterns Vorlagen“, stehen den Familien Mommert und Nimczyk noch einige Freudentage ins Haus.


Trostläufe für Donato Princess und Quelle Fleur


Der 1. Trostlauf wurde eine hart erkämpfte Sache für die erst vor kurzem von Roland Hülskath zu Heinz Wewering überstellte Donato Princess, „die mir schon im Vorlauf ausnehmend gut gefallen und das große Finale nur deswegen verpasst hat, weil sie keine freie Fahrt hatte. Genau darum hab ich sie heute für die letzten 800 Meter in die Todeslage beordert, wo sie sich wacker durchgebissen hat“ - unter anderem gegen die in Berlin stationierte Kelcy Beuckenswijk, die sich eine Länge zurück vor Fräulein Trixie den Ehrenplatz schnappte.


In Trostlauf 2 gingen Blumen und Honneurs an Quelle Fleur. 1200 Meter lang ließ sich Jaap van Rijn mit der von Dirk Frahm gezüchteten Abano-As-Tochter den äußeren Weg von Kiwi Fortuna weisen, rauschte dann zügig zur führenden Katalonia vor, erledigte die auf den finalen 150 Metern einbrechende Favoritin im Handstreich und war im Einlauf überlegene Ware. Vom düpierten Rest war We are in the game am besten im Spiel und flog aus dem Hintertreffen vor Honfleur und Shimmy des Bois zum Ehrenplatz, während Katalonia als Sechste sogar aus den Geldrängen purzelte.


Zauni und Ronja Walter schlagen zum Hattrick zu


Zum 100. Geburtstag hatte sich Mariendorf 2013 das Monté-Derby spendiert, das mit einer Dotation von 20.000 Euro nicht nur das wertvollste Trabreiten Deutschlands, sondern fester Bestandteil des Derby-Meetings ist. Nach Siegen 2018 und 2019 wurden Zauni und Ronja Walter diesmal nur als zweite Kraft gesehen, weil Volcan de Bellande dem Spruch der alten Kanonen, die scharf schießen, vor allem in Schweden gerecht geworden ist. Mit einer aktuellen, in Åby erzielten 1:10,5-Bestmarke nahm der elfjährige Franzosen seinen 117. Start äußerst schwungvoll unter die Hufe und griff sich vor den Tribünen den Taktstock. Aufgepasst wie ein Luchs hatte die deutsche Championesse, legte Zauni in den Windschatten des einzig ernstzunehmenden Rivalen und rang den sich heftig wehrenden Fuchswallach mit einer knappen Länge nieder. „Eine echte Chance hatte ich mir ehrlich gesagt nicht ausgerechnet, aber gehofft, dass Zauni sich wie immer auf der Berliner Bahn pudelwohl fühlt und dies vielleicht den Ausschlag gibt - und so war’s dann ja auch!“


Nur etwas mehr als zwölf Stunden Zeit hatten die zwölf besten „Luxus-Handicapper“ nach ihren Vorläufen, neue Kräfte fürs Finale zu sammeln. Nach drei Fehlstarts lagen die Nerven bei einigen Aspiranten blank, so bei Favorit Donna Leone H, der sich gemeinsam mit Brigitte Bardot auf den Sünderturm  verkrümelte und im zweiten Bogen Gesellschaft von Belittlebigjoe bekam. Am besten kam Ijsvink durch das Kuddelmuddel, den Thomas Panschow unterwegs gut versteckt hatte. In einem hin und her wogenden Endkampf zwang er I’ll be there in die Knie, der seinerseits Tempomacher Terpie Burgerheide geknackt hatte.


Sehr viel undramatischer erledigte der knifflige Piemonte mit Lasbeks Gestütstrainer Josef Franzl seine Aufgabe. Aus zweiter Startreihe fand der Trixton-Sohn die richtige Passage, übernahm 1300 Meter vorm Ziel das Zepter von No Nay Never und machte sich eine Runde später kurz und trocken zum zweiten Karrieresieg aus dem Staub.

Richtig Spaß an der frischen Luft offenbarte im Pokal der Flieger Fitforfun, die über die gesamten 1609 Meter die Garde der zweiten Reihe anführte. Kornelius Kluth ließ sich weder von Freedom Fighter noch Otero ablösen, hielt beide im Gegenteil in der dritten Spur. Seine Stute nahm ihm das nicht krumm, legte sich im Gegenteil prächtig ins Zeug und den permanent führenden Favoriten Zofran de Gleris in grandiosen 1:12,7 zu den Akten.


Nicht zu viel versprochen hatte Michael Nimczyk vor dem Pokal der Publikumslieblinge sich und den Zuschauern von Emilion. Nach betulichem Start Vorletzter, schickte er den von Jean-Pierre Dubois gezüchteten Wallach nach 500 Metern auf die Reise, machte im Nu Boden gut, übernahm 1.000 Meter vorm Ziel die Spitze und stiefelte in begeisterndem Stil nach Hause. Vom Rest schälte sich überraschend Napster als Zweitbester heraus und ließ Siegertypen wie Pompano Julian und Exclusive Fire sicher hinter sich.


Neben den Amateuren, bei denen in ihrem 6. Wertungslauf Andre Pögel mit Nu-Pagadi-Neffe Nada más auf die harte Tour außen herum Gabalier überlegen abfertigte, hatte auch der Fahrernachwuchs seinen Laufsteg. „In der Ruhe liegt die Kraft“, lautete die gar nicht so verkehrte Devise, denn während sich Gri Happy Girl, Nordic Jaycee und Favorit Black Star 400 Meter lang um die Führung bekriegten, die Gri Happy Girl eisern festhielt und erst im Scheitel des Schlussbogens den dort neuerlich attackierenden Black Star mit Mariendorf-Aficionado Marciano Hauber ziehen lassen musste, waren I can steel und Longhire bis dahin so gut wie unsichtbar. Das sollte sich in einem furiosen Finale nachhaltig ändern, bei dem sich Thomas Bos‘ Fuchs als Stärkster entpuppte und auch Longhire und Monclier Bo den ob des Gewaltakts müde gewordenen Black Star rechts liegen ließen.


Im 20.000 Euro wertvollen Finale der Newcomer-Serie bestätigte Jilt Flevo seinen Erfolg vor zwei Wochen im Halbfinale, der ihm durch Velten von Pollys und Ol Dono Lengais Galoppaden erleichtert worden war. Dass sie es besser können, bewiesen sie diesmal: Velten von Polly holte sich eingangs der ersten Kurve das Kommando gegen flat rate hall und wehrte den ersten Übernahmeversuch Jilt Flevos schnöde ab, der sich daraufhin neben ihn legte und Ol Dono Lengai Windschatten spendierte. Der zweite Angriff saß dann knallhart: Der einstige Lehrlings-Europameister Danny Brouwer brauchte sich kaum zu rühren, um Velten von Polly in die Schranken zu weisen, an dem sich auch Ol Dono Lengai knapp vorbeiraufte. 


Das Gottlieb-Jauß-Memorial, mit dem Mariendorf seines am 12. Juli 1999 tödlich verunglückten 16fachen Fahrerchampions gedenkt, war Sache Michael Nimczyks, für den das gesamte Meeting eine Erfolgsgeschichte ist. Der kampfstarken Arendelle, die am Start aus dem Tritt zu geraten drohte, verpasste er in zweiter Spur ein Traumrennen hinter Rainbow Diamant, dem, nachdem Titelverteidiger Massai sich eine Runde vorm Ziel die Führung gekrallt hatte, der äußere Fahrtwind eiskalt ins Gesicht blies. Das war dem eisenharten Kämpen bei hohem Tempo im Schlussbogen dann doch zu viel. Umso besser nutzte Nimczyk die Vorlage und machte für Natorp Bo die Bude zu, der sich als Dreijähriger gegen die Älteren bestens verkaufte und Massai für den Ehrenplatz abfing. Mit der Tagesbestzeit von 1:12,4 stellte die kaum einen Ausfall kennende „kleine Meerjungfrau“ des bayerischen Stalles Germania ihren persönlichen Rekord ein.


„Never change a winning tactic“ - weil’s so gut geklappt hatte, wusch der Goldhelm mit identischer Taktik sofort nach. Mit dem beim Auftritt zuvor durch einen völlig platten Reifen gehandicapten JFK konnte er sich außen bis zu Beginn der Zielgeraden an Golden Evasion ansaugen. Herausgehen und an dem sofort ins Kommando gestürmten Itseblitz vorbeibrausen war eine Kleinigkeit für den Winzling mit dem enormen Rennkopf.


Bevor es zur Jährlingsauktion ging, zog Österreichs Champion Gerhard Mayr, an dem das Meeting bis dato ziemlich vorbeigelaufen war, endlich ein Ass aus dem Ärmel. Der aus der Deckung in dritter Schlussbogenspur aufziehende Good Fellow war als „guter Junge“ Mitte des Einlaufs bereits vorbei, als Taktgeber Eye Catcher C Rang zwei im Galopp wegwarf. Bei 393:10 platzten die letzten Träume der V7+-Wetter; einige bekamen für sechs Richtige die Quote von 18.184:10, knapp 19.000 Euro wanderten in einen Jackpot.


Deutlich unterschritten wurde das vorjährige Umsatzergebnis. Bei wie 2019 14 Prüfungen flossen trotz erstklassigen Rennbahnwetters 100.000 Euro weniger durch die Kassen.


Umsatz bei 14 Rennen: 406.592,25 Euro (incl. 233.523,65 Euro Außenumsatz)


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