Weil die Rennbahn von Vincennes in diesm Winter wegen der Bahnverhältnisse teilweise stark in der Kritik stand, soll die Piste in naher Zukunft einer umfassenden Prüfung unterzogen werden. Erläuterungen dazu gibt es vom technischen Direktor der SETF, Guillaume Maupas, im Interview mit dem ParisTurf.
ParisTurf: "Die Rennbahn von Vincennes, auf der die Veranstaltung am 09. Januar abgebrochen werden musste, steht derzeit stark in der Kritik vieler Profis. Bitte erläutern Sie diese Kritik."
Guillaume Maupas: "Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs (Sonntagmittag, 11. Januar) befinden wir uns weiterhin in einer komplizierten Wetterphase. Die Rennbahn war mit Frost konfrontiert, anschließend mit Tauwetter, Niederschlägen und Schnee, bei plötzlich stark ansteigenden Temperaturen. Die Bahn verträgt das Tauwetter aus verschiedenen Gründen sehr schlecht. Es ist das Zusammenspiel all dieser Faktoren, das dazu führt, dass wir immer wieder mit solchen Problemen zu kämpfen haben. Aufgrund der Reaktionen einiger Profis in den letzten drei bis vier Wochen werden wir daraus Konsequenzen ziehen müssen. Es wird notwendig sein, eine echte Expertise der Bahn durchzuführen, denn sie ist in die Jahre gekommen und wurde seit Längerem keinen größeren Arbeiten mehr unterzogen.
Die technischen Teams sind selbstverständlich im Einsatz, um diese Wetterphasen bestmöglich zu bewältigen, doch die Eigenschaften der Bahn sind bekannt. Es handelt sich um eine sehr große Bahn mit baulichen Gegebenheiten, die eine gleichmäßige Reaktion der Oberfläche erschweren. Die Tribüne wirft in Frostperioden dauerhaft Schatten, hinzu kommen die Übergänge, sowie der Ausgang des letzten Bogens, die stets problematische Zonen darstellen."
PT: "Würden Sie sagen, dass die Bahn unter Sparmaßnahmen leidet? Wird sie weniger intensiv bearbeitet als früher, insbesondere nachts?"
GM: "Nein, die Teams bearbeiten die Bahn so, wie sie es immer getan haben. Aktuell haben wir allerdings nicht die Möglichkeit, von unseren Mitarbeitern einen Drei-Schicht-Betrieb zu verlangen - das ist ganz klar. Diese Frage wird man mit Blick auf den Winter dennoch stellen müssen. Die angekündigten Einsparungen sind jedenfalls nicht die Ursache für die aktuellen Probleme der Bahn. Die Teams wurden bereits vor einiger Zeit angepasst."
PT: "Wurde die Bahn im Hinblick auf das Wintermeeting ausreichend mit Machefer (spez. Schotter) aufgeschüttet, im Vergleich zu den Vorjahren?"
GM: "Ja, sie wurde auf die gleiche Weise vorbereitet, daran gibt es nichts auszusetzen. Allerdings hören wir von einigen Profis, dass die Bahn vor allem in der Zielgeraden hart sei und dass der Untergrund nicht ausreichend bearbeitet werde. Genau das ist es, was wir nun genauer untersuchen müssen."
PT: "Früher standen Bahninspektoren wie Fabrice Douville oder auch Julius Le Tutour in engem Austausch mit der Presse. Wer ist heute für den Betrieb der Rennbahn zuständig?"
GM: "Die Arbeitsweise der technischen Teams in Vincennes wurde neu organisiert, rund um Gregoire Lefebvre, der als Leiter der Anlage fungiert, und Lucie Henry, die für den Rennbereich verantwortlich ist. Dieses Duo arbeitet seit dem Herbst gemeinsam."
PT: "In den Ställen fragen sich einige der Aktiven, ob der Prozess der Boxendesinfektion noch derselbe ist wie in den Vorjahren."
GM: "Wir haben an der Pflege und Reinigung der Boxen absolut nichts geändert. Im Gegenteil, diese Maßnahmen wurden zu Beginn des Wintermeetings sogar verstärkt."
