News Frankreich Trab, 10.01.2026
(hen) Im Vorjahr landete das Haras du Vivier nach Siegen bei den Züchtern im Ranking auf Platz Zwei. Das Traditions-Gestüt gehört mit 61 Jahren zu den ältesten noch aktiven Trabergestüten in Frankreich und wird auch in der laufenden Saison von sich reden machen. Für den ParisTurf eine gute Gelegenheit hinter die Kulissen zu blicken und dem Geheimnis der außergewöhnlichen Beständigkeit auf den Grund zu gehen. (Foto:NE)
Seit nunmehr 61 Jahren züchtet das Haras du Vivier Traber und bleibt dabei konkurrenzfähig. Gegründet wurde der Betrieb vom Normannen Jean-Yves Lecuyer. Das Anwesen umfasst 420 Hektar und ist auf zwei Standorte verteilt: das Trainingszentrum in Houesville (Gemeinde Carentan-les-Marais), sowie der Zuchtanlage in Beuzeville-au-Plain, die beide im selben Departement (Manche) liegen.
Nach dem Tod des Gründers am 16. September 2024 ging die Leitung des Gestüts an seinen Sohn Etienne Roue-Lecuyer über. Dieser arbeitet heute gemeinsam mit seinen Söhnen Thomas und Thibault und hatte bereits seit rund 13 Jahren schrittweise die Verantwortung übernommen. Die Staffelübergabe erwies sich als voller Erfolg: Mit 102 Siegen im Jahr 2025 verzeichnete "Vivier" die zweiterfolgreichste Saison seiner Geschichte - nur zwei Siege weniger als im Rekordjahr 2019. Zudem belegte das Gestüt Rang Zwei unter allen französischen Züchtern nach Siegen.
Etienne Roue-Lecuyer zeigte sich zufrieden und ehrgeizig: "Ich hätte nicht mit so einem Jahr gerechnet. Wir hatten einen sehr starken Frühling, dann passierte drei Monate lang nicht viel, was mit den Problemen von Marius Coignard zusammenfiel, dem Trainer vieler Vivier-Pferde. Die letzten Monate liefen dann aber sehr gut. Wir haben eine starke M- und N-Generation, und ich denke, wir können dieses Jahr unseren Rekord brechen. Das ist jedenfalls das Ziel."
Der Start ins neue Jahr ist bereits gelungen: Meteore du Vivier und Moon du Vivier sorgten am vergangenen Montag in Cagnes-sur-Mer für zwei weitere Siege. Und vielleicht folgt schon bald ein besonders prestigeträchtiger Erfolg in einem Gruppe III-Rennen. Hubble du Vivier startet am Samstag mit Chancen im Prix du Forez.
Der 9jährige Wallach hatte schon als Fohlen Eindruck hinterlassen: "Er ist das einzige Pferd aus unserem H-Jahrgang, dass 3jährig kein Rennen gewonnen hat. Dass er einmal über 538.000 Euro verdienen würde, hätte ich nicht gedacht, aber ich wusste, dass er ein gutes Pferd ist."
Heute ist Hubble du Vivier eine Ausnahme im Bestand, denn nur wenige Vivier-Pferde treten regelmäßig in hochklassigen Rennen in Paris an. Von den 102 Siegen im vergangenen Jahr wurden lediglich sechs in Vincennes errungen. Eine Situation, die die Familie Lecuyer ändern möchte: "Unser Ziel ist es, wieder Gruppe-Pferde zu haben. Früher hatten wir immer welche. Letztlich will jeder Züchter nach oben - qualitativ wie sportlich."
Immer konkurrenzfähig
Für Etienne Roue-Lecuyer liegt der Schlüssel zur langfristigen Leistungsfähigkeit im ständigen Investieren: "Man muss immer ein gutes genetisches Niveau halten. Selbst in Jahren mit weniger Budget muss man zu den guten Hengsten gehen. Sonst schleppt man das jahrelang mit sich herum. Viele große Gestüte lassen irgendwann nach, und das spürt man in den folgenden Generationen. Das Wichtigste ist, keine Lücken bei den Abstammungen zu haben."
Diese Philosophie führte auch zu einer Selektion im Stutenbestand. Ziel waren ursprünglich maximal 30 Zuchtstuten. Ein Ziel, dass fast erreicht war, inzwischen aber wieder nach oben korrigiert wurde. Für 2026 sind rund 40 Zuchtstuten eingeplant.
Der Wunsch, am Puls der Zeit zu bleiben, zeigt sich auch in der am meisten erwarteten Geburt des Jahres: "Natürlich das Fohlen von Tactical Landing. Das wird definitiv Geld wert sein. Es ist eine Wette. Ich habe ihm Electra du Vivier zugeführt. In ihrem Stammbaum fehlen Ready Cash und Coktail Jet. Wenn es ein Hengst wird und gut ist, wird er in ganz Frankreich gefragt sein. Wenn man nicht träumt, braucht man gar nicht zu züchten."
Die Geburt wird im Mai erwartet. Ob das vierte Produkt der Tochter von Password verkauft wird, ist noch offen. Grundsätzlich verkauft das Haras du Vivier fast alle Pferde - mit Ausnahme gut gezogener Stuten.
Die Bedeutung der Mutter
Gute Pferde zu züchten ist keine einfache Wissenschaft. Selbst jahrelange Erfahrung garantiert keinen Erfolg, denn die Genetik spielt nicht immer mit. Für den Gestütsleiter ist jedoch eines entscheidend: die Rolle der Mutter, insbesondere für Entwicklung und Charakter des Fohlens. "Wenn das Fohlen von Geburt an sieht, wie seine Mutter sich bewegt und läuft, folgt es ihr und entwickelt automatisch körperliche Fähigkeiten. Ich hatte einmal große Ponys gekauft, nachdem einige Stuten nach dem Abfohlen eingegangen waren. Das Ergebnis: Keines dieser Fohlen hat je eine Rennbahn gesehen. Die Ponys bewegten sich tagsüber kaum. Und ihre Fohlen ebenso wenig."
