News Frankreich Trab, 17.01.2026
(hen) Mit acht Siegen im Prix de Cornulier ist Joel Hallais (Foto:scoopdyga) eine feste Größe im Trabreiten. Jahr für Jahr gehört er zu den Stammgästen im bedeutendsten französischen Monte-Rennen. An diesem Sonntag schickt er seine beiden Spitzenstuten Hirondelle du Rib und Ina du Rib an den Start. Für den ParisTurf Anlass genug für ein ausführliches Gespräch zu führen, in der auch die Übergangsphase zur Sprache kommt, die sich für seinen Stall abzeichnet.
ParisTurf: "Wie haben Sie die letzten Rennen von Ina du Rib und Hirondelle du Rib beurteilt?"
Joel Hallais: "Ich muss zugeben, dass ich vom Auftritt meiner beiden Stuten im Prix du Calvados enttäuscht war. Hirondelle du Rib ist gut gestartet, hat sich dann aber in der Senke festgesetzt, als sie hinter einem anderen Pferd lag. An der 500 Meter-Marke hatte sie genug. Ina du Rub hat mir schlicht bestätigt, dass ihr noch Arbeit fehlt. Nach dem, was ich im Training gesehen hatte, dachte ich, sie würden deutlich besser laufen. Mit den Jahren habe ich festgestellt, dass ein Pferd, welches zu Beginn des Winters nicht richtig in Form ist, während des Meetings nur schwer noch in Schwung kommt. Die winterlichen Bedingungen sind nicht ideal, um einen Rhythmus aufzubauen. Ina du Rib hatte im Sommer eine Sehnenverletzung und ist daher mit Trainingsrückstand ins Meeting gestartet."
PT: "Was ist seit diesem Rennen passiert?"
JH: "Beide Stuten haben danach ganz normal gearbeitet. Letzten Freitag, dann am Montag und Donnerstag dieser Woche. Ich hatte keinen Grund, an der Vorbereitung etwas zu ändern. Es gibt einen klaren Plan, und den wollte ich nicht über den Haufen werfen – auch wenn Ina nur schlechte Fünfte und Hirondelle schlechte Siebte war. Das Barfußlaufen wird helfen, aber es wird sie auch nicht verwandeln. Selbst wenn sie vor ihren besten Leistungen nicht immer geglänzt hatten, gehen wir nach dem Prix du Calvados nicht mit großem Selbstvertrauen in diesen Prix de Cornulier. Das muss man ehrlich sagen."
PT: "Wie sehen Sie den Prix de Cornulier 2026?"
JH: "Vorab habe ich den Eindruck, dass Jeroboam d’Erable derzeit die Disziplin dominiert. Wenn man seine Rennen anschaut, merkt man, dass ihm kaum jemand folgen kann, wenn er bei 700 Metern anzieht. Man erinnere sich an seinen Sieg im Prix de Normandie 2024. Da war er wirklich sehr stark. Er ist der logische Favorit, aber dahinter ist das Rennen offen, mit Pferden wie Islamorada, It’s a Dollarmaker, Je M’Envole oder Iguski Sautonne."
PT: "Mit 78 Jahren...Spüren Sie vor dem Prix de Cornulier immer noch dieselbe Aufregung, obwohl Sie Rekordsieger sind?"
JH: "Rekordsieger, aber auch Rekordhalter bei den Platzierungen. Davon haben wir in diesem Rennen viele gesammelt (lacht). Ja, die Aufregung und die Freude sind immer noch da. Es ist ein großes Glück, regelmäßig Starter in diesem Rennen zu haben. Neben der Vorfreude gibt es aber auch die Sorge, nicht alles richtig gemacht zu haben. Trotz meiner Erfahrung geht es mir wie allen anderen: Ich habe immer Sorge, zu viel oder zu wenig gearbeitet zu haben. Nur bei One du Rib und Kaiser Trot hatte ich diese Angst nicht. Je mehr sie arbeiteten, desto besser wurden sie."
PT: "Sind Sie eher nostalgisch, was frühere Zeiten angeht, oder freuen Sie sich über die heutigen Ausgaben des Prix de Cornulier?"
JH: "Ich bin vor allem nostalgisch, was die Zeit betrifft, als diese großen Rennen vor voll besetzten Tribünen und einem begeisterten Publikum stattfanden. Meine Generation hatte das Glück, eine sehr schöne Epoche zu erleben. Wir kamen in einer Phase, in der sich der Trabrennsport dem Galoppsport annäherte und die Dotationen stark stiegen. Heute hingegen befinden wir uns im absoluten Niedergang. Das macht mich traurig, vor allem für die jungen Leute, die mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, die wir nicht kannten. Die heutigen Animationen, um Publikum auf die Rennbahnen zu locken, sind sinnvoll, aber früher war die Kultur des Rennpferdes fest in den Köpfen verankert."
PT: "Nach dem Sieg mit Lilou d’Atout erklärten Ihre Enkelin Clara und deren Lebensgefährte Noe Perron, dass sie nun mit Ihnen arbeiten und zunehmend Verantwortung übernehmen. Denken Sie bereits daran, als Trainer kürzerzutreten?"
JH: "Das Alter ist da, und ich brauche einfach junge Menschen um mich herum. Wenn sie es möchten, ist es durchaus möglich, dass ich ihnen meinen Stall übergebe, wenn der Moment gekommen ist. Clara und Noe arbeiten seit mehreren Monaten in meinem Betrieb und übernehmen alle täglichen Aufgaben eines Rennstalls. Ich bilde die Jungen weiter aus, wie ich es immer getan habe (lacht). Zumindest versuche ich es."
PT: "Könnte demnächst deren Name, anstelle Ihres Namens in der Trainer-Spalte stehen?"
JH: "Darüber ist noch nichts entschieden. Wir werden sehen, wie sie sich im Stall entwickeln und wie es mir gesundheitlich geht. Denn, wie gesagt, das Alter ist da. Natürlich erfüllt es mich mit großer Freude, meine Enkelin und ihren Partner so motiviert zu sehen. Aber vorerst müssen sie lernen, wie ein Stall wie meiner funktioniert, und sich vollständig ins Team integrieren. Ich baue mir im Moment keine Luftschlösser."
PT: "Wird es für die beidräen nicht ein gewisser Druck sein, die Nachfolge eines Trainers mit Ihren großen Erfolgen anzutreten?"
JH: "Sie dürfen sich nicht einreden, dass sie 'nach mir' kommen. Sie müssen einfach einen Stall gut führen und sich nicht sagen, dass sie es genauso gut machen müssen wie der Alte (lacht). Ich hatte zudem das Glück, die guten Zeiten meines Berufs zu erleben. Die großen Ställe gab es schon damals, aber kleinere Strukturen hatten es leichter als heute, auch wenn sich kleine und mittlere Ställe meiner Meinung nach noch immer ganz gut behaupten."
PT: "Haben Sie persönliche Ziele, bevor Sie den Staffelstab weitergeben? Vielleicht ein bestimmtes Rennen, das Sie noch gewinnen möchten?"
JH: "Am wichtigsten ist mir ein fließender Übergang und dass am Ende alles gut funktioniert. Ich habe meinen Bestand in den letzten Jahren reduziert, weil ich allein war. Seit Clara und Noe mir aber erklärt haben, dass sie meinen Bestand übernehmen möchten, habe ich aufgehört, Pferde zu verkaufen. Ich war auf etwa fünfzehn junge Pferde pro Jahr heruntergegangen. Diese Zahl werde ich nun wieder etwas erhöhen. Dann werden sie entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollen, je nach Zukunftsplan, den sie sich selbst setzen."
