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Das große Interview mit Florent Gautreau: "Ich bezeichne mich gern als Turf-Fan"

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News Frankreich Trab, 27.01.2026

 

(hen) Florent Gautreau ist als ehemaliger Chefredakteur von Equidia schon vor einigen Jahren zu RMC (französischer Sportsender) zurückgekehrt, um dort über Fußball zu sprechen. Jedoch hat er seine Leidenschaft für den Pferderennsport nie verloren. Eine Liebe, die ihn nicht daran hindert, den Rennsport und sein Umfeld kritisch zu betrachten. Im Gespräch mit dem ParisTurf, geht er auf viele Themen rund um den Sport und dessen Zukunft ein.

PT: "Florent, Sie sind zurück bei RMC, aber seit Ihrem Weggang von Equidia im Jahr 2019 haben Sie den Kontakt zum Rennsport nie abgebrochen."

FG: "Ich wollte immer diese Doppelkompetenz behalten - Fußball und Pferderennen. Und heute bin ich Botschafter des Wettanbieters Genybet, der zur gleichen Gruppe wie der ParisTurf gehört. Meine Rolle geht sogar noch weiter, da ich auch als Prognostiker tätig bin. Das ist alles ziemlich zeitintensiv, aber ich liebe diesen 'Seriencharakter', den es sowohl im Fußball, als auch im Rennsport gibt. Nicht alles ist immer spannend, man kann ein paar 'Folgen' verpassen, aber man kehrt gern zurück und freut sich, die Protagonisten wiederzusehen."

PT: "Rennen finden alle 15 Minuten statt. Ist es für einen Sender wie Equidia überhaupt noch möglich, jedes einzelne Rennen dramaturgisch in Szene zu setzen?"

FG: "Das ist eine der Schwierigkeiten, aber ich finde, dass man auf dem Renn-Kanal versucht, ein Ereignis über einen längeren Zeitraum erlebbar zu machen und komplett in die Geschichte einzutauchen. Man ist oft hart mit Equidia, aber ich erinnere mich an eine Zeit (vor 1996), in der man die Rennen gar nicht sehen konnte. Man musste auf Radio-Nachrichten oder die Zeitung am nächsten Tag warten, um die Ergebnisse zu erfahren. Man sollte sich bewusst machen, wie weit wir gekommen sind."

PT: "Auf dem Renn-Kanal von Equidia ist die Meinungsfreiheit größer."

FG: "Ja, und das ist gut so. Als ich Chefredakteur war, habe ich die Journalisten ermutigt, auch kritische Themen anzusprechen. Die Institutionen haben manchmal Angst vor einem freien Ton. Zu sagen, dass der Zustand der Bahn schlecht ist oder Fehlstarts schlecht gehandhabt werden, schreckt die Turfisten nicht ab. Im Gegenteil - sie sind dankbar für ehrliche Worte. Ich habe immer mit dem Anspruch auf Unabhängigkeit, Meinungsfreiheit und Transparenz gearbeitet."

PT: "Ist Transparenz das beste Mittel gegen 'Verschwörungstheorien'?"

FG: "Ein bisschen wie im Fußball neigen auch Turfisten dazu, bei unerwünschten Ergebnissen zu glauben, 'dass etwas arrangiert wurde'. Man muss diese Mythen entkräften, indem man solche Themen offen anspricht und Debatten startet."

"Geldstrafen wie in der NBA"

PT: "Die junge Generation von Trainern ist in sozialen Netzwerken sehr aktiv. Das ist einerseits ein Zeichen von Transparenz, andererseits eine Möglichkeit, die eigene Kommunikation zu steuern."

FG: "Ich finde es sehr sympathisch, wie diese jungen Profis ihre Kommunikation selbst in die Hand nehmen. Natürlich sprechen sie über Themen, die sie auswählen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sie die traditionellen Medien umgehen wollen - dort treten sie weiterhin auf. Was ich allerdings nicht verstehe, sind Trainer, die sich Gesprächen mit Journalisten verweigern. In der NBA oder der Formel 1 müssen Akteure vor und nach ihrem Auftritt vor die Mikrofone treten, sonst drohen Geldstrafen. Das ist effektiv - und der Rennsport könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Verantwortlichen den Mut dazu haben."

PT: "Sie bewegen sich in zwei Welten - Fußball und Rennsport. Können Sie erklären, warum der eine Sport so erfolgreich ist und der andere weniger Beachtung findet?"

FG: "Beim Rennsport gibt es ein kulturelles Problem. Fußballleidenschaft beschränkt sich nicht auf drei Spiele pro Woche. Es ist eine menschliche Geschichte, getragen von Fans, die tief mit ihrem Verein verbunden sind, leiden, aber sich nicht von einem einzigen Ergebnis beeinflussen lassen.

Die Bekanntheit des Rennsports beruht vor allem auf dem Erfolg des Totalisator-Wettsystems. Das hat sehr gut funktioniert und viele Generationen ans Wetten herangeführt. Vielleicht haben wir damals die Chance verpasst, das Publikum auch für andere Aspekte zu begeistern. Mich selbst eingeschlossen, als ich bei Equidia tätig war. Unsere Priorität, wie bei anderen Rennsportmedien, lag auf dem Spiel, auf den Wetten. Wir wollten den Spielern möglichst viele Informationen liefern, damit sie 'besser wetten'. Ich bin nicht naiv, ich verstehe die wirtschaftlichen Zwänge. Der Rennsport ist ein Geschäft, dass eine ganze Branche ernährt und dem Staat Geld einbringt. Aber haben wir nicht den kulturellen Aspekt vernachlässigt? Haben wir es versäumt, wirklich zu erklären, was Pferderennen sind?"

PT: "Was meinen Sie damit?"

FG: "Heute sagt man: 'Pferderennen ist ein Sport wie jeder andere.' Ich glaube, das stimmt nur teilweise. Und es reicht nicht, es einfach zu behaupten. Hätte man all die Jahre daran gearbeitet, diesen Anspruch mit Leben zu füllen, stünden wir heute vielleicht anders da. Die Realität ist: Es gibt kaum Rennsportkultur, keinen gewachsenen Nährboden. Solange der Rennsport vor allem mit Wetten verbunden ist, kann er kaum 'ein Sport wie jeder andere' sein. Und Wetten bedeuten Geld - ein Thema, das in Frankreich, anders als in angelsächsischen Ländern, eher mit Zurückhaltung betrachtet wird."

"Ich mag Pferderennen - na und?"

PT: "Sie haben sich immer offen als Turf-Fan bezeichnet, was Ihnen nicht immer Vorteile gebracht haben dürfte."

FG: "Ich liebe es, mich als Turf-Fan zu bezeichnen. Ich weiß, für manche ist das altmodisch, und einige reagieren skeptisch, wenn ich es sage. Aber mich amüsiert das. Vor 1998 war es ähnlich mit Fußball. Als ich in Bordeaux studierte und die französische Nationalmannschaft erwähnte, wunderten sich meine Kommilitonen: 'Du magst Fußball? Seltsam!' Heute spüre ich eine ähnlich geringe Wertschätzung gegenüber Pferderennen. Mir egal - ich stehe zu dieser Leidenschaft. Vor ein paar Jahren träumte ich von einer Kampagne, in der Prominente öffentlich sagen: 'Ich mag Pferderennen - na und?' Das könnte das Image des Rennsports verbessern, wenn bekannte Persönlichkeiten offen dazu stehen würden."

PT: "Zumal der Rennsport viele Stärken hat."

FG: "Natürlich. Neben dem 'Seriencharakter', kann man die Entwicklung eines Pferdes über eine ganze Saison verfolgen. Es ist auch ein Denkspiel. Man erstellt seine Prognosen anhand von Daten, früheren Leistungen, Videos... Und nicht zuletzt: Für eine junge Generation, die schnelle Ergebnisse mag, muss man keine 90 Minuten warten, um zu wissen, ob man gewonnen hat. Man setzt um 14:48h und kennt um 14:52h das Ergebnis."

PT: "Allerdings schreckt das Totalisator-System viele junge Leute ab, weil sie ihre möglichen Gewinne nicht im Voraus kennen."

FG: "Die 'gute Nachricht' ist, dass diese Generation sehr versiert im Umgang mit digitalen Tools und Smartphones ist. Sie kennen Wett-Apps, sind aber vor allem an feste Quoten gewöhnt. Das ist nicht der Hauptgrund für ihr geringes Interesse am Rennsport. Das Umfeld ist ihnen schlicht fremd, aber das darf kein Hindernis sein."

Die Eroberung der jungen Generation

PT: "Welche Wege sehen Sie, um junge Menschen für den Rennsport zu gewinnen?"

FG: "Ich glaube nicht, dass Fernsehen und eine klassische Sendung der richtige Weg sind. Wenn man das Durchschnittsalter der TV-Zuschauer sieht, versteht man, warum junge Menschen sich davon abwenden. Meiner Meinung nach sollte man sie über soziale Netzwerke und Influencer erreichen. Wenn einige der größten Influencer Wettbewerbe oder Aktionen rund um Pferderennen starten würden, hätte das eine enorme Wirkung."

PT: "Neue Spieler zu gewinnen ist dringend nötig, da die Wettkundschaft altert."

FG: "Wenn ich mir die Turfisten um mich herum anschaue, frage ich mich: Wer wird spielen, wenn diese Generation nicht mehr da ist? Ich sehe kaum junge Leute, und das beunruhigt mich. Wenn ich dann Verantwortliche höre, die von einer Free-TV-Sendung sprechen, habe ich das Gefühl, dass man bereits hinterherhinkt. Die FDJ (Wettanbieter) hat mit Soso Maness, einem Fußballfan und Rapper aus Marseille, einen anderen Weg gewählt. Allerdings auf einem viel fruchtbareren Boden als der Rennsport."

PT: "Gibt es persönlich Dinge, die Sie sich für die Zukunft wünschen?"

FG: "Ich würde mir wünschen, dass die Renntage reduziert werden. Es gibt zu viele Rennen. So wie es im Fußball zu viele Wettbewerbe und Spiele gibt. Die Gründe sind dieselben: Man will möglichst viel Geld einnehmen. Vielleicht irre ich mich, aber für mich ist das langfristig schädlich. Es ist einfach zu viel für die begrenzte Aufmerksamkeit der Menschen. Mit ein oder zwei renntfreien Tagen pro Woche könnte ich mehr Zeit investieren, um Rennen zu analysieren und Prognosen zu erstellen. Und ich glaube nicht, dass ich deshalb weniger wetten würde."

PT: "Dann bleibt Ihnen mehr Zeit für andere Interessen.."

FG: "In dieser Hinsicht finde ich trotzdem noch Zeit für meine anderen Leidenschaften: Lesen, ich mag Geschichte sehr, und Golf, dass ich kürzlich für mich entdeckt habe und wo man, entgegen vieler Vorurteile, sehr unterschiedliche Menschen trifft. Letztlich glaube ich, dass ich einfach zeitintensive Hobbys liebe (lacht)."

 

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