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Das große Interview mit Camille Levesque: "Der Sieg im Cornulier wäre die Vollendung meiner Karriere"

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Im vergangenen Frühjahr brachte Camille Levesque ihr zweites Kind zur Welt. Neun Monate später steht Camille Levesque am Start der 'Weltmeisterschaft der Trabreiter', eines Gruppe I-Rennens, von dem sie träumt, es eines Tages zu gewinnen. Mehrere Podestplätze hat sie bereits gesammelt, doch der Triumph ist ihr noch nicht gelungen. Anders als bei ihren früheren Versuchen, macht sich die Tochter von Pierre Levesque, die mit Islamorada antritt, diesmal keinen Druck.


Foto: Bruno Vandvelde

 

ParisTurf: "Camille, was bedeutet es für Sie, zum zehnten Mal am Prix de Cornulier teilzunehmen?"

Camille Levesque: "Es ist ein echtes Vergnügen, in der größten Prüfung der Welt in dieser Disziplin zu reiten. Ich habe das Glück, dabei zu sein, und das genieße ich sehr."


PT" Ist es ein großer Traum, dieses Rennen zu gewinnen?"

CL: "Ja, ich träume seit Jahren davon, dieses Rennen zu gewinnen - ganz klar."


PT: "Es war keineswegs sicher, dass Sie bei dieser Ausgabe am Start stehen würden, da Ihr zweites Kind Jules am 22. April geboren wurde. Wie lange hat es gedauert, bis Sie wieder in den Sattel gestiegen sind?"

CL: "Drei Wochen nach der Entbindung bin ich das erste Mal wieder geritten - mit langen Steigbügeln und nur im Schritt. Danach habe ich etwa 15 Tage lang, mit immer kürzer eingestellten Steigbügeln, leicht getrabt, so wie im klassischen Reitsport, mit Dexter Fromentro. Es hat mir große Freude gemacht, mit ihm wieder anzufangen. Ganz behutsam, zumal ich ihn seit dem Ende seiner Karriere nicht mehr geritten habe. Er war großartig, ein echtes Goldstück. Auch wenn alles gut verlaufen ist, habe ich mir, wie ich schon einmal erklärt habe, bewusst die Mittel gegeben, schnell zurückzukommen. Auch wenn man mit einem wenige Wochen alten Baby nicht unbedingt die Lust hat, sich zusätzlich durch Sport noch mehr zu verausgaben."


PT: "Haben Sie neben Ihrer mentalen Stärke eine spezielle körperliche Vorbereitung absolviert?"

CL: "Im Vergleich zu meiner ersten Schwangerschaft bin ich nach der Geburt von Jules noch schneller wieder eingestiegen, weil ich bereits die notwendige Grundmuskulatur in den Beinen hatte. Ich habe täglich 20 bis 30 Minuten Pilates und Yoga für Schwangere gemacht und das mit etwa 20 Minuten Heimtrainer oder Crosstrainer ergänzt. Dieses Programm, sehr gut für Muskelaufbau und Herz-Kreislauf-System, habe ich fast täglich durchgezogen. Am Tag vor der Geburt habe ich sogar noch Kniebeugen gemacht, während ich das bei meinem ersten Kind Margot deutlich früher eingestellt hatte. Mit der Zeit habe ich mich sehr für Gesundheit, Wohlbefinden und Ernährung interessiert und achte auf eine ausgewogene Ernährung. Außerdem fahre ich inzwischen seltener zum Training in den Stall meines Vaters in Beuzeville-la-Bastille, da ich etwa 1 Stunde 15 Minuten entfernt in der Nähe des Gestüts Beuvron-en-Auge wohne. Mit zwei Kindern kann ich nicht mehr so oft hinfahren wie früher. Deshalb reite ich weniger und habe mit gezieltem Muskeltraining eine Alternative gefunden."


PT: "Was ist Ihr Reitgewicht?"

CL: "Zwischen 50 und 51 Kilo, ohne bewusst darauf hinzuarbeiten. Wenn ich in meinem normalen Rhythmus bin, halte ich dieses Gewicht ganz automatisch. Drei Kilo mehr wären für den Rennsport sogar ein Vorteil, weil ich dann weniger Zusatzgewicht tragen müsste, aber das schaffe ich einfach nicht."


PT: "Kommen wir zu Islamorada. Hat es Sie überrascht, dass sie im Prix de Cornulier startet?"

CL: "Ich denke seit einem Jahr mit ihr an den Cornulier. Sie hatte noch keine 200.000 Euro Gewinnsumme, als ich zu meinem Vater sagte: 'Das ist meine nächste Cornulier-Stute.' Das klang damals vielleicht optimistisch, aber sie hat Besonderes gezeigt und ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Sie erinnert mich an Quarry Bay. Das ich so schnell wieder geritten bin, lag an ihr. Und auch an Karma, der am selben Wochenende im Prix de Normandie lief. Das war mein Antrieb."


PT: "Sie sprechen Quarry Bay an. Sie haben im Cornulier bereits vier Podestplätze erreicht. Gibt es rückblickend etwas zu bedauern?"

CL: "Wenn man geschlagen wird, fragt man immer nach dem 'Warum'. Mit Quarry Bay 2013 war es zunächst fantastisch. Ich war Lehrling, hatte gerade den Prix Yvonnick Bodin gewonnen, stand bei 49 Siegen und ritt meinen ersten Cornulier. Der zweite Platz war überraschend. Zudem täuschte die Kameraperspektive, sodass viele dachten, ich hätte gewonnen. Doch der Beste hatte gesiegt: Singalo hatte einen schwierigeren Rennverlauf als wir. Im Nachhinein denkt man natürlich, wie außergewöhnlich es gewesen wäre, meinen 50. Sieg ausgerechnet an diesem Tag zu feiern - als Lehrling im Cornulier. Aber die Geschichte war auch so wunderschön, ohne Reue.


2019 mit Dexter Fromentro waren wir Teil der wohl besten Cornulier-Ausgabe der letzten zehn Jahre, mit dem unglaublichen Duell zwischen Bilibili und Traders und einem neuen Rekord. Wir wurden Dritte hinter zwei Ausnahmechampions. Mit Granvillaise Bleue habe ich dagegen mehr Bedauern. 2022 hatte sie am Vortag einen kleinen Infekt. Das war extrem frustrierend, denn sie lief ein großartiges Rennen. Die Entscheidung fiel in winzigen Details. Mein Vater sagt, sie hätte einen Cornulier gewinnen können - ganz sicher."


PT: "Haben Sie sich damit abgefunden?"

CL: "Nein. Es gibt keine Vorbestimmung. Selbst wenn ich den Cornulier nie gewinne, ist das kein Drama. Ich habe vier Gruppe I-Rennen gewonnen. Das ist bereits außergewöhnlich. Früher war der Cornulier das große Ziel meiner Karriere. Heute bin ich am Ende meiner Laufbahn und sehe, was ich erreicht habe. Und ich will ihn nicht gewinnen, weil mein Urgroßvater oder mein Vater ihn gewonnen haben, sondern für mich selbst. Es wäre die Vollendung meiner Karriere. Und das schönste aller Rennen, dass ich bestreiten kann."


PT: "Islamorada gilt als Außenseiterin. Reiten Sie ohne Druck?"

CL: "Ja, völlig ohne Druck. Wir wollten eigentlich gar nicht im Prix du Calvados starten, aber da die Besten fehlten, haben wir es versucht. Und ihr Sieg hat uns nicht überrascht. Dennoch: Sie läuft im Abstand von nur 14 Tagen, und es ist nicht sicher, dass sie am großen Tag genauso gut ist wie im Training. Sie ist erst acht Jahre alt und kann es später erneut versuchen.


Sie ist zunehmend sicher, auch wenn sie keinen explosiven Start hat. Mit 1,70m ist sie keine Sprinterin. Ihre große Stärke ist, vorne Druck zu machen, auch wenn sie im Feld noch nicht ganz einfach zu handhaben ist. Es ist nicht das Rennen ihres Lebens. Wir starten auch, weil sie qualifiziert ist. Falls es nicht gut läuft, bekommt sie in einem Monat ein ruhigeres Rennen."


PT: "Wer ist für Sie der Favorit im Prix de Cornulier 2026?"

CL: "Jeroboam d’Erable hat mich diesen Winter am meisten beeindruckt. Er hat Impala de Val geschlagen, ist hart im Nehmen und deutlich wendiger geworden. Damien Bonne bringt ihn perfekt ins Rennen. Ein echtes Kämpferpferd!"


PT: "Sie nähern sich dem Rekord von Nathalie Henry bei den Gruppe-Siegen. Ist das ein Ziel?"

CL: "Erst durch den Artikel habe ich gemerkt, wie nah ich dran bin (lacht). Aber ich reite deutlich weniger als früher, daher wird es schwierig. Es ist kein Ziel, aber eine schöne Herausforderung."


PT: "Neben Ihrer Karriere als Reiterin sind Sie auch Züchterin, Besitzerin und waren Trainerin. Vorbereitung auf die Zeit danach oder Leidenschaft?"

CL: "Beides. Ich liebe die Zucht und halte Anteile an mehreren Stuten. Besitzerin zu sein ist ein ganz anderes Gefühl. Wenn man sein eigenes Pferd von der Tribüne aus gewinnen sieht, ist das unbeschreiblich. Die Pferde sind mein ganzes Leben. Nur im Sport erlebt man solche Emotionen."

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