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GOT: Traberzucht und Trabrennsport unter wachsendem wirtschaftlichen Druck
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Freitag 17 April 17:18 Uhr
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Andreas Gruber

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Beiträge: 3620

News Trab, 17.04.2026

 

(hvt-press) Die wirtschaftliche Lage im deutschen Trabrennsport und in der Traberzucht hat sich in den vergangenen Jahren deutlich angespannt. Hierzu haben auch die Kostensteigerungen infolge der Novelle  der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im Jahr 2022 beigetragen und stellen viele Betriebe vor erhebliche Herausforderungen. Gemeinsam mit Pferdesport Deutschland und Deutscher Galopp hat der Hauptverband für Traberzucht (HVT) daher Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer angeschrieben und wirbt für zeitnahe politische Anpassungen sowie eine Überprüfung der aktuellen Gebührenstruktur.

 

„Wir stehen klar zu einer fairen und angemessenen Vergütung für hochwertige und unverzichtbare tierärztliche Leistungen“, betonen die Verbände. „Doch die Preisgestaltung muss wieder verhandelbar sein, um den unterschiedlichen wirtschaftlichen Realitäten gerecht zu werden.“ Ein flexibler Rahmen – vergleichbar mit Regelungen in anderen europäischen Ländern – könnte sowohl Tierärzten als auch Pferdehaltern Planungssicherheit geben und gleichzeitig die wirtschaftliche Zukunft des Trabrennsports sichern.

 

Aktuell gehen die Auswirkungen der GOT-Novelle zum Teil weit über steigende Tierarztkosten hinaus. Auch im Trabrennsport geraten viele Betriebe und Zuchtstätten unter enormen Druck. Die Gefahr ist groß, dass sich nicht nur kleinere und mittlere Züchter zunehmend aus der Zucht zurückziehen. Auch größere Zuchtstätten und Rennställe reduzieren ihre Bestände. Es muss unbedingt vermieden werden, dass notwendige tierärztliche Behandlungen aus Kostengründen verschoben oder unterlassen werden. 

 

Deshalb drängt der HVT gemeinsam mit den anderen Dachverbänden, in die aktuelle Evaluierung der GOT eingebunden zu werden, damit die spezifischen Strukturen des Trabrennsports und die wirtschaftlichen Realitäten der Züchter und Besitzer berücksichtigt werden. Ein Gruppeninterview im Rahmen der Evaluierung habe deutlich gemacht, dass das Ausmaß der Belastung bislang unterschätzt wird und deshalb der Evaluationsauftrag dringend erweitert werden muss.

 

Der HVT spricht sich gemeinsam mit den Partnerverbänden für eine Reform der Gebührenordnung aus.  „Der Trabrennsport ist ein bedeutender Bestandteil der deutschen Pferdewirtschaft und des ländlichen Raums. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verlieren wir unwiederbringlich Strukturen, Know-how und Zukunftsperspektiven“, heißt es abschließend. Die Vertreter der Verbände bitten den Bundeslandwirtschaftsminister um ein persönliches Gespräch, um konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten und die Probleme aus erster Hand zu schildern.

Samstag 18 April 12:26 Uhr
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Markus H

Themen: 14
Beiträge: 1195

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verlieren wir unwiederbringlich Strukturen, Know-how und Zukunftsperspektiven“, heißt es abschließend. 

Für mich der "Beste"Satz. Das lieber HVT habt ihr schon alleine geschafft. Ihr handelt seit Ewigkeiten nicht, die Strukturen legt ihr nach eurem Gusto aus und sind mehr als veraltet und im dt. Trabrennsport von Zukunftsperspektiven zu schreiben ist ein blanker Hohn. Es wird ja alles gemacht, dass dieser Sport keine Zukunft hat.

Als Beispiel die Erhöhung der Gebühren, diese bösartig hohen Strafen wenn man nicht am Wagen klebt usw. Würde erst einmal vor der eigenen Türe kehren !!!

Sonntag 19 April 00:06 Uhr
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Yankee Butcher

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Beiträge: 165

Frau Hempel,

mit allem Respekt, das sehe ich völlig anders.

Wir haben in Deutschland ein grundsätzliches Problem mit Überregulierung - nicht nur im Trabrennsport, sondern in vielen Bereichen. Das kostet Wettbewerbsfähigkeit.

Bei den Tierarztkosten sieht man das gut: In den Niederlanden oder Italien liegen die Preise deutlich niedriger (ca. 50 %), und trotzdem arbeiten die Praxen dort wirtschaftlich - ganz ohne GOT.

Wir leben in einer Marktwirtschaft. Wettbewerb ist nichts Schlechtes, sondern sorgt für marktfähige Preise. Wenn wir uns dem entziehen, verlieren wir an Konkurrenzfähigkeit.

Darum sollte man die aktuelle Gebührenordnung sachlich hinterfragen dürfen, ohne das gleich als Angriff auf den Berufsstand zu sehen.

Sonntag 19 April 20:54 Uhr
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Yankee Butcher

Themen: 4
Beiträge: 165

Frau Hempel,

Preise entstehen in einer Marktwirtschaft idealerweise durch Angebot und Nachfrage - nicht durch staatlich festgelegte Gebührenrahmen.

Die Behauptung, ohne GOT würden die Preise automatisch steigen, ist schlicht falsch. Ein Blick in Länder wie die Niederlande zeigt das Gegenteil: funktionierender Wettbewerb sorgt dort für differenzierte und oft niedrigere Preise - bei gleichzeitig wirtschaftlich arbeitenden Praxen.

Eine starre Gebührenordnung verhindert den Wettbewerb. Sie schützt nicht den Markt, sondern nur die Lobbyisten.

Montag 27 April 22:27 Uhr
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Anja Sokollis

Themen: 0
Beiträge: 16

Sehr geehrte Frau Hempel,

 

 

 

ich beziehe mich hier mal auf Ihre vorausgegangenen Beiträge, auch wenn diese wohl inzwischen gelöscht worden sind, denn das Thema ist wichtig.

 

 

Sie sind Tierärztin. Viele Tierärzte erbringen in ihrer täglichen Arbeit eine große Leistung, die sowohl physisch als auch psychisch sehr anstrengend ist. Nicht umsonst gehört diese Berufsgruppe zu einer mit der höchsten suizidalen Rate. Dass Tierärzte gerade auch deswegen sowohl zeitlich durch geregelte Arbeitszeiten entlastet als auch durch eine entsprechende Bezahlung entlohnt werden sollen, kann ich voll unterschreiben.

 

 

 

Nicht Ihrer Meinung bin ich allerdings, dass die Neuregelung der GOT durch eine unabhängige Kommission stattgefunden hat. Sie erfolgte aus wirtschaftlichen Interessen, überwiegend vertreten durch Konzerne, Inhaber von großen Tierkliniken oder deren Lobbyisten, die dort agiert haben. In den letzten Jahren passiert in Deutschland das, was schon in England vor rund 25 Jahren begann. Der Ausverkauf der kleinen Tierarztpraxen. Was im Kleintierbereich AniCura (Mars), IVC Evidensia (Nestlé), Tierarzt Plus u.a. sind, hinter denen Großkonzerne wie Mars und Nestlé stehen, setzen im Großtierbereich Investoren wie z.B. Altano Group um. Diese nutzen gerne nach erfolgtem Aufkauf durch Nachfolgermangel, eine Optimierung im Einkauf, der Verwaltung und der Nutzung von teuren Geräten. Häufig ist dies für den Kunden nicht ersichtlich, da viele Praxen weiterhin unter dem Namen des alten Inhabers weitergeführt werden.

 

 

Da ich selbst auch im Gesundheitssektor Pferd unterwegs bin, häufig auch in Belgien, den Niederlanden und anderen Ländern, kann ich Ihnen sagen, dass es dort keineswegs teurer für den Tierhalter ist. Teilweise ist es eher preiswerter, bei häufig sogar modernerer Klinikausstattung. Dort gibt es auch Klinikgruppen, aber es setzt sich dort eher derjenige durch, der spezialisiert und gut vernetzt ist.

 

Das Problem in Deutschland ist nicht, dass generell Tierärzte vorher zu wenig verdient haben, sondern angestellte Tierärzte, genau wie in der Humanmedizin auch, dem Gutwillen ihrer Arbeitgeber ausgesetzt sind.

 

 

Gerne wird von Tierärzten angeführt, dass die letzte größere Preiserhöhung aus dem Jahr 1999 stammt. Vergessen wird dabei aber, dass es schon immer die Möglichkeit gegeben hat, einen vielfachen Satz zu berechnen. Inzwischen ist die GOT aber in Zusammenarbeit mit Versicherungsagenturen, die OP- und Tierkrankenversicherungen anbieten, zu einem einander befruchtenden Geschäftsmodell geworden.

 

 

Lobbyismus ist nicht per se etwas Schlechtes. Dumm nur, wenn man selbst keine Lobby hat. Der Trabrennsport, genauer gesagt der HVT zum damaligen Zeitpunkt, Geschäftsführer Heinz Tell nebst Zuchtleiterin, haben schlicht versäumt, die Verbindung zur Politik und zur Landwirtschaft zu suchen und einen Schulterschluss mit der FN und Deutsch Galopp zu erreichen.

 

Hätte man damals auf die Bedeutung des Trabers als Zuchtpferd hingewiesen, dann wäre zumindest eine Sonderregelung für die Hausbesuchsgebühr (laut GOT §10) in Höhe von 34,50 € netto, das Mindestwegegeld oder den Doppelkilometer für 3,50 € eine Sonderregelung verhandelbar gewesen.

 

 

 

 

Als ich im Januar mit am HVT-Messe-Stand auf der Grünen Woche war, hat sich Dr. Völl die Hacken abgelaufen, um dort etliche Minister und andere Politiker mit Bedeutung für die Landwirtschaft und ähnliche Ressorts am Stand mit dem Trabrennsport in Verbindung zu bringen. Es ging erst einmal

darum, den Sport wieder in den Blickwinkel der Politik zu rücken. Denn das, was hier unter den Wettenden immer als Trabrennen und Sport bezeichnet wird, sind im rechtlichen Sinne Leistungsprüfungen, die dem Tierzuchtgesetz unterstehen und zur Landwirtschaft gehören. Mit dieser Sichtweise würde man dann nämlich von einem Bild, dass der Trabrennsport ja ein Sport der Reichen sei, die ja genügend Geld hätten, mal wegkommen, vielleicht zu einer Sichtweise, dass Traber eine zu erhaltende Zuchtpopulation sind. 

 

Wenn man diese Schiene jetzt mal stärken würde, statt Fragen zu stellen wie z. B., ob es Sinn ergeben würde, auf der Grünen Woche vertreten zu sein, oder ob es nach einem Messeauftritt messbare Erfolge gäbe, ginge zumindest da etwas in die richtige Richtung. 

 

 

Montag 27 April 23:12 Uhr
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Christina Hempel

Themen: 2
Beiträge: 127

Sehr geehrte Frau Sokollis, 

danke für ihren sachlichen Beitrag. Selbtsverständlich gibt es auch in der jetzigen GOT die Möglichkeit für  landwirtschaftliche Betriebe, Behandlungsverträge abzuschließen. Ich habe drei Behandlungsverträge für landwirtschaftliche Pferdehaltungen. Ist für beide Seiten vorteilhaft. Gerade die bäuerliche Pferdehaltung kann darauf zurück greifen, dort können Pauschalpreise dann festgelegt werden., die Hausgebühr entfallen etc. Man muss nur miteinander reden.

Die Pferdehaltung in Deutschland ist überwiegend eine Hobbypferdehaltung , ohne jegliche Gewinnerzielungsabsicht bzw zur Ernährung der Bevölkerung dient, noch dem Gemeinwohl dient. Allenfalls handelt es sich um ein Kulturgut.

Von mir aus, kann die GOT auch abgeschafft werden. Günstiger wirds deswegen nicht. Auch nicht bei meinen Studienkollegen in ihren Praxen. Warum sollte ich einen geringeren Stundensatz nehmen, als ein Osteotherapeut, Schmied etc. Reich wird man damit eh nicht, wer als Tierarzt Geld hat, hatte vorher auch schon Geld bzw die Familie. 

Um es mit den Worten meiner Freundin zu sagen: Ich mache jetzt seit 27 Jahren Praxis und nie ist auf dem Konto Guthaben.

Ich bin mir sicher, ihr Geschäft ist profitabler als der Betrieb einer Praxis. Sage ich jetzt neidfrei. Es gibt nichts schöneres, als Pferdepraxis fahren, die Pferde und Besitzer zu betreuen, auch wenn es abends dann ein ein 15 Stunden Tag wird im Kolikfall. 

Montag 27 April 23:41 Uhr
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Anja Sokollis

Themen: 0
Beiträge: 16

Guten Abend Frau Hempel,

es ist wichtig, dass es noch kleine Praxen mit selbstständigen Tierärzten gibt, die auch am Wochenende arbeiten. Ich finde es toll, wenn jemand seinen Beruf liebt.

Und natürlich soll ein Tierarzt einen ordentlichen Lohn bekommen.

Ich selbst lege im Jahr mit meinem Auto ca. 40.000–45.000 km zu meinen Kunden zurück. Ich glaube nicht, dass die akzeptieren würden, dass ich 3,50 € für den gefahrenen Doppelkilometer berechnen, oder plötzlich Freitagnachmittag oder am Wochenende den doppelten oder dreifachen Satz berechnen würde. Meiner Meinung nach sollte es da Ermessensspielräume geben.

 

Die von Ihnen richtigerweise angesprochenen Behandlungsverträge sind leider nicht für jeden machbar. Es wäre heute für die normalen Besitzer, die keine Landwirte sind, einfacher, wenn damals schon die Weichen richtig gestellt worden wären.

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