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GOT: Traberzucht und Trabrennsport unter wachsendem wirtschaftlichen Druck
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Freitag 17 April 17:18 Uhr
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Andreas Gruber

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News Trab, 17.04.2026

 

(hvt-press) Die wirtschaftliche Lage im deutschen Trabrennsport und in der Traberzucht hat sich in den vergangenen Jahren deutlich angespannt. Hierzu haben auch die Kostensteigerungen infolge der Novelle  der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im Jahr 2022 beigetragen und stellen viele Betriebe vor erhebliche Herausforderungen. Gemeinsam mit Pferdesport Deutschland und Deutscher Galopp hat der Hauptverband für Traberzucht (HVT) daher Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer angeschrieben und wirbt für zeitnahe politische Anpassungen sowie eine Überprüfung der aktuellen Gebührenstruktur.

 

„Wir stehen klar zu einer fairen und angemessenen Vergütung für hochwertige und unverzichtbare tierärztliche Leistungen“, betonen die Verbände. „Doch die Preisgestaltung muss wieder verhandelbar sein, um den unterschiedlichen wirtschaftlichen Realitäten gerecht zu werden.“ Ein flexibler Rahmen – vergleichbar mit Regelungen in anderen europäischen Ländern – könnte sowohl Tierärzten als auch Pferdehaltern Planungssicherheit geben und gleichzeitig die wirtschaftliche Zukunft des Trabrennsports sichern.

 

Aktuell gehen die Auswirkungen der GOT-Novelle zum Teil weit über steigende Tierarztkosten hinaus. Auch im Trabrennsport geraten viele Betriebe und Zuchtstätten unter enormen Druck. Die Gefahr ist groß, dass sich nicht nur kleinere und mittlere Züchter zunehmend aus der Zucht zurückziehen. Auch größere Zuchtstätten und Rennställe reduzieren ihre Bestände. Es muss unbedingt vermieden werden, dass notwendige tierärztliche Behandlungen aus Kostengründen verschoben oder unterlassen werden. 

 

Deshalb drängt der HVT gemeinsam mit den anderen Dachverbänden, in die aktuelle Evaluierung der GOT eingebunden zu werden, damit die spezifischen Strukturen des Trabrennsports und die wirtschaftlichen Realitäten der Züchter und Besitzer berücksichtigt werden. Ein Gruppeninterview im Rahmen der Evaluierung habe deutlich gemacht, dass das Ausmaß der Belastung bislang unterschätzt wird und deshalb der Evaluationsauftrag dringend erweitert werden muss.

 

Der HVT spricht sich gemeinsam mit den Partnerverbänden für eine Reform der Gebührenordnung aus.  „Der Trabrennsport ist ein bedeutender Bestandteil der deutschen Pferdewirtschaft und des ländlichen Raums. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verlieren wir unwiederbringlich Strukturen, Know-how und Zukunftsperspektiven“, heißt es abschließend. Die Vertreter der Verbände bitten den Bundeslandwirtschaftsminister um ein persönliches Gespräch, um konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten und die Probleme aus erster Hand zu schildern.

Samstag 18 April 12:26 Uhr
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Markus H

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Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verlieren wir unwiederbringlich Strukturen, Know-how und Zukunftsperspektiven“, heißt es abschließend. 

Für mich der "Beste"Satz. Das lieber HVT habt ihr schon alleine geschafft. Ihr handelt seit Ewigkeiten nicht, die Strukturen legt ihr nach eurem Gusto aus und sind mehr als veraltet und im dt. Trabrennsport von Zukunftsperspektiven zu schreiben ist ein blanker Hohn. Es wird ja alles gemacht, dass dieser Sport keine Zukunft hat.

Als Beispiel die Erhöhung der Gebühren, diese bösartig hohen Strafen wenn man nicht am Wagen klebt usw. Würde erst einmal vor der eigenen Türe kehren !!!

Sonntag 19 April 00:06 Uhr
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Yankee Butcher

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Frau Hempel,

mit allem Respekt, das sehe ich völlig anders.

Wir haben in Deutschland ein grundsätzliches Problem mit Überregulierung - nicht nur im Trabrennsport, sondern in vielen Bereichen. Das kostet Wettbewerbsfähigkeit.

Bei den Tierarztkosten sieht man das gut: In den Niederlanden oder Italien liegen die Preise deutlich niedriger (ca. 50 %), und trotzdem arbeiten die Praxen dort wirtschaftlich - ganz ohne GOT.

Wir leben in einer Marktwirtschaft. Wettbewerb ist nichts Schlechtes, sondern sorgt für marktfähige Preise. Wenn wir uns dem entziehen, verlieren wir an Konkurrenzfähigkeit.

Darum sollte man die aktuelle Gebührenordnung sachlich hinterfragen dürfen, ohne das gleich als Angriff auf den Berufsstand zu sehen.

Sonntag 19 April 20:54 Uhr
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Yankee Butcher

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Frau Hempel,

Preise entstehen in einer Marktwirtschaft idealerweise durch Angebot und Nachfrage - nicht durch staatlich festgelegte Gebührenrahmen.

Die Behauptung, ohne GOT würden die Preise automatisch steigen, ist schlicht falsch. Ein Blick in Länder wie die Niederlande zeigt das Gegenteil: funktionierender Wettbewerb sorgt dort für differenzierte und oft niedrigere Preise - bei gleichzeitig wirtschaftlich arbeitenden Praxen.

Eine starre Gebührenordnung verhindert den Wettbewerb. Sie schützt nicht den Markt, sondern nur die Lobbyisten.

Montag 27 April 22:27 Uhr
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Anja Sokollis

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Sehr geehrte Frau Hempel,

 

 

 

ich beziehe mich hier mal auf Ihre vorausgegangenen Beiträge, auch wenn diese wohl inzwischen gelöscht worden sind, denn das Thema ist wichtig.

 

 

Sie sind Tierärztin. Viele Tierärzte erbringen in ihrer täglichen Arbeit eine große Leistung, die sowohl physisch als auch psychisch sehr anstrengend ist. Nicht umsonst gehört diese Berufsgruppe zu einer mit der höchsten suizidalen Rate. Dass Tierärzte gerade auch deswegen sowohl zeitlich durch geregelte Arbeitszeiten entlastet als auch durch eine entsprechende Bezahlung entlohnt werden sollen, kann ich voll unterschreiben.

 

 

 

Nicht Ihrer Meinung bin ich allerdings, dass die Neuregelung der GOT durch eine unabhängige Kommission stattgefunden hat. Sie erfolgte aus wirtschaftlichen Interessen, überwiegend vertreten durch Konzerne, Inhaber von großen Tierkliniken oder deren Lobbyisten, die dort agiert haben. In den letzten Jahren passiert in Deutschland das, was schon in England vor rund 25 Jahren begann. Der Ausverkauf der kleinen Tierarztpraxen. Was im Kleintierbereich AniCura (Mars), IVC Evidensia (Nestlé), Tierarzt Plus u.a. sind, hinter denen Großkonzerne wie Mars und Nestlé stehen, setzen im Großtierbereich Investoren wie z.B. Altano Group um. Diese nutzen gerne nach erfolgtem Aufkauf durch Nachfolgermangel, eine Optimierung im Einkauf, der Verwaltung und der Nutzung von teuren Geräten. Häufig ist dies für den Kunden nicht ersichtlich, da viele Praxen weiterhin unter dem Namen des alten Inhabers weitergeführt werden.

 

 

Da ich selbst auch im Gesundheitssektor Pferd unterwegs bin, häufig auch in Belgien, den Niederlanden und anderen Ländern, kann ich Ihnen sagen, dass es dort keineswegs teurer für den Tierhalter ist. Teilweise ist es eher preiswerter, bei häufig sogar modernerer Klinikausstattung. Dort gibt es auch Klinikgruppen, aber es setzt sich dort eher derjenige durch, der spezialisiert und gut vernetzt ist.

 

Das Problem in Deutschland ist nicht, dass generell Tierärzte vorher zu wenig verdient haben, sondern angestellte Tierärzte, genau wie in der Humanmedizin auch, dem Gutwillen ihrer Arbeitgeber ausgesetzt sind.

 

 

Gerne wird von Tierärzten angeführt, dass die letzte größere Preiserhöhung aus dem Jahr 1999 stammt. Vergessen wird dabei aber, dass es schon immer die Möglichkeit gegeben hat, einen vielfachen Satz zu berechnen. Inzwischen ist die GOT aber in Zusammenarbeit mit Versicherungsagenturen, die OP- und Tierkrankenversicherungen anbieten, zu einem einander befruchtenden Geschäftsmodell geworden.

 

 

Lobbyismus ist nicht per se etwas Schlechtes. Dumm nur, wenn man selbst keine Lobby hat. Der Trabrennsport, genauer gesagt der HVT zum damaligen Zeitpunkt, Geschäftsführer Heinz Tell nebst Zuchtleiterin, haben schlicht versäumt, die Verbindung zur Politik und zur Landwirtschaft zu suchen und einen Schulterschluss mit der FN und Deutsch Galopp zu erreichen.

 

Hätte man damals auf die Bedeutung des Trabers als Zuchtpferd hingewiesen, dann wäre zumindest eine Sonderregelung für die Hausbesuchsgebühr (laut GOT §10) in Höhe von 34,50 € netto, das Mindestwegegeld oder den Doppelkilometer für 3,50 € eine Sonderregelung verhandelbar gewesen.

 

 

 

 

Als ich im Januar mit am HVT-Messe-Stand auf der Grünen Woche war, hat sich Dr. Völl die Hacken abgelaufen, um dort etliche Minister und andere Politiker mit Bedeutung für die Landwirtschaft und ähnliche Ressorts am Stand mit dem Trabrennsport in Verbindung zu bringen. Es ging erst einmal

darum, den Sport wieder in den Blickwinkel der Politik zu rücken. Denn das, was hier unter den Wettenden immer als Trabrennen und Sport bezeichnet wird, sind im rechtlichen Sinne Leistungsprüfungen, die dem Tierzuchtgesetz unterstehen und zur Landwirtschaft gehören. Mit dieser Sichtweise würde man dann nämlich von einem Bild, dass der Trabrennsport ja ein Sport der Reichen sei, die ja genügend Geld hätten, mal wegkommen, vielleicht zu einer Sichtweise, dass Traber eine zu erhaltende Zuchtpopulation sind. 

 

Wenn man diese Schiene jetzt mal stärken würde, statt Fragen zu stellen wie z. B., ob es Sinn ergeben würde, auf der Grünen Woche vertreten zu sein, oder ob es nach einem Messeauftritt messbare Erfolge gäbe, ginge zumindest da etwas in die richtige Richtung. 

 

 

Montag 27 April 23:12 Uhr
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Christina Hempel

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Sehr geehrte Frau Sokollis, 

danke für ihren sachlichen Beitrag. Selbtsverständlich gibt es auch in der jetzigen GOT die Möglichkeit für  landwirtschaftliche Betriebe, Behandlungsverträge abzuschließen. Ich habe drei Behandlungsverträge für landwirtschaftliche Pferdehaltungen. Ist für beide Seiten vorteilhaft. Gerade die bäuerliche Pferdehaltung kann darauf zurück greifen, dort können Pauschalpreise dann festgelegt werden., die Hausgebühr entfallen etc. Man muss nur miteinander reden.

Die Pferdehaltung in Deutschland ist überwiegend eine Hobbypferdehaltung , ohne jegliche Gewinnerzielungsabsicht bzw zur Ernährung der Bevölkerung dient, noch dem Gemeinwohl dient. Allenfalls handelt es sich um ein Kulturgut.

Von mir aus, kann die GOT auch abgeschafft werden. Günstiger wirds deswegen nicht. Auch nicht bei meinen Studienkollegen in ihren Praxen. Warum sollte ich einen geringeren Stundensatz nehmen, als ein Osteotherapeut, Schmied etc. Reich wird man damit eh nicht, wer als Tierarzt Geld hat, hatte vorher auch schon Geld bzw die Familie. 

Um es mit den Worten meiner Freundin zu sagen: Ich mache jetzt seit 27 Jahren Praxis und nie ist auf dem Konto Guthaben.

Ich bin mir sicher, ihr Geschäft ist profitabler als der Betrieb einer Praxis. Sage ich jetzt neidfrei. Es gibt nichts schöneres, als Pferdepraxis fahren, die Pferde und Besitzer zu betreuen, auch wenn es abends dann ein ein 15 Stunden Tag wird im Kolikfall. 

Montag 27 April 23:41 Uhr
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Anja Sokollis

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Guten Abend Frau Hempel,

es ist wichtig, dass es noch kleine Praxen mit selbstständigen Tierärzten gibt, die auch am Wochenende arbeiten. Ich finde es toll, wenn jemand seinen Beruf liebt.

Und natürlich soll ein Tierarzt einen ordentlichen Lohn bekommen.

Ich selbst lege im Jahr mit meinem Auto ca. 40.000–45.000 km zu meinen Kunden zurück. Ich glaube nicht, dass die akzeptieren würden, dass ich 3,50 € für den gefahrenen Doppelkilometer berechnen, oder plötzlich Freitagnachmittag oder am Wochenende den doppelten oder dreifachen Satz berechnen würde. Meiner Meinung nach sollte es da Ermessensspielräume geben.

 

Die von Ihnen richtigerweise angesprochenen Behandlungsverträge sind leider nicht für jeden machbar. Es wäre heute für die normalen Besitzer, die keine Landwirte sind, einfacher, wenn damals schon die Weichen richtig gestellt worden wären.

Samstag 02 Mai 08:33 Uhr
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Hooksieler Rennverein

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Moin,

zum Thema und zur Kenntnis mein Brief an HVT betr GOT:

GOT-Novelle, HVT-Mitteilung vom 17.04.2026 // offener Brief

Sehr geehrte Geschäftsführung und Präsidium,

am 17. April veröffentlichte der HVT (zusammen mit Galopp und FN) die Forderung, die in 2022 novellierte Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) zu überprüfen und anzupassen.

Es wird dabei argumentiert, daß die novellierte Gebührenordnung zum Teil weit über steigende Tierarztkosten hinaus gehe. Und im Trabrennsport Betriebe und Zuchtstätten unter enormen Druck gerieten.

Ich vermute, daß sich dabei lediglich der schon länger laufenden Kampagne der FN angeschlossen wird, ohne daß der HVT eine eigene intensive Sachverhalts-Prüfung vorgenommen hätte.

Einige wenige Punkte der neuen GOT sind verbesserungswürdig. Dabei ist besonders an die zu Recht umstrittene Regelung der Anfahrts- und Besuchsgebühr an einen einzigen Ort/Stall bei mehreren Patienten zu denken.

Aber die eigentlichen tierärztlichen Tätigkeiten betrifft dies nicht.

Zur Erläuterung: Die alte GOT stammte aus 1999, die Novellierung erfolgte 2022 (!).

Um gesichert mitreden zu können habe ich ca. 30 Positionen der alten und neuen GOT, die in der Pferdepraxis üblicherweise vorkommen, verglichen.

Es ergab sich dabei eine Erhöhung von 160,5 %. Und das ist nun schon wieder 4 Jahre her.

Im gleichen Zeitraum (1999 – 2022) stieg das durchschnittliche Arbeitnehmerentgelt lt. statistischem Bundesamt um 162,4 %.

Hier ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen.

Dem Eingangssatz aus der Veröffentlichung des HVT: „die wirtschaftliche Lage in Trabrennsport und –Zucht hat sich deutlich angespannt“ ist vorbehaltlos zuzustimmen.

Aber anstatt sich fragwürdigen Statements anderer Institutionen anzuschließen sollte dann doch der HVT bei sich selber beginnen.

Beispielhaft mehrere Möglichkeiten, die den Halter von Trabern direkt entlasten können:

1. Abschaffung und damit Kostenersparnis der recht teuren Herpes-Impfung. Deren Sinnhaftigkeit ist umstritten. Auch FN (ca. 135.000 eingetragene Turnierpferde 2025 !) hat auf die Verpflichtung dieser Impfung verzichtet. Im schwedischen Trabrennsport ist dies ebenso nicht Pflicht. Von anderen Trabrennsport-Ländern sind mir die Regelungen nicht geläufig. Vermutlich aber in ganz Skandinavien so gehandhabt.

2. Abschaffung und damit Kostenersparnis der Ein- und Ausfuhrgebühren bei den doch recht regelmäßig vorkommenden Auslandsstarts. Diese dürften zudem rechtlich kaum haltbar sein, da es eine Ein-/Ausfuhr innerhalb der EU als solche gar nicht geben kann (EU Verordnung 2015/262, Auslegungshinweise).

3. Hinarbeiten auf Änderung und damit Kostenersparnis der Traces-Regelungen (siehe FN!)

4. Überprüfung der inflationären Gebühren-/Strafenfestsetzungen

5. Dabei Anpassung der Strafenhöhe an unterschiedliche Preisgelder

Das sind Vorschläge, die mir „auf die Schnelle“ einfallen.

Weitere Möglichkeiten mit denen sich der HVT konstruktiv beschäftigen kann dürfte es so Einige geben….

Mit freundlichen Grüßen

Immo Müller

Samstag 02 Mai 09:29 Uhr
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Thomas Kaufmann

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Großartig ! Endlich mal ein konstruktiver Ansatz, volle Unterstützung!

Mittwoch 06 Mai 22:00 Uhr
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Anja Sokollis

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Moin Herr Müller,

Sie haben mit Sicherheit mit einigen Ihrer Anregungen hinsichtlich der Entlastung der Halter von Trabrennpferden recht.

Mir fiel da noch eine Steuerbefreiung für Pferdetransporter (auch für Nichtlandwirte) ein, die für Transporte von Trabrennpferden genutzt werden. Da Trabrennen im rechtlichen Sinne ja „Zuchtleistungsprüfungen“ im Sinne des Tierzuchtgesetzes sind.

Das heißt, der Besitzer möchte nicht zum Training und Rennen, sondern muss sozusagen.

Vielleicht wäre sogar ein staatlicher Treibstoff-Bonus aushandelbar.

 

Nicht ganz d’accord gehe ich mit Ihnen, dass der HVT sich nicht mit an das FN-Gesuch hängen sollte.

Ihre Rechnung und Überprüfung, die besagen, dass die GOT‑Erhöhung der tierärztlichen Leistung 160,5 % beträgt, beziehen sich auf den 1-fachen Satz. Auf diesen 1-fachen Satz können/müssen Tierärzte je nach Aufwand, Zeit den 2-fachen, 3-fachen Satz berechnen oder im Notdienst ist der (2‑ bis 4-fache Satz + 50,00 €/netto Zusatzgebühr) vorgeschrieben.

Als Notdienst gelten Behandlungen zwischen 18 und 8 Uhr, ab Freitag 18 Uhr, das ganze Wochenende hindurch und an Feiertagen.

Jeder soll leistungsgerecht verdienen, aber da wäre wohl doch noch Gesprächsbedarf.

 

Hinsichtlich der momentan in Deutschland beim HVT bestehenden Verpflichtung zur Impfung gegen Rhinopneumonitis möchte ich Folgendes anmerken. Manchmal fragt man sich, wozu es eine UET gibt. Jedes Land hat seine eigene TRO. Skandinavien schreibt im Trabrennsport die Rhino-Impfung nicht vor. Frankreich und Italien schon.

 

Ja, es gibt vielleicht nicht den letzten Beweis, dass die einzelne Impfung immer das geimpfte Pferd schützt, aber es gibt durchaus Untersuchungen, dass es bei einem gut geimpften Bestand einen gewissen Herdenschutz gibt. Die Ersparnisse, die Sie haben, wenn Sie auf die Impfung verzichten, sind nicht so hoch. Die FN ist gegen den Druck einiger Großbesitzer eingeknickt und hat die Impfpflicht gegen Rhino wieder rückgängig gemacht. Scheinbar sind da die Herpesfälle mit Todesfolge aus 2021 in Valencia mit drastischen Unterbrechungen für den internationalen Turniersport schnell in Vergessenheit geraten.

 

Man sollte eher mit dem Argument der doppelten Impfung und der Nachverfolgbarkeit der Trabrennpferde durch ihre Ausfuhrzertifikate bei den zuständigen Veterinärbehörden aufschlagen und dort eine Befreiung der Traces zwischen Deutschland und Skandinavien/Frankreich/Belgien/den Niederlanden/Österreich und Italien zumindest für Startpferde anfragen.

Wenn die Gebühren für die Traces nicht wären, kämen vor allem auch wieder mehr Pferde aus den Niederlanden zu normalen Rennen.

Mittwoch 06 Mai 22:42 Uhr
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Christina Hempel

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sehr geehrte frau sokollis,

bisher ist jeder anrufer im notdienst dankbar, das er überhaupt jemanden erreicht, das überhaupt jemand kommt, da spielt die höhe der gebühr überhaupt keine rolle. irgendwie scheine ich als tierarzt mein recht auf einen 8 stunden tag bei 40 stundenwoche in der gesellscahft abgegeben zu haben. selbstverständlich soll ich dann jeden tag auf ein begleitendes sozialleben resp hobby, familie zugunsten fremder tiere verzichten und das auch noch auch um 23 uhr zum normaltarif. 45000 km schaffe ich auch im jahr - nachdem ich in einem jahr 80000km auf dem tacho hatte, habe ich das praxisgebiet verkleinert. der röntgentechniker nimmt für die anfahrt aus berlin 300€ ( 50km ). mir ist nicht bekannt, das futterzusatzmittelkunden regelmässig einen notbesuch um 23 h , samstagsabend anfordern. bei ca 1000 betreuten patienten können sie sicher sein, das jeden tag einer wegen eines notfalls anruft. irgendwas ist immer. standardtelefongespräch im notdienst: mein hund ist schwer krank, können sie kommen? das kann nur in einer praxis behandelt werden. ich hab kein auto, dann nehmen sie ein taxi, das kann ich mir nicht leisten. wenn der tierarzt nach hause kommt ist das billiger. ein vortragender tierarzt gab auf einer fortbildung den tipp: wenn sie von einem flughafen abgeholt werden müssen: rufen sie einen kollegen an. ist immer günstiger als ein taxi und auch unterhaltsamer. anfahrtzeit ist arbeitszeit. ich bin mir sicher, das sie ihre preise auch danach kalkulieren. ein sehr häufig gehörter satz nach übergabe der rechnung in der kleintierpraxis ist auch: wie können sie das mit ihrem gewissen vereinbaren, so eine hohe rechnung nur für ein tier. auf deutsch: der tierarzt soll von luft und liebe zum tier leben. habe noch nicht gehört, das der hausarzt/ klempner/automechaniker so schikaniert wird. gerade in der zeit ein schöner artikel zum thema: warum ich nicht mehr als tierarzt arbeite ( obwohl traumberuf ). niemals würde ich ihnen vorschreiben, wieviel sie an ihren produkten verdienen dürfen. sie tun das. ein längeres gespräch mit meiner kollegin aus dem nachbardorf neulich in der futtermühle: ich arbeite nur noch um die angestellten zu bezahlen, den notdienst macht sie inzwischen selber, sie kann ihre angestellten dafür nicht mehr bezahlen, rufbereitschaft muss inzwischen vergütet werden. sie hat eine 100 h woche. und nebenbei: wenn der tierarzt einen fehler macht, kommen tiere zu schaden, evtl schlimmeres. als verkäufer hat man solch eine verantwortung nicht. da muss nur die bilanz stimmen.

Mittwoch 06 Mai 23:07 Uhr
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Andrea Kaufmann

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Liebe Anja, die kuriose Idee mit der Steuerbefreiung für Transporter mit Trabrennpferden ist wohl nicht ernst gemeint? 

Mittwoch 06 Mai 23:38 Uhr
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Anja Sokollis

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Andrea Kaufmann schreibt:

Liebe Anja, die kuriose Idee mit der Steuerbefreiung für Transporter mit Trabrennpferden ist wohl nicht ernst gemeint? 

Liebe Andrea, so kurios finde ich das gar nicht. Warum sollen Transportfahrzeuge für Pferde, die an Zuchtleistungsprüfungen teilnehmen, nicht steuerbefreit oder steuerermäßigt werden? Sie gehören zur Landwirtschaft. Andere Berufssparten wie z.B. Schausteller haben auch eine Steuerbefreiung für Zugfahrzeuge erreicht. Nur wenn man nicht fragt, bekommt man auch nichts.

Mittwoch 06 Mai 23:50 Uhr
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Anja Sokollis

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Sehr geehrte Frau Hempel,

natürlich sollen Tierärzte gut verdienen. Aber zwischen gut verdienen und zwangsweise abrechnen besteht ein Unterschied.

Im Übrigen verkaufe ich nicht nur, sondern lasse Ergänzungsfuttermittel selbst herstellen. Sie glauben nicht, was da alles an Vorschriften und Haftungsfragen auf einen zukommt. Des Weiteren berate ich seit Jahren Ställe. Oftmals rufen Stallbesitzer sehr spät abends, da sie selbst in ihrem eigentlichen Geschäft ihr Geld tagsüber verdienen, an. Gerne möchten sie auch, dass man am Wochenende vorbeikommt. Das mache ich auch gerne, kann da aber auch nicht mal eben den 4-fachen Satz berechnen.

Donnerstag 07 Mai 00:42 Uhr
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Andrea Kaufmann

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@Anja, fragen alleine bringt da wohl nicht viel.....mit einem belastungsfähigen Sanierungskonzept für eine in gewaltige Schieflage geratene (der Landwirtschaft zuzurechnende) Tierzucht könnten eventuell Projekt-Gelder locker gemacht werden. Ich hatte Herrn Dr.Völl da schon eine eventuelle Quelle genannt. Müsste man halt dann auch mal in Angriff nehmen.

In der heutigen Zeit Steuergelder zu verlangen für Sportveranstaltungen, die im weitesten Sinne natürlich Zuchtleistungsprüfungen sind, finde ich tatsächlich "phantasievoll". Jedes ländliche Reitturnier, jede Stuten- und Fohlenschau (gibt's in fast jedem Zuchtverband), jede Körung sind Leistungsprüfungen.....gilt hier die Steuerbefreiung auch? Und jetzt sprechen wir nur von Pferden......gibt noch einige andere Nutztiergarten .....

 

Donnerstag 07 Mai 08:45 Uhr
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Andreas Gruber

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Ich glaube nicht, dass jemand den einzelnen Tierarzt und seine Rechnung an sich kritisiert. Das Problem wird aber in den nächsten Jahren immer größer werden mit den Heuschrecken, die immer mehr Praxen aufkaufen. Tierarzt Plus, Evidensia, AniCura, Veternicum, Medivet und andere sind nun mal Investorengetriebene Unternehmen bei denen es nur um Gewinnmaximierung der Kapitalgeber geht. 

Donnerstag 07 Mai 10:16 Uhr
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Anja Sokollis

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@Andrea, dass ein Sanierungskonzept erstellt werden sollte, sehe ich genauso. Es sollte allerdings nicht nur x-mal das Wort „Sponsor“ enthalten, sondern unter einem gewissen zeitlichen Ablauf durch eine Überarbeitung der Ausbildungsverordnung, der Lizenzen, des Nennungssystems, des Umgangs und der Einbeziehung von Besitzern, des Aufbaus eines Jugendsports und vieler anderer Dinge an das Konsumentenverhalten der heutigen Zeit angepasst sein. Und da sehe ich neben dem HVT auch die Rennvereine in einer Verantwortung.  

Was meine "fantasievolle" Vorstellung bezüglich der Steuerermäßigung angeht, kann ich nur sagen, dass der Steuerbund sie schon teilt. Mir war bekannt, dass man einen Pferdeanhänger mit grünem Nummernschild steuerfrei anmelden kann.

Ich habe mal nachgefragt. Tatsächlich kann man auch Pferdetransporter, sofern sie für Sportpferde, die zu Turnieren oder Pferderennen transportiert werden, verwendet werden, von der Steuer befreien lassen. Man darf dann allerdings keine anderen Güter darin transportieren, da man sonst Steuerhinterziehung begehen würde. 

@Andreas Gruber: Ja, genau das habe ich in einem vorherigen Post angesprochen. Hinter den Namen Evidensia und anderen stehen zum Teil Weltkonzerne wie Mars und Nestlé.

Donnerstag 07 Mai 10:41 Uhr
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Andrea Kaufmann

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Mit Sanierungskonzept meinte ich kein "Sponsoren Konzept".... vielmehr Maßnahmen die Zucht zu erhalten....was in der Folge bzw  als Notwendigkeit die Leistungsprüfungen beinhaltet. Dazu gäbe es eventuell Agrar Töpfe 

 

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